https://www.faz.net/-gq5-89o9e

IS in Afghanistan : Verdächtig auffällige Kämpfer

Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

Mehr erfahren

Die Bedrohung durch den vermeintlichen IS nimmt in den Reden des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani inzwischen fast mehr Raum ein als die eindeutig größere Gefahr einer Rückkehr der Taliban. Auch in der jüngsten amerikanischen Debatte über einen verlangsamten Abzug der Truppen aus Afghanistan wurde immer wieder auf den IS verwiesen. Der Kommandeur der amerikanischen Truppen in Afghanistan, General John Campbell, wurde bei einer Senatsanhörung im Oktober ausführlich dazu befragt. Er sagte: „Daesh (eine im arabischen Raum verbreitete Bezeichnung für den IS) ist viel schneller gewachsen, als wir vorhergesehen haben.“ Und: „Seine fortgesetzte Entwicklung in Afghanistan stellt eine reale Bedrohung für die gesamte Region dar.“

Wer sind die Kämpfer mit der schwarzen Flagge?

Es gibt aber auch ganz andere Stimmen zu dem Thema. Ein westlicher Diplomat in Kabul sagt zum Beispiel: „Offen gesagt, wenn man in ein Briefing über die Sicherheitslage geht, wird da eine Stunde lang intensiv gesprochen, ohne dass Daesh überhaupt erwähnt wird. Oder jemand sagt ganz am Ende, ach ja, Daesh gibt es auch noch.“ Und ein europäischer Berater des afghanischen Geheimdienstes sagt: „Wir sind nicht besonders besorgt über den IS. Wir habe hier Tausende Aufständische aller möglichen Gruppen.“

Bild: F.A.Z.

Das wirft Fragen auf: Wer sind überhaupt die Kräfte, die sich in Afghanistan um die schwarze Flagge scharen? Wer bezahlt sie? Und welche Verbindungen bestehen zur eigentlichen Terrororganisation „Islamischer Staat“ in Syrien und im Irak? Die Suche nach Antworten führt in den Distrikt Bati Kot, eine Autostunde östlich von Jalalabad, nicht weit von Noor Walis Dorf. Rechts und links der Straße erstreckt sich Geröllwüste. Nur ab und an zeichnet sich in der Ferne eine Ansammlung von Lehmbauten ab. Kleine Stände mit Wasser, Cola und Keksen versorgen die pakistanischen Lastwagenfahrer, die mit ihren bunt bemalten Fahrzeugen vom nahe gelegenen Grenzübergang in Richtung Jalalabad unterwegs sind. Hier inmitten der Ödnis verlaufen lukrative Drogenrouten, um deren Kontrolle es sich lohnte zu kämpfen. Nicht weit entfernt hat es im Sommer heftige Gefechte zwischen den Taliban und dem angeblichen IS gegeben. Die Taliban sollen dafür Hunderte Kämpfer aus anderen Provinzen zusammengezogen haben, der IS wiederum soll Nachschub von jenseits der Grenze erhalten haben.

Die Polizeistation von Bati Kot ist mit Sandsäcken zu einer kleinen Festung ausgebaut. Haji Ghalib hat sich bereiterklärt, hierher zu kommen, denn die Weiterfahrt in den Nachbardistrikt Achin, wo der IS noch immer präsent ist, wäre zu gefährlich. Der Gouverneur von Achin ist keiner, der sich in seinem Büro hinter einem Stapel Akten versteckt. Stolz berichtet er, dass er eigenhändig dreizehn IS-Kämpfer getötet habe. Selbst während des Interviews legt er seine Kalaschnikow nur zur Seite, wenn sein quietschgelbes Mobiltelefon klingelt. Ghalib hat seinen Job bekommen, weil er als radikaler Extremistenhasser gilt. Vor drei Jahren ermordeten die Taliban 16 Mitglieder seiner Familie auf einem Friedhof. Seither hängen in Ghalibs Haus 16 Fotos. Jeden Morgen, so berichten Leute, die ihn gut kennen, blickt er in die Gesichter seiner toten Verwandten und schwört Rache.

Weitere Themen

Trump attackiert China scharf Video-Seite öffnen

UN-Rede : Trump attackiert China scharf

Präsident Donald Trump hat seine Rede bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung für eine scharfe Attacke gegen China wegen der Corona-Krise genutzt.

Die SPD kann nicht von Scholz profitieren

Allensbach-Umfrage : Die SPD kann nicht von Scholz profitieren

Nur eine Minderheit glaubt, dass der Kanzlerkandidat der SPD die Unterstützung seiner Partei hat. Und das ist noch nicht das größte Problem der Sozialdemokraten, wie eine neue Umfrage zeigt.

Topmeldungen

Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einer Veranstaltung im August 2020 in Ahlen

Allensbach-Umfrage : Die SPD kann nicht von Scholz profitieren

Nur eine Minderheit glaubt, dass der Kanzlerkandidat der SPD die Unterstützung seiner Partei hat. Und das ist noch nicht das größte Problem der Sozialdemokraten, wie eine neue Umfrage zeigt.

Spenden nach Ginsburgs Tod : Die Angst, die großzügig macht

Kaum war Ruth Bader Ginsburg tot, flossen demokratischen Wahlkämpfern Spenden in Millionenhöhe zu – mehr denn je. Fällt Trumps Supreme-Court-Plan den Republikanern auf die Füße?

Corona-Pandemie : Trump vor UN: China zur Rechenschaft ziehen

Amerikas Präsident wirft Peking zum Auftakt der UN-Generaldebatte vor, die Welt über das Coronavirus getäuscht zu haben. Chinas Staatschef weist das zurück und verlangt Mäßigung, während Putin den russischen Impfstoff bewirbt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.