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Indonesien : Der Islam der siebzehntausend Inseln

Islam in Indonesien: Religionsschüler aus Surabaya lernen den Koran zu lesen. Bild: AFP

Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt und gilt als Musterbeispiel für die Vereinbarung von Islam und Demokratie. Aber es gibt Gefahren.

          5 Min.

          Die indonesische Demokratie ist noch immer jung. Sie wurde erst 1998 geboren, nach der Asien-Krise und dem Ende der von Korruption und Vetternwirtschaft geprägten Diktatur des früheren Generals Suharto. In so kurzer Zeit hat das politische System Indonesiens ein hohes Maß an Stabilität erreicht. In seiner Region ist das südostasiatische Land damit einer der Vorreiter.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Daneben gilt Indonesien als Musterbeispiel für die Vereinbarkeit von Demokratie und Islam. Mit einem Anteil von 87 Prozent Muslimen an seinen 250 Millionen Einwohnern ist Indonesien das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung. Der Grad der politischen Freiheit in der drittgrößten Demokratie der Welt ist laut der amerikanischen Organisation Freedom House deutlich größer als in den buddhistischen Ländern Südostasiens. Auch wirtschaftlich steht das Land mit mehr als fünf Prozent Wachstum im Vergleich gut da. Gleichzeitig gibt es Gefahren durch Intoleranz und Übergriffe gegen religiöse und gesellschaftliche Minderheiten.

          Die Gründe, weshalb die Demokratie in Indonesien leichter Fuß zu fassen scheint als in anderen islamischen Gesellschaften, sind vielfältig. Immer wieder werden die kulturellen und historischen Hintergründe hervorgehoben. Der indonesische Islam hat den Ruf, trotz Tendenzen der Islamisierung in einigen Gruppierungen, moderat, tolerant oder gar „liberal“ zu sein. Islamische Intellektuelle in dem Land sprechen sich ebenso für die Demokratie aus wie die beiden islamischen Verbände, die mit jeweils mehr als 30 Millionen Mitgliedern die größten muslimischen Organisationen der Welt sind.

          Islam entlang der Handelsrouten ausgebreitet

          Den Anhängern eines politischen Islams, die einen religiösen Staat mit islamischer Gesetzgebung einführen wollten, gelang es dagegen nie, die Oberhand zu gewinnen. Stattdessen setzten sich wiederholt die Befürworter eines säkularen Nationalismus durch. Bis heute gilt in Indonesien die Staatsdoktrin der Pancasila (Fünf Prinzipien), die der erste Präsident Sukarno erdacht hatte. Sie ist zwar nicht streng säkular, da sie den Glauben an einen Gott zu ihrem ersten Grundsatz erhebt. Aber die fünf anerkannten Konfessionen sollen offiziell gleich behandelt werden.

          Mit seinen mehr als 17.000 Inseln, Hunderten Völkern und Sprachen und seinem hindu-buddhistischen und animistischen Erbe blickt Indonesien auf eine Geschichte zurück, die von kultureller Vielfalt geprägt ist. Der Islam hatte sich auf friedliche Weise vor allem im 15. und 16. Jahrhundert entlang der Handelsrouten über den Archipel ausgebreitet. Zunächst an den Küsten, gelangte er immer mehr ins Innere der Inseln, wo er sich mit den traditionellen Weltbildern mischte. Dieser Synkretismus prägt das Land bis heute.

          Die Kolonialmächte, erst die Portugiesen, später die Holländer, duldeten den Islam als Teil der Kultur. Später versuchten sie es mit Eindämmung und Kontrolle – was zur Folge hatte, dass die Religion zur einigenden und antikolonialen Kraft wurde. Da den Einheimischen die politische Betätigung verboten war, schlossen sie sich in muslimischen Organisationen zusammen. Eine der ersten war im Jahr 1911 die Sarekat Islam, die zunächst ein Verbund muslimischer Textilhändler war. Eines ihrer Mitglieder war Sukarno, der spätere Präsident.

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