https://www.faz.net/-gq5-7sgu5

Kambodscha : Rote-Khmer-Anführer zu lebenslanger Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Die Angeklagten Khieu Samphan und Nuon Chea im Gerichtssaal bei der Verkündung der Schlussplädoyers im Oktober 2013 Bild: dpa

Ihrem Terrorregime waren Millionen Kambodschaner zum Opfer gefallen. Nun wurde nach mehr als 30 Jahren zwei Anführern der Roten Khmer der Prozess gemacht.

          Das Völkermordtribunal in Kambodscha hat 35 Jahre nach dem Ende ihrer Herrschaft die höchsten noch lebenden Anführer der Roten Khmer schuldig gesprochen. Nuon Chea und Khieu Samphan erhielten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit lebenslange Haftstrafen, wie das Gericht in Phnom Penh am Donnerstag bekanntgab.

          Es ist erst das zweite Urteil des acht Jahre alten Tribunals. Kaing Guek Eav, Chef des Foltergefängnisses Tuol Sleng, war bereits zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die kommunistischen Roten Khmer waren in den Jahren 1975 bis 1979 für den Tod von etwa zwei Millionen Kambodschanern verantwortlich.

          Urteilsverkündung nach monatelanger Beratung

          Der 88 Jahre alte „Bruder Nummer zwei“ Nuon Chea und der 83 Jahre alte ehemalige Staatschef Khieu Samphan waren bei der Urteilsverkündung, die live im Fernsehen übertragen wurde, zugegen. Der Prozess gegen sie war bereits im vergangenen Jahr zu Ende gegangen. Wegen der Schwere ihrer Verbrechen sollten die beiden „in Haft bleiben, bis die Urteile rechtskräftig sind“, sagte Richter Nil Nonn.

          Die Staatsanwaltschaft des von den Vereinten Nationen unterstützten Sondertribunals hatte ihnen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord vorgeworfen. Die Richter machten sie etwa für die Zwangsvertreibung von zwei Millionen Menschen aus der Hauptstadt Phnom Penh nach der Machtübernahme 1975 verantwortlich. Beide gaben an, von Gräueltaten nichts gewusst zu haben.

          Unter der Herrschaft der Roten Khmer, angeführt von dem 1998 gestorbenen „Bruder Nummer Eins“ Pol Pot, kam zwischen 1975 und 1979 fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung Kambodschas ums Leben. Die Menschen starben an den Folgen von Zwangsarbeit und Hungersnöten oder wurden hingerichtet. Die Roten Khmer wollten einen kommunistischen Bauernstaat schaffen, witterten aber bald überall Staatsfeinde.

          Weitere Themen

          Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Austrittsabkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Austrittsabkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.
          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.