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Proteste in Hongkong : Zwei Arten von Freiheit

  • -Aktualisiert am

Weil sich manche Demonstranten vorsorglich mit Regenschirmen gegen Pfefferspray schützen, sprechen einige bereits von der „Regenschirm“-Revolution. Bild: Reuters

Auch in Hongkong feiert China seinen Nationalfeiertag. Doch die Studenten gehen weiter für wirkliche Freiheit auf die Straße. Noch hält sich die Polizei zurück.

          Den Preis für die schönste Schlagzeile in Hongkong hätte an diesem Tag die „Apple Daily“ verdient. „Erhebt Euch, alle, die Ihr keine Sklaven mehr sein wollt!“ hatte sie in riesigen Schriftzeichen über ein Foto der Studentenbewegung geschrieben. Was aber klingt wie ein Aufruf an die protestierende Studenten und Bürger, ist die erste Zeile der Nationalhymne der Volksrepublik China, die am Mittwoch, dem Gründungsfeiertag der Volksrepublik, überall gesungen wird.

          In Peking zeigten sich alte und neue Parteiführer in demonstrativer Einigkeit bei einer Feierstunde, bei der sie auch die aus der Revolutionszeit stammende Hymne hörten. Auch in Hongkong war eine offizielle Feier angesetzt. Wohlstand und Stabilität in Hongkong zu wahren, sei ein wichtiger Teil des chinesischen Traumes, sagte der Verwaltungschef Leung Chung-ying. Von Demokratie sprach er nicht.

          Die Studenten setzten ein Zeichen, als sie sich beim feierlichen Aufzug der Flaggen der Volksrepublik Chinas und Hongkongs vor dem Regierungsgebäude demonstrativ wegdrehten und ihre Arme gekreuzt über ihren Kopf hielten, wie, um drohendes Unheil abzuwehren. Zu befürchteten Zwischenfällen kam es nicht; eine Gruppe von Aktivisten, die offenbar eine weitergehende Aktion geplant hatte, konnte von anderen Studenten zurückgehalten werden. Einige Demonstranten berichteten, dass viele ihre Mobiltelefone von Hackern angegriffen worden waren.

          Auch am Nationalfeiertag, dem 65. Gründungstag der Volksrepublik, hielten zehntausende Studenten den Regierungssitz und wichtige Kreuzungen und Straßen im Zentrum von Hongkong, aber auch auf der Festlandseite in Kowloon blockiert. Tausende Bürger Hongkongs kamen an diesem Feiertag hinzu.

          Demonstranten mit Regenschirmen blockieren den Zugang zu einem Einkaufsviertel in Hongkong

          Schaulustige, in Hongkong lebende Ausländer und Touristen schlenderten in der sommerlichen Hitze über die verkehrsfreien Straßen und durch die Lager und Zelte der Studenten, fotografierten und lasen die Spruchbänder und Wandzeitungen. Die Polizei hielt sich weiter im Hintergrund.

          Viele ältere Menschen, die sich eine gelbe Schleife, als Zeichen der Unterstützung angeheftet hatten, bummelten durch die Straßen. Ein Rentnerin, die sich auf einer Straßenabsperrung niedergelassen hat, erzählt, dass der Einsatz von Tränengas sie dazu bewegt hätte, am Feiertag auch auf die Straße zu gehen und ihre Unterstützung für die Studenten auszudrücken. Der Polizeieinsatz gegen die friedlichen Studenten sei völlig ungerechtfertigt gewesen, schimpft sie.

          Ein Mann fotografiert die Demonstranten im Zentrum der Finanzmetropole.

          Immer wieder war zu hören, dass die Hongkonger stolz seien auf die Studenten. Eine Lehrerin berichtete, dass ihre Kirchengemeinde eine Gebetstreffen für die jungen Demonstranten organisiert habe. Sie zeigen mit ihrer Disziplin und Sauberkeit, dass sie reif und überlegt seien. Wir warten hier schon zu lange auf Demokratie, sagte sie.

          An der Nathan Road, sonst eine der wichtigsten Einkaufsstraßen von Kowloon, sind viele Geschäfte wegen der Protestaktionen geschlossen. Ein Angestellter eines Restaurants, das bereits sei zwei Tagen geschlossen ist, freut sich über zwei freie Tage und unterstützt das Anliegen der Studenten. Nur seine Mutter sei noch immer dagegen, sagt er bedauernd. Sie stamme aus Schanghai und hätte ihr Denken noch nicht geändert, sagt er. „Sie glaubt noch immer, dass die Kommunistischen Partei gut ist.“

          Ein Student kontrolliert die Festigkeit einer provisorischen Barrikade aus Müllsäcken

          Touristen vom chinesischen Festland, die hier sonst während der Feiertage Großeinkäufe machen, fotografieren diesmal die protestierenden Studenten und staunen über Hongkongs Demokratie. Die meisten zeigen sich unsicher. Mit der Presse sprechen wollen nicht.

          Doch eine weißhaarige Frau gibt sich als Unterstützerin der Bewegung zu erkennen: Sie sei eigens aus dem angrenzenden Shenzhen nach Hongkong gekommen, um die Proteste zu erleben, sagt sie. Trotz der Zensur hätten sie und ihre Freunde über Umwege einige ausländische Fernsehberichte sehen können. Sie sei zu Tränen gerührt gewesen, sagt die alte Dame, eine Professorin. Diese Hongkonger Bewegung sei ein Meilenstein auf Chinas Weg zur Demokratie.

          Vor dem Regierungsgebäude in Hongkong

          Oft hört man von den Besuchern aus der Volksrepublik aber die Parteilinie zu den Protesten: Das Ganze sei nur ein Komplott, um Hongkong ins Chaos zu stürzen, sagt ein Mann aus Schanghai verächtlich, der sich mit seiner Familie die Demonstranten angesehen hat. Die Demonstranten wollten die Polizei provozieren, damit sie einen Vorwand hätten, ihre amerikanischen Beschützer zur Hilfe zu rufen. Und dann wollten sie Hongkong von China abspalten.

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