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Japan provoziert China : Abe besucht Yasukuni-Schrein

  • Aktualisiert am

Japans Premierminister Abe (m.) folgt einem Shinto-Priester im Yasukuni-Schrein von Tokio Bild: REUTERS

Exakt ein Jahr im Amt, hat der japanische Premierminister Abe sich in einem Heiligtum für Kriegstote verneigt, in dem auch Kriegsverbrecher verehrt werden. Die empörte Reaktion Chinas und Südkoreas dürfte ihn kaum überraschen.

          Inmitten von Territorialstreitigkeiten mit China und Südkorea hat Japans Ministerpräsident Shinzo Abe am Donnerstag den umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio besucht. Genau ein Jahr nach seinem Amtsantritt verneigte sich der konservative Politiker am Donnerstag in der Anlage, wo die Seelen von 2,5 Millionen Kriegstoten verehrt werden - unter ihnen auch einige Kriegsverbrecher.

          Abe ist der erste japanische Ministerpräsident, der an dem Schrein betete, seit der damalige Regierungschef Junichiro Koizumi am 15. August 2006 anlässlich des Jahrestages der japanischen Niederlage im Zweiten Weltkrieg dort war.

          Der 59 Jahre alte Abe steht international, besonders bei China, häufig wegen seiner als nationalistisch wahrgenommenen Politik in der Kritik. Während seiner ersten Amtszeit von 2006 bis 2007 hatte Abe das Yasukuni-Heiligtum nicht besucht. Auch am Jahrestag der Niederlage vergangenen August hatte er, offenbar auf amerikanischen Druck hin, auf einen Besuch verzichtet.

          Auch Kriegsverbrecher werden verehrt

          Der Schrein unweit des Kaiserpalastes gilt Koreanern und Chinesen seit langer Zeit als Ärgernis. Sie sehen in ihm eine Verherrlichung der dunkelsten Kapitel der japanischen Geschichte, weil unter den Toten auch 14 verurteilte und hingerichtete Kriegsverbrecher geehrt werden. Besuche von Mitgliedern der Regierung in dem Schrein sorgen immer wieder für Empörung bei den beiden Nachbarstaaten, die im Zweiten Weltkrieg unter japanischer Besatzung zu leiden hatten.

          Umstrittene Ehrerbietung: Japans Premier Abe verneigt sich im Yasukuni-Schrein

          Peking verurteilte den Besuch umgehend scharf. Das chinesische Außenministerium nannte das Vorgehen von Abe „absolut inakzeptabel für die chinesische Bevölkerung“. Der Besuch füge den „Gefühlen der Menschen in Asien großen Schaden zu“, teilte das Ministerium am Donnerstag mit. Die Besuche japanischer Politiker an dem Schrein seien der „Versuch, die Folgen des Zweiten Weltkriegs  und die internationale Nachkriegsordnung in Frage zu stellen“,  sagte ein Sprecher. China liegt ohnehin im Streit mit Japan um eine Inselgruppe.

          Auch Südkorea verurteilte den Besuch scharf. „Der Besuch ist ein anachronistisches Verhalten, das nicht nur die Beziehungen zwischen Südkorea und Japan, sondern auch die Stabilität und Kooperation in Nordostasien grundsätzlich beschädigt“, sagte Kulturminister Yoo Jin Ryong am Donnerstag. Um zum Weltfrieden beizutragen, müsse Japan zunächst Vertrauen mit seinen Nachbarn aufbauen, indem es sich kritisch mit seiner Vergangenheit auseinandersetze, statt sie zu verleugnen und  „vergangene Aggression zu verherrlichen“.

          Kritik von amerikanischer Botschaft in Tokio

          Die amerikanische Botschaft in Tokio zeigte sich „enttäuscht“ über Abes Besuch des Schreins, der die Spannungen mit den Nachbarn verschärfen  werde. Abe selbst betonte nach seinem Besuch, gute Beziehungen zu China und Südkorea seien wichtig und lägen im gegenseitigen nationalen Interesse.

          Japan hatte während des Zweiten Weltkriegs große Teile Koreas und Chinas sowie mehrere Länder Südostasiens besetzt. Der Krieg ging erst am 15. August 1945 mit der Kapitulation Japans zu Ende, nachdem die Vereinigten Staaten zwei Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten. Japan sieht sich seit langem dem Vorwurf ausgesetzt, anders als Deutschland seine militaristische Vergangenheit nicht kritisch aufgearbeitet zu haben.

          Derzeit streiten Tokio und Peking um die von Japan verwalteten Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer nahe Okinawa. China beansprucht die unbewohnte, auf Chinesisch Diaoyu genannte Inselgruppe für sich. Territorialer Streitpunkt mit Südkorea ist eine als Takeshima bzw. Dokdo bezeichnete Inselgruppe im Japanischen Meer.

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