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IS in Afghanistan : Verdächtig auffällige Kämpfer

Osman hält eine weitere Ausbreitung des IS in Afghanistan für denkbar, „wenn es neue interne Machtkämpfe bei den Taliban“ gibt. Die Gruppe musste kürzlich zugeben, dass ihr Anführer Mullah Omar bereits seit zwei Jahren tot ist. Das hatte Zwietracht gesät; viele fühlten sich von Omars damaligem Stellvertreter und jetzigem Nachfolger Akhtar Mansour hinters Licht geführt. Zudem werde der IS unter arbeitslosen radikalen Jugendlichen als cool betrachtet. „Also besteht die Gefahr, dass wenn der IS in Afghanistan einen richtigen Fuß in die Tür kriegt, er schnell wachsen könnte.“ Die weitere Entwicklung des IS in Afghanistan, so Osman, hänge aber vor allem von der Antwort auf eine andere Frage ab: „Wer ist überhaupt IS Khorasan? Wer finanziert sie und rüstet sie aus? Die fehlende Eindeutigkeit ist das, was so beunruhigend daran ist.“

Doch Osman sieht durchaus Tendenzen, die Gefahr des Phänomens zu übertreiben. „Wenn du sie als IS verkaufst, hat das eine andere Wirkung, als wenn du sagst, es gibt da diese verschiedenen Gruppierungen mit jeweils hundert oder tausend Kämpfern.“ Schon in seiner ersten großen Rede auf internationalem Parkett bei der Sicherheitskonferenz in München warnte Präsident Ashraf Ghani im Februar dringend vor der neuen Gefahr.

Werben in Russland für Rüstungshilfe

Wenige Tage zuvor hatte der damalige Gouverneur von Kundus mitgeteilt, in seiner Provinz seien 70 IS-Kämpfer aktiv. In einem Papier des Afghanistan Analysts Network heißt es dazu: „Freunde von ihm fanden es merkwürdig, dass der Gouverneur diese bei ihren jüngsten Treffen nie erwähnt hatte, und sie sagten, sie hätten später herausgefunden, der Präsident habe ihm aufgetragen, das zu sagen.“ Warum? „Afghanische Sicherheitsverantwortliche machen sich Sorgen darüber, was 2016 beim Nato-Treffen in Warschau passieren wird, wenn entschieden werden soll, ob die jährlichen Kosten dieses Krieges in Höhe von fünf oder sechs Milliarden Dollar weiter gedeckt werden sollen“, sagt der westliche Diplomat. „Vor allem europäische Geberländer und Japan sind weniger enthusiastisch als die Amerikaner.“

Der vermeintliche IS ist inzwischen auch für andere afghanische Politiker zu einem wichtigen Argument geworden. Flüchtlingsminister Sayed Hussain Alemi Balkhi führt ihn als Grund dafür an, dass afghanische Flüchtlinge ebenso wie syrische als „besonders schutzwürdig“ eingestuft werden müssten. Und Vizepräsident Abdul Raschid Dostum reiste im Oktober nach Russland, um für Rüstungshilfe zu werben. Dabei besuchte er auch seinen „Freund“, den „Präsidenten“ der Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, mit dem er Selfies auf Facebook veröffentlichte und erklärte, man habe über „den Kampf gegen Terrorismus gesprochen, insbesondere gegen Daesh“. Und Kadyrow schrieb dazu, „Dostum hat darauf hingewiesen, dass der IS versucht, einen Brückenkopf in Afghanistan zu etablieren. Um diese Gefahr abzuwenden, braucht Kabul Russlands Hilfe – so wie in Syrien.“

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