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Regime in Tadschikistan : Die Düsternis des goldenen Zeitalters

Auf der OSZE ruhen Hoffnungen für die Ausbildung der Leute, welche die 1400-Kilometer-Grenze zu Afghanistan schützen sollen. Durch Tadschikistan laufen Transportrouten für Opium und Heroin, korrupte Behördenvertreter verdienen mit. Die Ausbildung umfasst aber auch andere Fragen. In einem Sanatorium am Ende eines Tals in den Bergen nahe Duschanbe wird einer Gruppe tadschikischer Soldaten beigebracht, wie sie Leute im Winter aus schwierigen Lagen retten können. Die Schneeschuhe und Schaufeln, die die jungen Männer in Flecktarnrucksäcken verstauen, können sie behalten, in den Pausen können sie sich im frischrenovierten Sowjetbau von Ärzten untersuchen und massieren lassen.

Man will Anreize schaffen. Ein Ausbilder, der von amerikanischen Spezialkräften gestellt wird, beschreibt die Motivation der Männer aber als „sehr niedrig“: „Sie würden am liebsten ihre Gewehre wegwerfen und davonlaufen.“

Wiedergeburtspartei sei mitnichten harmlos und tolerant

Gegen die allgemeine Düsternis setzt Chudoberdi Choliknasar gute Laune. Schon von Berufs wegen: Er leitet das Zentrum für Strategische Studien, das dem Präsidenten zuarbeitet. Folgt man Choliknasar, gibt es „20 Faktoren für Radikalisierung“ junger Männer. Dazu zählt er die Wiedergeburtspartei. Diese sei mitnichten harmlos und tolerant, wie es immer heiße. Sie habe die Gesellschaft islamisiert und „ins siebte Jahrhundert zurückgebracht“, sagt Choliknasar.

Aber das sei jetzt gestoppt, triumphiert er. Nur in zwei Fällen seien bärtige Männer zwangsweise rasiert worden, behauptet er. Überhaupt sei der Bart eine schmutzige Sache, sagt der glattrasierte Choliknasar. „Zu sowjetischer Zeit haben wir doch auch keine Bärte getragen.“ Auch lobt der Stratege die Berufung der Präsidententochter an die Spitze der Präsidialverwaltung. Noch nie habe eine Frau diesen Posten bekleidet, sagt er: Das sei ein Zeichen, dass der Präsident „Genderfragen“ große Bedeutung beimesse.

Und die Krise? Der Präsident habe gerade angeordnet, „300.000 neue Arbeitsplätze“ zu schaffen, das Arbeitsministerium müsse den Befehl umsetzen. „Die Chancen sind gut“, sagt Choliknasar. Der Grund für seinen Optimismus heißt China: Das Land will sechs Milliarden Dollar in Tadschikistan investieren im Rahmen des Projekts „Neue Seidenstraße“. Unter anderem soll eine Gaspipeline gebaut werden. Chinesische Unternehmen haben in Tadschikistan Land gepachtet.

So spannen sich nahe dem Pjandsch, dem Grenzfluss zu Afghanistan, riesige Bewässerungsrohre über Felder. Die Anwohner berichten, sie hätten kein Geld für Pumpen gehabt, nun bauten die Chinesen dort Weizen und Kartoffeln an. Auf einem Karren, den ein Esel zieht, fahren ein Vater und zwei Söhne langsam an einem der Felder entlang. Sie wollen Wasser holen. Die Chinesen, berichten sie, gäben ihnen etwas ab.

Morgen auf der Seite Bildungswelten Wie ein pensionierter Lehrer in Hamburg Flüchtlinge auf den Schulalltag und das Leben in einer neuen Welt vorbereitet.

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