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Anschlag von Bangkok : Zwei Bomben und noch mehr Rätsel

Mit diesem Bild aus einer Überwachungskamera sucht die thailändische Polizei nach dem Verdächtigten. Bild: Reuters

Nach dem Anschlag in Bangkok herrscht in Thailands Hauptstadt eine unsichere Ruhe. Nach wie vor sind die Behörden ratlos, wer hinter der Tat steckt. Die Militärregierung bringt dies in eine heikle Lage.

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          Viele Spuren des Bombenanschlags in Bangkok sind schon wieder beseitigt. Bereits am Vormittag waren die Säuberungstrupps der Polizei mit ihren Besen angerückt, um das Anschlagsgebiet an der Kreuzung von Ratchaprasong aufzuräumen. Ihr Eifer kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weder klar ist, warum die Bombe gegen 18.55 Uhr am Montag an dem beliebten Erawan-Schrein im Geschäftsviertel Bangkoks gezündet worden war, noch wer die Täter sein könnten. Von einem ominösen Verdächtigen war die Rede. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen einen schmalen Mann mit einem auffälligen gelben T-Shirt, dunklen Haaren und einer Plastiktüte, der in dem Schrein seinen Rucksack auf einer Bank liegen lässt.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der frühere General und Putschführer Prayuth Chan-ocha nannte den Anschlag die schwerste Attacke, die das Land je erlebt habe. Sie habe sich gegen Unschuldige gerichtet. Nach Behördenangaben vom Dienstag sind 20 Menschen getötet worden, 125 wurden verletzt. Bei den ersten identifizierten Toten handelt es sich nach Angaben des Regierungssprechers um fünf Thailänder, vier Chinesen, zwei Malaysier und eine Frau aus Singapur. Als mögliche Täter kommen nach Ansicht der meisten Beobachter entweder die Gegner des Militärregimes, muslimische Rebellen oder internationale Terrornetzwerke in Frage. Sowohl für die Regierungsgegner, die sogenannten Rothemden, als auch für die Rebellen wäre es aber ein untypisches Vorgehen.

          In Bangkok haben die Aufräumarbeiten begonnen.
          In Bangkok haben die Aufräumarbeiten begonnen. : Bild: AP

          Die Militärregierung hatte nach dem Anschlag einen Krisenstab eingerichtet, der martialisch als „War Room“ bezeichnet wurde. Mit Schuldzuweisungen hielt sie sich zunächst aber zurück. Die Motive hinter dem Anschlag könnten entweder die Innenpolitik oder internationale Konflikte sein, sagte Prayuth. „Ich habe noch keine Möglichkeiten ausgeschlossen.“ Ein Zitat, in dem der Ministerpräsident angeblich die Verdächtigen regierungsfeindlichen Lagern im Nordosten des Landes zugeordnet hatte, und das von verschiedenen Medien aufgegriffen worden war, wurde als Übersetzungsfehler dementiert.

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          Die Sicherheitsvorkehrungen an den Bahnstationen und am Flughafen schienen am Dienstag nur leicht erhöht. Dies unterstrich den Anschein der Normalität in der Innenstadt. Den Einwohnern Bangkoks war anzumerken, dass sie sich in den Jahren der politischen Grabenkämpfe an blutige Bilder und Störungen ihrer Alltagsgeschäfte gewöhnt haben, auch wenn es sie diesmal besonders hart getroffen hat. Insgesamt drei Kilogramm TNT sollen der oder die Täter angeblich in einer Rohrbombe zur Explosion gebracht haben. Die Wucht der Explosion war so stark, dass in einem Einkaufszentrum hinter dem Schrein diverse Scheiben zu Bruch gegangen waren. Als die Reinigungskräfte am Dienstag auf einem Überweg der Hochbahn mit dem Aufräumen anfangen, fallen immer noch Glasscherben auf die Straße.

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          Das Hauptproblem der Militärregierung ist jedoch, dass sie eigentlich mit dem Versprechen die Macht an sich gerissen hatte, Sicherheit und Ordnung nach Thailand zurückzubringen. Diese Legitimationslinie bekomme durch den Anschlag nun Kratzer, sagt Michael Winzer von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bangkok. „Man muss schnell Ermittlungserfolge vorweisen können“, sagt Winzer. Dabei könne es sein, dass die Täter vielleicht niemals identifiziert werden könnten. Auch bei früheren Anschlägen in Thailand habe es keine Bekennerschreiben gegeben, so dass die Hintergründe bis heute unklar seien. Andersherum gedacht könnte der Anschlag der Militärregierung aber auch als Vorwand dienen, um ihre Herrschaft zu verlängern und die Rückkehr zur Demokratie weiter hinauszuzögern.

          Das zweite Problem für die Militärregierung ist, dass sie ohnehin schon mit einer schwächelnden Wirtschaft konfrontiert ist und auch auf diesem Gebiet ein Teil ihrer Legitimation verliert. „Ein Ziel des Anschlags war mit Sicherheit, dass man einen Ort gewählt hat, an dem sich viele Touristen aufhalten, um damit auch die Wirtschaft und Tourismusindustrie Thailands zu treffen“, sagt Michael Winzer. Der Tourismus trägt in Thailand etwa zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. In dieser Hinsicht machte sich der Anschlag auch schon binnen der ersten 24 Stunden bemerkbar. Eine Mitarbeiterin in einem von mehreren Hotels, die in der Umgebung des Anschlagsortes liegen, berichtete von schon mehr als 100 Stornierungen seit dem Anschlag, vor allem durch chinesische Gäste. Die Chinesen und andere Ostasiaten hatten in den vergangenen Monaten die fehlenden Touristen aus den westlichen Industrieländern ersetzt, deren Anzahl zuletzt seit dem Beginn der politischen Auseinandersetzung abgenommen hatte. Auch auf der Verletztenliste, die am Dienstag auf der Website der Zeitung „The Nation“ veröffentlicht worden war, fanden sich vor allem chinesisch und ostasiatisch klingende Namen.

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          Auch deshalb wollten die Behörden den Eindruck vermeiden, dass es nun unsicher für Touristen in Bangkok sei. Das Auswärtige Amt in Berlin rief nach dem Anschlag die Bundesbürger jedoch dazu auf, bei Reisen in Thailand besonders vorsichtig zu sein und die Reisehinweise des Amts und die aktuelle Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen. Nach Angaben der Deutschen Botschaft in Bangkok sind nach bisherigem Kenntnisstand keine Deutschen unter den Opfern.

          Viele Passanten, darunter auch einige Touristen, machen am Dienstag Fotos von dem Anschlagsort. Die Kreuzung wird am Mittag wieder für den Verkehr geöffnet. Die Einkaufszentren sind teilweise wieder gut gefüllt. Doch es ist eine fragile Normalität, die nun in Bangkok herrscht.  Mit Sicherheit wollen die Täter ein Gefühl der Unsicherheit verbreiten. Dafür spricht auch die Detonation einer zweiten Bombe, die am Dienstag glimpflich abläuft, weil der Sprengkörper in einen Fluss fällt. Am Nachmittag wird bekannt, dass unter den Opfern auch Britin ist.

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