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Till Fähnders (fäh.)

Kommentar : Mit dem Islam den Extremismus bekämpfen

  • -Aktualisiert am

Jakarta geht seit Jahren erfolgreich gegen militante Gruppen vor. Doch das greift zu kurz: Auch die großen moderaten islamischen Organisationen des Landes müssen islamistischen Randgruppen entschlossener entgegentreten.

          Indonesien, das Land mit der zahlenmäßig größten muslimischen Bevölkerung der Welt, rühmt sich gerne des moderaten Islams, der dort praktiziert wird. Wie die Anschläge vom Donnerstag in Jakarta zeigen, schützt aber auch das nicht vor der erweiterten Todessehnsucht der Terroristen.

          Es ist sogar gut möglich, dass dies eine entscheidende Motivation für den Angriff war. Denn die meisten indonesischen Muslime sind tolerant, auch gegenüber anderen Religionen. Aber sie sehen sich auch einer Gruppe militanter Islamisten gegenüber, deren Gezeter in der Öffentlichkeit nicht selten die moderaten Stimmen zu übertönen scheinen. Für den Einfluss des Islamischen Staats in Indonesien ist das insofern von Belang, als sich die bereits marginalisiert geglaubten Terroristen dank IS nun offenbar wieder auf eine große Schar Sympathisanten stützen können.

          Leider ist es daher auch sehr gut möglich, dass der Anschlag vom Donnerstag nur der Anfang einer längeren Phase erhöhter Terrorbedrohung in Südostasien sein könnte. Wie es heißt, will der IS in der Region ein „entferntes Kalifat“ errichten. Allein aus Indonesien sollen bis zu 700 Kämpfer nach Syrien und Irak gereist sein, um sich dem IS anzuschließen. Die Angst vor zusätzlich radikalisierten und womöglich frustrierten Rückkehrern ist dort deshalb so groß wie in Europa. Auch in anderen Ländern der Region, vor allem in Malaysia, Thailand und auf den Philippinen, nimmt die Sorge vor weiteren Anschlägen zu. Deshalb sollten die Behörden auch erwägen, Reisen in Terrorgebiete strafbar zu machen, um effektiver gegen zurückkehrende Kämpfer vorgehen zu können.

          Kampf auf intellektueller Ebene

          Natürlich müssen auch die Bemühungen der Sicherheitskräfte weiter verstärkt werden, den Terroristen auf die Schliche zu kommen, bevor sie einen Anschlag verüben. Doch gerade in diesem Punkt hat Indonesien in den vergangenen Jahren schon einige Erfolge aufzuweisen. Das zeigt sich auch daran, dass der Angriff in Jakarta längst nicht so professionell durchgeführt worden war wie andere der jüngeren Zeit, etwa in Paris und Istanbul. Bei allem Leid, das verursacht wurde, ist die Zahl der Opfer glücklicherweise überschaubar geblieben. Allerdings würde eine rein polizeiliche und militärische Antwort auf den Terror gerade in Indonesien, als Heimat eines Großteils der Muslime Südostasiens, zu kurz greifen. Es muss auch vermehrt ein Kampf auf der intellektuellen Ebene stattfinden.

          Der indonesische Staat sowie die beiden großen, überwiegend moderaten muslimischen Organisationen Nahdatul Ulama (NU) und Muhammadiyah, sollten den islamistischen Randgruppen entschlossener entgegentreten. Dazu gehört auch, den islamistischen Extremismus mit Hilfe der islamischen Lehre zu bekämpfen. Es gibt solche Bemühungen schon, dem Weltbild des IS in Indonesien auch ideologisch etwas entgegenzusetzen. Die Versuche, eine Gegenerzählung aufzubauen, müssen aber noch intensiver und gezielter werden. Indonesien könnte dank seiner Traditionen dabei sogar eine Vorreiterrolle einnehmen.

          Das ist offenbar auch die Einschätzung des Präsidenten Joko Widodo, der allerdings auch in diesem Punkt zu zögerlich agiert. Indonesien sollte sich noch stärker an seine Tradition der Toleranz erinnern und sie zu einem Schutzschild gegen den Extremismus ausbauen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

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