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Philippinen : Der Präsident lässt für immer schweigen

Die Leiche eines mutmaßlichen Rauschgiftsüchtigen, der bei einer Polizeiaktion in Manila getötet worden war, wird von Bestattern weggetragen. Bild: dpa

Er kündigte an, Kriminelle den Fischen zum Fraß vorzuwerfen und rief die Bürger auf, Drogenabhängige zu töten. Mehr als 30 Menschen sollen in den wenigen Tagen seit seinem Amtseid nun schon umgebracht worden sein.

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          „Ich bin ein Dieb, Du30“, stand auf dem Zettel, der auf der Leiche eines Jimmy Vosotros auf der südphilippinischen Insel Cebu klebte. „Du30“ ist das Kennzeichen, mit dem die Anhänger des neuen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte seinen Namen im Wahlkampf abgekürzt hatten. Das Kürzel hat nun eine ganz neue Bedeutung bekommen. Derzeit sollen Sicherheitskräfte in dem südostasiatischen Land unter diesem Titel eine Kampagne zur Verbrechensbekämpfung gestartet haben. Sie sollen von den Aufrufen und der wenig zimperlichen Haltung ihres Präsidenten gegenüber Kriminellen angespornt worden sein.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Leiche des Jimmy Vosotro steckte in einem Müllsack und war mit Klebeband umwickelt. Die Hintergründe seines Todes sind zwar noch ungeklärt. Aber in anderen Fällen gibt es weniger Zweifel, dass die kernigen Ankündigungen des Präsidenten schon jetzt Folgen zeigen. Schon vor der Amtseinführung Dutertes Ende Juni waren mehrere Dutzend mutmaßliche Kriminelle in Gefechten mit der Polizei getötet worden. In den ersten Tagen seit seinem Eid mussten nun noch einmal mindestens 30 „Drogenhändler“ dran glauben. Offenbar aus Angst sollen sich zudem in mehreren Städten hunderte mutmaßliche Drogenkriminelle von selbst der Polizei ausgeliefert haben. 

          Allein am Sonntag seien in einem Schusswechsel mit der Polizei in einem Slum der Hauptstadt Manila insgesamt fünf Personen getötet worden. Wie die Polizei der Agentur Reuters berichtete, sei außerdem Rauschgift im Wert von 20 Millionen Dollar beschlagnahmt worden. Der Agentur zufolge sind seit Dutertes Wahl sogar schon 100 vermeintliche Drogenhändler, Vergewaltiger und Autodiebe ums Leben gekommen. Wirklich wundern würde es keinen. Denn schon in der Zeit Dutertes als Bürgermeister der Stadt Davao sollen mehr als 1400 Kleinkriminelle, Straßenkinder und Rauschgiftsüchtige von Todesschwadronen getötet worden sein. 

          Im Wahlkampf hatte der Präsident angekündigt, Kriminalität und Drogenmissbrauch auf den Philippinen in nur sechs Monaten zu beenden. Er kündigte an, die Todesstrafe wieder einführen zu wollen und der Polizei mehr Spielraum beim Einsatz von Schusswaffen zu geben. Bei einer Rede nach seiner Vereidigung hatte er außerdem dazu aufgerufen, Drogenkriminelle zu töten. „Diese Hurensöhne zerstören unsere Kinder. Ich warne Euch, schließt Euch denen nicht an, auch nicht wenn Ihr Polizisten seid. Denn ich werde Euch töten“, sagte Duterte.

          Der neue nationale Sicherheitschef Ronald Dela Rosa, der schon in Davao unter Duterte eine Zeit lang als Polizeichef fungiert hatte, erklärte der Presse, dass das Sechsmonatsziel durchaus erreicht werden könnte, sofern konsequent gegen Drogenbesitzer vorgegangen werde. „Sie haben das Recht zu schweigen – für immer“, sagte der der neue Polizeichef noch vor seiner Amtseinführung. In einigen Städten sollen die Behörden auch schon begonnen haben, eine von Duterte angekündigte Sperrstunde durchzusetzen, und Straßenkinder einzusammeln, die sich noch nach zehn Uhr abends unter freiem Himmel aufgehalten hatten.   

          Manila : Umstrittener Rodrigo Duterte als Präsident der Philippinen vereidigt

          Eine Gruppe von Anwälten rief nun die Regierung auf, die außergerichtliche Gewaltanwendung zu stoppen. Noch vor der Amtsübernahme Dutertes hatten die Behörden außerdem Ermittlungen aufgenommen. Sie sollten klären, ob die erhöhte Zahl getöteter Verdächtiger tatsächlich mit den Aufrufen Dutertes zusammenhängt. Sogar Ban Ki-moon hatte sich „extrem verstört“ über die Ankündigungen geäußert. Ein Sprecher des Präsidenten wiegelte jedoch ab. Der UN-Chef habe sich von falschen Presseberichten irreführen lassen. Duterte habe nie außergerichtliche Tötungen gutgeheißen, sagte er. Doch auf den Philippinen geht nun ein makabrer Witz um. Demnach werden jetzt nicht nur die Beerdigungsinstitute jetzt ein gutes Geschäft machen, sondern auch die Hersteller von Müllbeuteln, Pappkartons und Klebeband.   

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