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Kanzlerin Merkel in China : Zu Gast beim freundlichen Herrn Li

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Kanzlerin Merkel und der chinesische Premierminister Li Keqiang werden begeistert gefeiert. Bild: Reuters

An der Universität von Hefei im Osten Chinas wird die Bundeskanzlerin frenetisch gefeiert, schließlich hat die Stadt gute Beziehungen nach Deutschalnd. Nur Ministerpräsident Li Keqiang bekommt noch mehr Applaus.

          Bilder aus alten Zeiten – in der Universität von Hefei. Sie zeigen zum Beispiel Ernst Albrecht (CDU), einst Regierungschef in Hannover, nebst Frau geradenwegs und raschen Schrittes durch das Hochschulgelände laufen. Oder Sigmar Gabriel (SPD), als er noch Ministerpräsident von Niedersachsen war, im Beisein von Professoren, jugendlich und schon kräftig. Christian Wulff (CDU), empathisch im Gespräch mit Studenten. Die Hochschule von Hefei wurde in diesen Tagen 30 Jahre alt. Viele Kontakte nach Niedersachsen hat sie. Hefei, sieben Millionen Einwohner, ist Partnerstadt von Osnabrück (160.000 Einwohner). Freundschaften werden gepflegt. Angela Merkel ist zu Besuch dort, zumal Li Keqiang, der chinesische Ministerpräsident, Hefei als seine Heimatstadt angibt.

          Die beiden werden gefeiert. Nicht Hunderte, Tausende Studenten stehen an den Straßen des Campus Spalier. Sie schwenken deutsche und chinesische Fähnchen. „Nächstes Jahr in Deutschland“ steht auf Spruchbändern. Natürlich auch „Guten Tag, Angela Merkel“. Und wenn die Kanzlerin winkt, scheinen die Studenten aus der Fassung zu geraten. Schrill sind die Schreie. Schriller allerdings noch, wenn der Ministerpräsident das Spruchband „Guten Tag, Herr Li“ winkend erwidert. Eine schöne Ausstellung hat die Hochschule über ihre junge Vergangenheit vorbereitet. Fotos von Albrecht, Gabriel und Wulff eben, und auch Thomas Oppermann (SPD) ist zu erkennen, als jugendlicher Wissenschaftsminister aus Hannover.

          „Mit 30 steht man auf festen Beinen“, sagte Herr Li. Begeisterung in der Halle. „Die chinesische Regierung wird die Universität Hefei zu einem Demonstrationsprojekt machen“, ruft er. Das finden die Studenten gut. „Ich freue mich, dass wir dabei sein können“, sagt die Kanzlerin. Jubel. „Ich glaube, unser Besuch kommt zu einem sehr guten Zeitpunkt.“ Als Merkel die hinteren Reihen zur Ruhe aufruft, weil man sonst die Dolmetscherin nicht verstehe, schauen die Studierenden nach der Übersetzung betroffen drein. Herr Li schaut undurchdringlich.

          Der zweite Tag von Merkels China-Reise gilt der sogenannten Provinz. Hefei also, gelegen auf halber Strecke zwischen Peking und Schanghai. Anlässlich einer Wirtschaftskonferenz werden abermals Verträge unterzeichnet. Einer etwa über 100 Airbus-Hubschrauber für eine Milliarde Euro, und auch eine Vereinbarung der Fachhochschule Stralsund und der Universität Hefei über die Einrichtung eines Konfuzius-Institutes wird unterzeichnet. Dann geht es für Merkel, verabredeterweise ohne Herrn Li, aufs Land.

          Shen Fu heißt das Dorf. Die 2000 Einwohner scheinen allesamt auf den Beinen zu sein, als Merkels Entourage die angebliche Vorzeigeortschaft durchschreitet. Eine Krankenstation wird heimgesucht. Einer Bauernfamilie wird die Aufwartung gemacht, und passenderweise heißt der Bauer auch Shen – Shen Zigen nämlich. Einen Wok gibt es für die Alten, Bauklötze für die Kleinen, und Begeisterung bei allen. Dann noch eine Schule. Kinder beim Malen, Rechnen und Fußball. Schließlich noch hat die Bundeskanzlerin ein „Statement“ fürs Fernsehen angekündigt. Von Kooperation und Wirtschaft und einem guten Besuch spricht sie darin. Ob sie in all dem Jubel der Studenten und Bauern auch Kraft getankt habe, wird sie gefragt, für die kommenden Tage mit Seehofer und Gabriel und den Flüchtlingsproblemen. Merkel scheint, ins Leere blickend, nicht amüsiert. „Ich habe diese Reise mit großem Interesse absolviert, genauso wie ich meine Arbeit zu Hause mit großem Interesse und großem Nachdruck tue, und insofern ist das hier eine wichtige Reise, aber die Dinge zu Hause sind genauso wichtig.“

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