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Katholiken in China : Tod im Untergrund

  • -Aktualisiert am

Trotzen Chinas Machthabern:Teilnehmer einer Messe der „Untergrundkirche“ in Peking Bild: Reuters

Der beliebte Bischof der papsttreuen „Untergrundkirche“ Cosma Shi Enxiang ist 14 Jahre nach seiner Verhaftung für tot erklärt worden. Seine Todesnachricht macht auf die weiterhin prekäre Lage der illegalisierten Katholiken in China aufmerksam.

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          Am Karfreitag des Jahres 2001 wurde der katholische Untergrundbischof der Diözese Yixian in der chinesischen Provinz Hebei, Cosma Shi ´, in der Wohnung seiner Nichte festgenommen. Von diesem Moment an blieb er verschwunden. Nachfragen der Familie blieben unbeantwortet. Nach vierzehn Jahren der Ungewissheit teilten die Behörden der Familie jetzt den Tod des Bischofs mit. Über die Todesursache und den genauen Todeszeitpunkt habe man keine Angaben gemacht, berichtet die katholische Nachrichtenagentur Ucanews.

          Katholiken in China trauern um einen Bischof, der wegen seiner Treue zum Papst und seiner Ablehnung der staatlich kontrollierten offiziellen katholischen Kirche fünfzig Jahre seines Lebens in chinesischen Gefängnissen und Arbeitslagern verbracht hat. Cosma Shi Enxiang wurde im Jahr 1947, zwei Jahre vor der kommunistischen Machtübernahme in China, zum Priester geweiht. Nachdem die kommunistische Regierung von den katholischen Christen verlangt hatte, sich vom Papst loszusagen, wurde Shi 1954 erstmals verhaftet. Anschließend war er in einem Arbeitslager in der Provinz Heilongjiang interniert, musste in Kohlebergwerken der Provinz Shanxi Zwangsarbeit verrichten und saß in verschiedenen Gefängnissen. Zwei Jahre nach seiner Freilassung im Jahr 1980 wurde Shi Enxiang heimlich zum Weihbischof geweiht, 1995 wurde er Bischof der Diözese Yixian.

          Geistliche werden in China noch immer Verfolgt

          Ende des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der Vatikan und die chinesische Regierung Gespräche über eine Annäherung und eine mögliche Aufnahme von diplomatischen Beziehungen verhandeln. Nun erinnert die Nachricht vom Tod des 14 Jahre lang verschwundenen hochbetagten Bischofs an das Schicksal der katholischen Untergrundkirche, die in China immer noch als „illegal“ gilt. In einigen Provinzen Chinas gehen die Sicherheitsbehörden weiterhin gegen Priester und Bischöfe der katholischen Untergrundkirche vor. Priester und Gläubige müssen in ständiger Furcht vor Zugriffen der Sicherheitsbehörden leben. Nach Angaben aus Kirchenkreisen in Hongkong sind derzeit noch sieben Priester der Untergrundkirche in Haft, darunter der Untergrundbischof der Stadt Baoding, James Su Zhimin, der ebenfalls ohne Anklage oder ordnungsgemäßes Verfahren seit 1997 verschwunden ist.

          Seit mehr als 60 Jahren ist Chinas katholische Kirche gespalten. Der offiziell zugelassenen „patriotischen“ Kirche, die ihre Bischöfe selbst ernennt und „unabhängig von äußerer Einmischung“ sein soll, gehören etwa sechs Millionen Gläubige an. Auf mindestens ebenso viele wird die Zahl der Gläubigen der „Untergrundkirche“ geschätzt, die sich auch nach Jahrzehnten der Verfolgung zum Papst bekennen. Die Untergrundkirche, die auch als „nichtoffizielle“ Kirche bezeichnet wird, hat eigene Priester und Seminare und hält Gottesdienste meist in privaten Wohnungen. In Orten mit stark katholischer Bevölkerung gibt es aber auch Gotteshäuser der nichtoffiziellen Kirche.

          Papst hat noch viele offene Fragen zu klären

          Die Beziehungen zwischen den Katholiken beider Seiten haben sich in den vergangenen Jahren entspannt. Nach einem stillschweigenden Übereinkommen zwischen dem Vatikan und der chinesischen Regierung wurden Bischöfe mit Zustimmung sowohl des Papstes als auch der chinesischen Religionsbehörden geweiht. Die chinesischen Behörden haben aber auch weiterhin in einigen Diözesen Bischöfe weihen lassen, die der Vatikan nicht genehmigt hat. In einigen Diözesen gibt es sowohl offizielle als auch Untergrundbischöfe.

          Papst Franziskus bemüht sich um Beziehungen zu China. Auch die chinesische Regierung hat vorsichtig Verhandlungsbereitschaft anklingen lassen. Doch neben der Frage der Ernennung der Bischöfe müssen auch die Zukunft der Untergrundkirche, die Freilassung ihrer inhaftierten Priester und die Frage der Religionsfreiheit in China geklärt werden. Viele katholische Christen der Untergrundkirche sehen die Annäherung zwischen dem Papst und der chinesischen Regierung skeptisch. Eine Einigung zwischen dem Vatikan und der chinesischen Regierung würde die Vereinigung der offiziellen und der Untergrundkirche bedeuten. Trotz der Verhandlungen mit dem Vatikan reagiert die chinesische Regierung weiterhin sehr empfindlich auf Verstöße gegen die Vorschriften der offiziellen „patriotischen“ Kirche. So steht der offizielle Bischof von Schanghai, Ma Daqin, seit zwei Jahren unter Hausarrest und darf sein Amt nicht ausüben, weil er seinen Austritt aus der staatlichen „patriotischen Vereinigung der katholischen Kirche“ erklärt hat.

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