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Japan : Fachleute sehen Fortschritte in Fukushima

Ein Mitarbeiter der IAEA schaut auf die Atomruine Fukushima. Bild: AFP

Die Internationale Atomenergie-Behörde lobt nach ihrer Inspektion in Japan den Rückgang der Strahlenbelastung auf dem Gelände der havarierten Atomreaktoren in Fukushima. Sie mahnt aber auch Versäumnisse an.

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          Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) sieht bei den Aufräumarbeiten auf dem Gelände der Atomruine im japanischen Fukushima deutliche Fortschritte. „Die Situation auf dem Gelände hat sich verbessert“, erklärte der Leiter IAEA-Delegation, Juan Carlos Lentijo, am Mittwoch in Tokio. Die Strahlenbelastung in vielen Bereichen des Geländes habe sich verbessert und sei „um mehrere Größenordnungen“ verringert worden. „Japan hat seit unserem letzten Besuch spürbare Fortschritte gemacht.“

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Lentijo und 15 Fachleute hatten das Gelände mit den im März 2011 havarierten Reaktoren eine Woche lang untersucht. Zuletzt waren sie Ende 2013 in Fukushima gewesen. Die Betreibergesellschaft, die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco), wertete den Bericht der IAEA als Bestätigung für ihre Arbeit, die Lage in Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Der vorläufige Befund der Fachleute wurde am Mittwoch auch dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Handel (Meti) zugestellt, das verantwortlich für die Atomkraft in Japan ist.

          Bei allem Lob für die geringere Strahlenbelastung wiesen die Experten in ihrem Bericht aber auch auf Schwachstellen hin. So ist bislang noch vollkommen offen, wie die Brennstäbe aus den drei Reaktorgebäuden geborgen werden können, in denen es nach dem Erdbeben und Tsunami 2011 zur Kernschmelze gekommen war. Auch die Frage, wo der radioaktive Müll gelagert werden soll, sei immer noch nicht entschieden. Tepco müsse einen integrierten Plan für die Stilllegung der Reaktoren und für das Abfall-Management entwickeln, forderten die Experten der IAEA.

          Juan Carlos Lentijo führte die Fachleute der IAEA in Fukushima an.
          Juan Carlos Lentijo führte die Fachleute der IAEA in Fukushima an. : Bild: dpa

          Sie spielten damit darauf an, dass Japan bis heute weder über ein Zwischen- noch ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle verfügt. Auch der Umgang mit dem radioaktiv belasteten Kühlwasser, mit dem die havarierten Reaktoren gekühlt werden, wirft nach wie vor Probleme auf. Mehrere 100.000 Tonnen radioaktiv belasteten Wassers lagern dem Vernehmen nach derzeit auf dem Gelände in großen Tanks. Rund 400 Tonnen Grundwasser fließen Tag für Tag in die zerstörten Untergeschosse der Reaktorgebäude und mischen sich dort mit den 320 Tonnen Kühlwasser.

          Um den Zufluss des Grundwassers zu stoppen, baut Tepco einen Eiswall um die Reaktorgebäude eins bis vier. Der Bau, der ursprünglich im März beendet sein sollte, verzögert sich bis Ende April. Auch die Anlagen, mit denen das Wasser gereinigt werden soll, um schließlich in den Pazifik geleitet zu werden, funktionierten lange Zeit nicht wie gewünscht.

          Die Fachleute der IAEA unterstützten die Pläne der japanischen Regierung, das Wasser nach der Reinigung in den Pazifik zu leiten. „Natürlich müsste dies von den beteiligten Parteien und der Öffentlichkeit akzeptiert werden“, sagte Lentijo. Vor allem die örtlichen Fischer sperren sich dagegen. Deswegen muss Tepco das Wasser vorerst weiter in Tanks lagern.

          Ein im Herbst letzten Jahres in Betrieb genommenes Filtersystem säubert täglich rund 2000 Tonnen Wasser von allen radioaktiven Isotopen bis auf Tritium. „Tritium hat eine sehr niedrige Giftigkeit und die Auswirkungen auf Menschen sind sehr gering“, erklärte Lentijo. Es sei eine gängige Praxis bei Atomkraftwerken, das gereinigte Wasser in die Umgebung abzulassen. Tepco will das gesamte Wasser auf dem Gelände bis Ende Mai gereinigt haben. Es stelle dann zwar keine Gefahr mehr da, wenn es weiter in den Tanks gelagert wird, hieß es. Doch langsam wird auf dem Gelände der Platz knapp, neue Wassertanks zu bauen.

          Für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe, die viele der 48 stillgelegten japanischen Atomkraftwerke lieber heute als morgen wieder ans Netz gehen lassen will, wird vor allem die ungelöste Zwischen- und Endlagerfrage zu einem politischen Problem. In Tokio hieß es dazu in dieser, die Regierung werde ihre Vorstellungen zur Lagerung des Atommülls in ihrem neuen Energieplan Ende März vorlegen. Dann will sie auch entscheiden, wie weit Atomkraft künftig zur Energieerzeugung in Japan beitragen soll.

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