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Hinrichtung in Nordkorea : Kims Werk, Lenins Beitrag

Zeitlich parallel erwies sich in China Mao Tse-tung als guter Schüler des Meisters in Moskau. Zwar war Mao immer auf relativ große Eigenständigkeit bedacht. Aber die sowjetischen Methoden übernahm der später so genannte „Große Steuermann“ willig und gern. Nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 sollten unzählige Funktionäre und Millionen „einfache“ Chinesen erfahren, zu welch mörderischen Exzessen Mao und die Partei fähig waren. Der Koreaner Kim Il-sung ist auch so ein Spross des Terrors. Wie groß sein konkretes Verdienst an der Vertreibung der japanischen Kolonialmacht aus Korea wirklich war, ist bis heute unklar. Jedenfalls kam Kim mit sowjetischer Hilfe an die Macht. Und dann schrieb er die Geschichte so um, dass er immer größer wurde. Die Methoden der Machtsicherung hatten sich „bewährt“. Dabei ist es in Nordkorea bis heute geblieben.

Der Feind sitzt immer im Ausland

Mittel- und Osteuropa haben auch ihre einschlägigen Erfahrungen machen müssen. Nach 1945 fanden sich viele Länder der Region in der sowjetischen Einflusssphäre wieder. In den meisten Ländern waren die neuen Führungen aus der Perspektive Stalins sehr heterogen, das heißt, es gab reichlich „verdächtige Elemente“. Funktionäre, die sich vor Hitler in westliche Länder geflüchtet hatten, waren ebenso suspekt wie ehemalige Sozialdemokraten, die sich in den Dienst der neuen Regime stellten. Das Ergebnis waren auch in diesen Ländern umfangreiche „Säuberungen“. Bei der Suche nach „geeigneten“ Angeklagten wird es aus westlicher Sicht schnell wieder grotesk. Einer derjenigen, die sich plötzlich vor Gericht wiederfanden, war Rudolf Slansky von der tschechoslowakischen Partei. Slansky war ein eifriger Stalinist gewesen und gegen „Feinde“ keineswegs zimperlich. Als er aber verhaftet wurde, spielte er als treuer Parteisoldat seine Rolle bis zum tödlichen Ende. Ähnlich erging es zum Beispiel in Ungarn Laszlo Rajk.

Zur Begründung für die vielen Prozesse musste natürlich ein ausländischer Feind gefunden werden. In der Zwischenkriegszeit war dies Großbritannien gewesen, nun waren es die Vereinigten Staaten. Stellvertretend für Amerika erfanden die kommunistischen Geheimpolizeien einen „Superspion“, den amerikanischen Kommunisten Noel Field. Der hatte für den sowjetischen Geheimdienst gearbeitet und sich während des Krieges um Flüchtlinge (auch Kommunisten) im westliche Ausland gekümmert. Im Jahre 1949 wurde er verhaftet und bis 1955 festgehalten. Nach außen wurde er als „Kopf“ einer großen amerikanischen Spionageorganisation vorgeführt, der alle möglichen bösen Dinge angelastet wurden. Noel Fields vermeintliche Agenten überlebten im Gegensatz zu ihrem angeblichen Chef ihre Haft nicht.

Viele der Opfer waren Juden. Das gilt auch für die letzte „Verschwörung“, die Stalin im Jahre 1952 noch „aufdecken“ ließ. Die Leidtragenden in diesem Falle waren Kremlärzte, die nur der Tod des Diktators rettete. Das System Stalin überlebte in seinen Grundzügen bis 1991. Die Methoden verfeinerten sich aber. Funktionäre mussten aufhorchen, wenn ihre Führung einen „Austausch der Parteidokumente“ ankündigte. Dann wurden die Reihen gelichtet, wenn auch nur noch administrativ.

So vergleichsweise subtil geht es in Nordkorea bis heute nicht zu. Die vor Kameras inszenierte Festnahme Jang Song-taeks, die folgenden öffentlichen Beschimpfungen und die schnelle Hinrichtung wirken für die arglose westliche Öffentlichkeit wie aus der Zeit gefallen. Diese Methoden stehen aber in der unmittelbaren Tradition der Gründungsväter dessen, was einmal Weltkommunismus hieß. Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht. Aber sie setzt sich fort – immer noch.

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