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IS in Afghanistan : Verdächtig auffällige Kämpfer

Eine Erfolgsgeschichte ist der IS-Ableger in Afghanistan nicht

Vor drei Monaten veröffentlichte der IS ein Video, das die Ermordung von zwölf Stammesältesten in Nangarhar zeigt. Darin sind langhaarige Gestalten auf Pferden zu sehen, die zu hymnischer Musik durch eine grüne Landschaft reiten, bevor die zwölf Gefangenen vor laufender Kamera in die Luft gesprengt werden. Mehrere afghanische Fernsehsender zeigten das Video – ungekürzt. Die Wirkung hätte vermutlich vermindert werden können, wenn die afghanischen Medien und die Regierung den selbstgewählten Namen der „Gruppe“ in Frage gestellt hätten, die eigentlich keine ist, sondern eine Ansammlung verstreuter früherer pakistanischer und afghanischer Taliban.

Eine Erfolgsgeschichte ist der IS-Ableger in Afghanistan nämlich nicht. Schon im Frühjahr 2014 gab es erste Loyalitätserklärungen aus Afghanistan an die Adresse des IS-Führers Abu Bakr Al Bagdadi. Doch fast ein ganzes Jahr lang ließ man sich im syrisch-irakischen Stammland Zeit für eine offizielle Antwort. Erst im Januar dieses Jahres gab ein IS-Sprecher die Anerkennung des IS-Ablegers Khorasan bekannt, benannt nach einem historischen Gebiet, das Teile des heutigen Afghanistans, Pakistans, Irans und Zentralasiens umfasst. Schon zwei Wochen später wurde der ranghöchste Afghane der Organisation, der stellvertretende „Gouverneur“ Rauf Khadem durch einen amerikanischen Luftangriff getötet.

Das Interesse Bagdadis an den Afghanen scheint begrenzt. „Vor einiger Zeit gab es Berichte, wonach ganze vier Repräsentanten aus der Daesh-Zentrale nach Afghanistan und Pakistan gekommen sind, um zu rekrutieren“, sagt ein westliche Diplomat. Auch über Geldflüsse seitens der IS-Mutterorganisation ist demnach nichts bekannt. Im Frühjahr 2015 gab es offenbar eine größere Geldlieferung, doch diese, so berichten mehrere Gesprächspartner übereinstimmend, sei wahrscheinlich von Spendern aus den Golfstaaten gekommen, nicht aus Raqqa oder Mossul. Laut einem UN-Bericht wurden in 25 der 34 Provinzen Afghanistans Sympathiebekundungen oder Bezüge auf die „Marke Islamischer Staat“ gesichtet, doch militärische Erfolge wurden von dort nicht berichtet.

„Die fehlende Eindeutigkeit ist das, was so beunruhigend ist“

„Für den IS ist die nominelle Loyalitätsbekundung wichtiger als die Frage, wer diese Leute sind“, sagt Borhan Osman vom Forschungsinstitut Afghanistan Analysts Network in Kabul. Khorasan sei als Gebiet von symbolischer Bedeutung, „weil es in der islamischen Literatur apokalyptische Szenarien gibt, wonach es einen Endkampf zwischen Gläubigen und Ungläubigen geben und die Armee der Muslime aus Khorasan kommen werde“. Zudem sei Khorasan Al-Qaida-Land.

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