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Indien : Vor der Wahl herrscht die Hoffnung

Nicht nur in Majuli bildeten sich Schlangen in den Wahllokalen Bild: REUTERS

Die Inder wählen von diesem Montag an einen Monat lang die Abgeordneten des Unterhauses. Das Land ist tief gespalten, Korruption bestimmt das Wirtschaftsleben. Die Menschen sehnen sich nach einer Wende.

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          Noch vor wenigen Jahren verglichen Banker und Broker Indien mit dem benachbarten China. Der „Bombay-Club“ der indischen Wirtschaftselite träumte von einem zweiten Schanghai. Indien werde Fahrt aufnehmen und China an Macht bald kaum noch nachstehen. Aber die Banker und Broker irrten sich. Was folgte, waren Jahre des Stillstands. Die Elite wandte sich von dem Land ab. Sie interessierte sich einzig noch für sich selbst. Wer reich war in Indien, wollte immer mehr. Wer arm war, trat auf der Stelle. Der Wirtschaftsboom ebbte ab. Die Preise stiegen, das Wachstum schmolz. Das Bild des „shining India“ bekam Risse. Indien wurde zur großen Enttäuschung.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Doch plötzlich ist alles wieder anders. Als wäre die Zeit für einen Moment zurückgedreht. Für ein paar Wochen herrscht Hoffnung in der größten Demokratie der Erde. Ein Wille zur Wende. Das starke Gefühl, dass es nun endlich vorbei sei mit dem „chalta hai“, dem Laufenlassen, dem richtungslosen Treiben.

          Es sind Wahlzeiten. Die stärksten Monate, die das Land erlebt. 814 Millionen Menschen werden die 16. Lok Sabha, das indische Unterhaus, mit ihren 543 Sitzen in neun Etappen vom 7. April bis zum 12. Mai wählen. Der Mann, der den Prozess führt, genießt höchstes Ansehen in Indien. Veeravalli Sundaram Sampath ist der Wahlleiter. Ein farbloser Spitzenbeamter. Als größtes privates Geheimnis gibt er preis, dass ihm Kaffee von sehr guten Bohnen wichtig sei. An Reformen der Landwirtschaft war Sampath beteiligt, im Energiesektor hat er gearbeitet, und nun leitet er ein demokratisches Experiment.

          Seit der Unabhängigkeit verlaufen die Abstimmungen in Indien trotz aller Unterschiede der Ethnien, der Religionen, der Kasten weitgehend friedlich. Das ist der eigentliche Erfolg des Landes. Thailand und Burma, die meisten Länder des Mittleren Ostens und weite Teile Afrikas senden Beobachter, um von den Indern zu lernen, wie Demokratie funktioniert. 930.000 Wahllokale - 100.000 mehr als 2009 - mit 1,4 Millionen elektronischen Wahlapparaten stehen den Menschen zur Verfügung. 200.000 Polizisten und Soldaten sollen für die Sicherheit des Wahlvolks sorgen.

          Die oben verstehen die unten längst nicht mehr

          Eine andere Wirklichkeit Indiens verkörpert Akash. Der 20 Jahre alte Mann erzählt in Dharavi, dem größten Slum Bombays, wie die Mafia dort die Stimmen für ihre Kandidaten kaufe. „Wer sich lange genug weigert, der bekommt eine Plastikuhr oder eine Flasche Schnaps geboten.“ Wahlleiter Sampath berichtet dagegen stolz, dass die Menschen bei dieser Wahl erstmals auch per SMS ihr Wahllokal abfragen könnten.

          Indien ist gespalten. Längst verstehen die oben diejenigen unten nicht mehr. Je lauter die Politiker in den vergangenen Jahren vom „inclusive growth“ sprachen, vom Wachstum, dass alle einschließe, umso skeptischer wurden die Menschen. Fünf Jahre hat die von der Traditionspartei Congress um den Gandhi-Clan geführte Regierung gebraucht, um den Traum eines neuen Indiens zu zerstören. Und das Bild der Eliten.

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