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Indonesien : Der etwas andere Kandidat

Bild: REUTERS

Joko Widodo könnte Indonesiens nächster Präsident werden. Der politische Newcomer inszeniert sich erfolgreich als Mann der Straße. Das Einzige, was manche ihm übelnehmen, ist ein zu schneller Aufstieg.

          Der Star ist noch nicht da, aber die Party läuft schon. Auf der Bühne hat sich eine kleine indonesische Sängerin in Hotpants vor die Rockband und hinter das Mikrofon gestellt. Vor ihr springt das Publikum im Takt der Musik auf und ab. Es sind überwiegend junge Männer, die Älteren halten sich zurück. Die Jungen tragen rote und schwarze T-Shirts, das sind die Farben der „Partei des Demokratischen Kampfes“ (PDI-P), die voraussichtlich bei der Parlamentswahl an diesem Mittwoch die meisten Sitze holen wird.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das ist aber nicht der Grund, warum die jungen Leute in der Stadt Jember im Osten der indonesischen Insel Java so aus dem Häuschen sind. Ihnen geht es allein um den Spitzenkandidaten der Partei für die Präsidentenwahl exakt drei Monate später. Sein Name ist Joko Widodo, aber fast alle nennen ihn nur „Jokowi“. Wenn bis zu der Wahl im Sommer kein politisches oder echtes Erdbeben mehr das Land erschüttert, wird der frühere Möbelhändler und heutige Gouverneur Jakartas wohl der neue Präsident der drittgrößten Demokratie der Welt.

          Für die Menschen ist er einer von ihnen

          Die Parlamentswahl an diesem Mittwoch ist eigentlich nur Vorgeplänkel. In Indonesien zählen weder die Parteien noch Programme. Es geht um Personen. Um sie drehte sich auch der Wahlkampf. Da ist etwa Prabowo Subianto, der frühere Schwiegersohn des einstigen Machthabers Suharto, der mit seiner Partei Gerindra ins Rennen geht. Er ritt bei seinen Wahlkampfveranstaltungen hoch zu Ross an Uniformierten vorbei. Ein Kris, der landestypische Krummdolch, baumelte an seinem Gürtel. Oder da ist der Millionär Aburizal Bakrie, der für Golkar antritt, Suhartos frühere Partei. Er flog mit dem Hubschrauber zu seinen Auftritten.

          „Jokowi“ ist anders als sie. Er zieht selbst seinen Rollkoffer durch die Gegend. Er ist auch noch relativ neu im Geschäft der großen Politik. Erst vor gut zwei Jahren hatte er den kometenhaften Aufstieg vom erfolgreichen Bürgermeister der Stadt Surakarta zum obersten Manager der Megametropole Jakarta geschafft. Für die Menschen ist er einer von ihnen: einfach, ehrlich, unkompliziert. In Jember ist die Stimmung deshalb schon vor seinem Eintreffen ordentlich aufgeheizt. Von einer schwarzen Stierfigur, dem Symbol von Widodos Partei, wird Wasser auf die Menge gespritzt.

          Seine Ernennung brachte den Popularitätsvorsprung

          Der politische Rockstar, ein Fan der Heavy-Metal-Band Metallica, kommt mal wieder mehrere Stunden zu spät. Er stecke fest, weil er auf dem Weg immer wieder von begeisterten Anhängern aufgehalten werde, sagt der Journalist eines Lokalblattes. Manche halten Widodo allein schon deshalb für einen Segen, weil er einen Präsidenten Prabowo Subianto verhindern könnte. Prabowo, der für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sein soll, galt eine Zeilang als Favorit. Die Indonesier schienen einen „starken Mann“ als Präsidenten herbeizusehnen.

          Volksnah: Präsidentschaftskandidat Joko Widodo verteilt Essen auf der Straße

          Sie haben genug von dem amtierenden Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono, der ebenfalls ein General a.D. ist. In seiner ersten Amtszeit hatte Yudhoyono zwar viele Probleme angepackt. Vor allem bei der Bekämpfung der Korruption verzeichnete er Fortschritte. Aber seit seiner Wiederwahl im Jahr 2009 scheint er nicht mehr viel getan zu haben. Nach insgesamt zwei Amtszeiten darf er nun nicht noch einmal antreten.

          Das Rennen schien noch offen, solange die Parteichefin der PDI-P und frühere Präsidentin Megawati Sukarnoputri zauderte, „Jokowi“ als Kandidaten auszurufen. Schließlich verfügt er auch nicht gerade über große Erfahrung innerhalb des Parteiapparats. Doch seine Ernennung im März dürfte der PDI-P den entscheidenden Popularitätsvorsprung gebracht haben.

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