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Hinrichtung : Der indonesische Präsident will Härte zeigen

Indonesische Polizisten begleiten die Verlegung der beiden Australier auf die Insel Nusakambangan. Bild: AFP

Mit Appellen und politischem Druck versucht die australische Regierung, die Hinrichtung zweier Männer in Indonesien zu verhindern. Doch Jakarta bleibt hart - und hat die Gefangenen nun auf die „Hinrichtungsinsel“ Nusakambangan verlegt.

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          Trotz wiederholter Appelle aus Canberra rückt die Hinrichtung zweier wegen Drogendelikten verurteilter Australier in Indonesien näher. Die indonesischen Behörden brachten Andrew Chan und Myuran Sukumaran am Mittwoch aus ihrem Gefängnis auf Bali auf die Insel Nusakambangan. Australische Medien bezeichnen den Ort als „Alcatraz Indonesiens“ oder auch als „Hinrichtungsinsel“, weil in dem dortigen Hochsicherheitsgefängnis die Todesstrafen vieler Drogenschmuggler und Terroristen vollstreckt wurden. Das Datum für die Exekution der Australier steht allerdings noch nicht fest. In Indonesien müssen die Verurteilten und ihre Familien 72 Stunden vorher informiert werden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In Australien reagierten viele Menschen betroffen auf die Nachricht. Sie versuchen seit Wochen, mit Protesten, Petitionen und Mahnwachen die Indonesier doch noch davon abzubringen, das Todesurteil gegen die beiden Australier zu vollstrecken. Sie führen insbesondere die erfolgreiche Rehabilitierung  der beiden Häftlinge ins Feld, die in ihrer neun Jahre langen Gefängniszeit auf Bali zu hilfsbereiten Männern entwickelt und sich auch um ihre Mithäftlinge gekümmert hätten. „Wir verabscheuen Drogenkriminalität, aber wir verabscheuen auch die Todesstrafe“, sagte Premierminister Tony Abbott am Mittwoch zu Journalisten. „Ich glaube, viele Millionen Australier sind angewidert davon, dass die beiden bald hingerichtet werden könnten“, sagte der Regierungschef.

          Australien hatte in den vergangenen Wochen angedeutet, dass die Exekution der beiden Männer in Indonesien auch Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen haben könnte. So hatten die Niederlande und Brasilien nach der Hinrichtung ihrer Staatsbürger in Indonesien ihre Botschafter aus Jakarta abgezogen. Manche Drohung aus Canberra wurde in Indonesien aber auch mit Verwunderung aufgenommen. So hatte die Außenministerin Julie Bishop unter anderem davor gewarnt, dass australische Touristen in Zukunft womöglich seltener nach Indonesien reisen würden. Premierminister Tony Abbott hatte zudem gesagt, Indonesien solle sich für die umfangreiche Hilfe nach dem Tsunami im Jahr 2004 revanchieren. 

          Allerdings glauben die meisten Beobachter nicht, dass die indonesische Regierung vor den Australiern einknicken wird. Präsident Joko Widodo sieht das Drogenproblem im Land als „Nationalen Notstand“, gegen den er hart durchgreifen will. Außerdem ist er innenpolitisch unter Druck geraten, und will sich als starker und entschlossener Führer zeigen. Australiens Premierminister berichtete, dass sich Anzeichen auf eine mögliche Aufweichung der indonesischen Haltung leider nicht bewahrheitet hätten.

          Die beiden Australier waren am Mittwoch mit gepanzerten Fahrzeugen aus dem Kerobokan-Gefängnis auf Bali geholt worden. Sie gehören zu einer Gruppe, die als „Bali Nine“ bekannt sind und die im Jahr 2006 versucht haben sollen, mehr als acht Kilogramm Heroin von Bali nach Australien zu schmuggeln. Der Umstand, dass sie ausgerechnet mit Hilfe von Hinweisen der australischen Behörden gefangen werden konnten, sorgt in Australien nun auch für Diskussionen. Zudem wird den Indonesiern Doppelmoral vorgeworfen, weil sie selbst versuchten, die eigenen Staatsbürger zu retten, die in anderen Ländern zum Tode verurteilt worden seien.

          Australischen Presseberichten zufolge waren die beiden Männer vor ihrer Verlegung gefasst und ruhig. Sie hätten sich dafür bedankt, dass sie in dem Gefängnis auf Bali gut behandelt worden seien. Nach Vorschrift werden die Verurteilten in Indonesien vor ein Erschießungskommando von zwölf Schützen geführt, von denen nur drei mit scharfer Munition geladen sind, so dass am Ende niemand weiß, wer den tödlichen Schuss abgegeben hat. Zuvor werden ihnen in der Regel die Augen verbunden, es sei denn sie wollen es nicht. Außer den beiden Australiern sollen auch noch ein Franzose, ein Philippiner, ein Ghanaer und ein Brasilianer hingerichtet werden.

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