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Japan : Aufstand gegen amerikanische Militärbasen

Gegen amerikanische Soldaten auf Okinawa: „Keine Basis - Haut ab! Marines“ Bild: dpa

Die Einwohner von Okinawa lehnen den Bau einer neuen amerikanischen Basis ab. Der Gouverneur der Insel zieht deshalb vor den UN-Menschenrechtsrat. Ein Kompromissvorschlag muss jedoch aus Tokio kommen.

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          „Okinawa wird für die Sicherheit von Japan geopfert“, sagt Takeshi Onaga, der Gouverneur der japanischen Präfektur. Seine Wortwahl zeugt von Verbitterung in einem jahrzehntelangen Konflikt über die amerikanischen Militärstützpunkte auf der Insel. Mehr als 25.000 amerikanische Soldaten sind dort stationiert. Doch tragen die Basen nur knapp fünf Prozent zur Wirtschaftsleistung der Insel bei. Okinawa mache in der Fläche gerade einmal 0,6 Prozent von Japan aus, doch habe es 74 Prozent der amerikanischen Basen im Land, rechnet Gouverneur Onaga vor. Und zieht den Schluss: „Okinawa und seine Bewohner werden diskriminiert.“

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Konflikt kristallisiert sich gerade im Streit über die Verlagerung des Luftwaffenstützpunkts Futenma heraus. Der Flughafen liegt mitten in der Stadt Ginowan im dichtbesiedelten Süden der Insel. Der gefährlichste Stützpunkt auf der Welt, soll 2003 der damalige amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gesagt haben. Ein Jahr später stürzte ein Militärhubschrauber auf eine neben der Basis liegende Hochschule. Dabei gab es wohl nur deshalb keine zivilen Opfer, weil gerade Semesterferien waren. Schon 1996 hatten sich die Regierungen Japans und der Vereinigten Staaten geeinigt, die Basis innerhalb Okinawas zu verlagern. Im Jahr zuvor hatten drei amerikanische Soldaten ein Mädchen vergewaltigt, was zu antiamerikanischen Demonstrationen führte. Geschehen ist seither wenig. Keine japanische Regierung traute sich, einen Basisneubau gegen den Widerstand der lokalen Bevölkerung durchzusetzen.

          70 Prozent der Einwohner von Okinawa lehnen Bau ab

          Mit dem Wahlsieg von Ministerpräsident Shinzo Abe 2012 hat der Konflikt sich verschärft. Zur Stärkung der Sicherheitspartnerschaft mit Amerika will Abe die Verlagerung von Futenma nach Henoko im mittleren Teil der Insel durchziehen. Die Regierung hat mit Vorarbeiten für Landaufschüttungen begonnen. Der Henoko-Stützpunkt soll 160 Hektar groß werden, mit zwei Start-und-Lande-Bahnen und einem Hafen. Okinawa fürchtet um Korallen und Seeschildkröten.

          Onaga, ein 64 Jahre alter Konservativer und früherer Parteifreund von Abe, wurde im Dezember ins Amt gewählt mit dem Versprechen, den Neubau der Basis zu verhindern. Rund 70 Prozent der Einwohner von Okinawa lehnen nach Umfragen den Bau ab. Kleinere Proteste vor dem Baugelände gibt es täglich, im Mai demonstrierten 35.000 in der Hauptstadt Naha. Wenig später erhielt Onaga in Washington eine Abfuhr. Der strategische Wert Okinawas für Amerikas Schwenk nach Asien gründet in seiner Lage. Okinawa ist Teil der Ryukyu-Inselgruppe, die vom Südende der japanischen Hauptinseln bis fast nach Taiwan reicht. China sieht die Inselkette als Sperre zum Pazifik. Zugleich liegt Okinawa nahe an den potentiellen Konfliktherden in der Region, Korea und China.

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