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50 Jahre Kulturrevolution : Das große Schweigen

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Mao als die „Rote Sonne“ Chinas: Propagandakunst von 1967 Bild: culture-images/fai

Die Kulturrevolution hat in China viel Leid verursacht – bis in die höchsten politischen Ebenen gibt es Opfer. Doch was vor 50 Jahren begann, wird im Reich der Mitte heutzutage verschwiegen.

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          Am 16. Mai 1966 ließ Mao Tse-tung in der „Volkszeitung“ seine Kampfansage los: Bourgeoise Kräfte hätten die Kommunistische Partei unterwandert. Zehn Tage später scharten sich aufgeregte Studenten um eine Wandzeitung an der Peking-Universität. In großen handgeschriebenen Zeichen prangerte eine Studentin die Universitäts-Leitung wegen „ideologischer Abweichung“ an. Die Große Proletarische Kulturrevolution hatte begonnen.

          Schüler und Studenten in ganz China forderte Mao Tse-tung dazu auf, „Monster und Dämonen“ zu beseitigen und für ihn und die wahre Revolution zu kämpfen. „Rote Garden“ bildeten sich, die Funktionäre, die vermeintlich das Land auf einen kapitalistischen Weg führen wollten, angriffen. Parteichef Mao Tse-tung schürte den Hass der jungen Leute auf vermeintliche „Klassenfeinde“ und „Revisionisten“: „Zerschlagt die Hauptquartiere“, rief er den Roten Garden zu.

          Die Roten Garden begannen ein Terror- und Zerstörungswerk. Parteifunktionäre, Lehrer, Wissenschaftler und andere suspekte Autoritäten wurden vor öffentlichen Versammlungen kritisiert, gedemütigt, gefoltert, manche zu Tode geprügelt. Viele wurden in den Selbstmord getrieben. Kinder denunzierten ihre Eltern. Kulturdenkmäler wurden zerstört und Bücher verbrannt. Häuser geplündert, die der „Bourgeoise“ gehörten.

          Zahl der Todesopfer geht in die Millionen

          Die Roten Garden gingen mit Fäusten und Gewehren auch gegeneinander vor. Sie wetteiferten darin, die besseren Beschützer des Vorsitzenden Mao sein. Um Mao wurde ein Personenkult inszeniert, er wurde als die „ Rote Sonne“ Chinas verehrt. Jeder Rotgardist trug das kleine rote Buch mit seinen Zitaten bei sich. Im Dezember 1966 brachte Mao Tse-tung einen Toast darauf aus, dass landesweit ein Bürgerkrieg eingesetzt hat. Drei Jahre lang dauert die „rote Phase“ der Kulturrevolution. Dann lässt Mao die Armee die Kontrolle über das Chaos übernehmen. Millionen fanatisierter Jugendlichen schickt er zu Beginn der siebziger Jahre zur körperlichen Arbeit auf die Dörfer und die Volkskommunen.

          Erst mit Maos Tod im Jahr 1976 ist der Spuk ganz zu Ende. Die neue Parteiführung schiebt die Schuld an der Kulturrevolution zunächst auf eine „Viererbande“ um Maos Ehefrau Jiang Qing. „Zehn Jahre Chaos“ hätten sie über China gebracht, heißt das offizielle Verdikt. Die Zahl der Todesopfer geht in die Millionen.

          Am 50. Jahrestag des Beginns der Kulturrevolution herrscht in China offiziell Schweigen über diese dunkle Zeit der Kommunistischen Herrschaft. Es gibt keine offiziellen Gedenkveranstaltungen, kaum persönliche Erinnerungsartikel und Reflexionen, schon gar keine Entschuldigung der Kommunistischen Partei für die Katastrophe, die sie über das Land gebracht hat. Seit den neunziger Jahren ist die Kulturrevolution Tabu-Thema, da die Partei fürchtet, die Erinnerung an das Desaster könne ihre Legitimität untergraben.

          Parteichef Xi Jinping selbst Opfer der Kulturrevolution

          Parteichef Xi Jinping hat zusätzlich mit einer großen Keule gegen die Erinnerung ausgeholt. „Historischer Nihilismus“ sei es, wenn man Negatives über die Vergangenheit der großen Kommunistischen Partei sage, ließ er schreiben. Er hat auch verboten, Schlechtes über die früheren Führer der Partei zu sagen, das heißt vor allem, dass der Vorsitzende Mao nicht kritisiert werden darf. Damit ist Historikern und Journalisten gleichermaßen ein Maulkorb verpasst. Zwar gilt das offizielle Verdikt der Partei aus dem Jahr 1981 noch, nach dem die Kulturrevolution eine Katastrophe und ein Fehler des Vorsitzenden Mao gewesen sei. Allein dies öffentlich zu diskutieren oder Maos Rolle zu thematisieren, ist jedoch tabu.

          Früher hatte es in der Partei noch Reformer gegeben, die intern einen Abriss des Mao-Mausoleums auf dem Tiananmen-Platz und eine Neubewertung seiner Herrschaft gefordert haben; unter Xi Jinping schweigen sie heute. Mehr als seine Vorgänger im Amt des Parteichefs nimmt Xi Jinping den Vorsitzenden Mao in Schutz. Dabei ist auch Xi Jinping ein Kind und Opfer der Kulturrevolution. Er war 13 Jahre alt, als die Kulturrevolution begann. Sein Vater Xi Zhongxun gehörte zu den Armee- und Parteiführern der ersten Stunde und war stellvertretender Ministerpräsident. Aber auch Xi Jinpings Vater wurde während der Kulturevolution abgesetzt und verbrachte mehrere Jahre in Haft, erst 1975 wurde er freigelassen und rehabilitiert.

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