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Japans Kaiser wird achtzig : Der sanfte Rebell

Kaiser Akihito mit seiner Familie an seinem achtzigsten Geburtstag am Montag. Bild: AP

Japans Kaiser Akihito hat dem Amt seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Reform statt Revolution ist sein Motto. Kein Tenno war so volksnah wie er. Jetzt wird er achtzig Jahre alt.

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          Als Akihito am 7. Januar vor 25 Jahren den japanischen Kaiserthron bestieg, legte das Kabinett das Motto seiner Amtszeit fest: „Heisei“, was frei übersetzt so viel heißt wie „Frieden schaffen“. Damit galt auch gleich eine neue Zeitrechnung, was eine Ahnung davon gibt, was der Kaiser für Japan bedeutet. In Japan steht die Zeitrechnung im Zeichen des Mottos seiner Amtszeit. In offiziellen Dokumenten ist deshalb das laufende Jahr das 25. Jahr der Heisei-Ära. 1989 Geborene gehören zum Heisei-1-Jahrgang.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          „Der Kaiser ist das Symbol des Staates und der Einheit und leitet seine Stellung vom Willen des Volkes her, von dem alle Staatsgewalt ausgeht.“ So nüchtern beschreibt Artikel 1 der japanischen Nachkriegsverfassung die Rolle des Monarchen im politischen Gefüge des ostasiatischen Landes. Kaiser Akihito ist – anders als die gekrönten Häupter Europas – nicht einmal formelles Staatsoberhaupt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der in Asien auch im Namen von Akihitos Vater Hirohito geführt worden ist, wollten die amerikanischen Besatzer um jeden Preis sicherstellen, dass sich der Tenno künftig nicht mehr in die Politik einmischen kann.

          Der Kaiser, der an diesem Montag seinen 80. Geburtstag und am 7. Januar den 25. Jahrestag seiner Thronbesteigung feiert, hat dem Amt dennoch seinen eigenen, persönlichen Stempel aufgedrückt. Er darf zwar keine politische Aussage machen, die nicht vom Hofamt und vom japanischen Kabinett gebilligt wurde. Zu heiklen Themen wie der weiteren Nutzung der Atomkraft oder zur wachsenden Kluft zwischen wohlhabenden Alten und einer Jugend, wo jeder Dritte nur noch prekäre Jobs findet, darf sich der Kaiser nicht äußern. Doch in kleinen Gesten zeigt er immer wieder seine liberale Grundeinstellung. So hat er in seiner Amtszeit vieles an Traditionen gelockert, die das stockkonservative Hofamt unbedingt bewahren wollte. Dabei ist der 1933 geborene Kaiser selbst noch ein Geschöpf dieser alten, starren Regeln. Schon im Alter von drei wurde er seinen Eltern weggenommen und in Internaten erzogen – rund um die Uhr beaufsichtigt von den Beamten des Hofamtes.

          Kein Rebell, der offen aufbegehrt

          Nach dem Krieg bekam er eine amerikanische Lehrerin. Akihito lernte hier nicht nur schnell Englisch, er entdeckte auch den Wert der Demokratie. Er war der erste Kaiser, der an der renommierten Tokio-Universität studierte – Volkswirtschaftslehre. Er trug zur Entmythologisierung der japanischen Dynastie bei, die seit dem 7. Jahrhundert in ungebrochener Reihe den Thron innehat und sich direkt von den Shinto-Göttern der japanischen Naturreligion ableitet. 1959 heiratete er als erster Kronprinz eine „Bürgerliche“. Kaiserin Michiko hieß damals noch Michiko Shoda. Sie ist die Tochter des Chefs eines großen japanischen Mühlenkonzerns. Akihito lernte die damals 23 Jahre alte Frau beim Skifahren kennen. Mit ihr teilt der Kaiser seine Liebe zur westlichen klassischen Musik. Er selbst spielt Cello, die Kaiserin Klavier.

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