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Heroin aus Afghanistan : Tödliche Ware vom Hindukusch

  • -Aktualisiert am

Politik partizipiert am Drogenhandel

Bisweilen gelingen dem FSKN und dessen Spezialeinheit Grom Erfolge, wenn sie in Russland große Mengen geschmuggelten Heroins beschlagnahmen oder Verbrecher aus einem der Drogenkartelle verhaften. Aber bislang ist der Plan fehlgeschlagen, um Afghanistan herum einen eisernen Ring zu legen, mit dem der Drogenschmuggel wenigstens entscheidend eingedämmt würde. Solange Regierungen in den Drogentransitländern Zentralasiens von Rauschgiftkartellen unterwandert sind – oder gar von sich aus die Beteiligung am Drogengeschäft anstreben –, wird sich kaum etwas ändern.

Der vor drei Jahren gestürzte Präsident von Kirgistan, Kurmanbek Bakijew, hatte aller Welt vorgeführt, wie die Politik am illegalen Drogenhandel partizipiert. Um seinen Getreuen die Kontrolle über den Drogenumschlagplatz und die Transitrouten im Süden des Landes zu ermöglichen, ließ er die staatliche Drogenbehörde kurzerhand einfach auflösen. Ein hochgestellter Drogenpolizist aus Bischkek sorgte auf der Moskauer Drogenkonferenz aber allenfalls für betretenes Schweigen im Saal, als er daran erinnerte und darauf hinwies, dass Bakijew noch immer als Dauergast von Russlands engstem Verbündeten, dem weißrussischen Diktator Aleksandr Lukaschenka, unbehelligt sein Drogengeld genieße.

In Tadschikistan wiederum werden vermutlich bis zu 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes durch Drogengeschäfte erwirtschaftet. Als sich im vergangenen Jahr Regierungstruppen mit den Gefolgschaften ehemaliger Feldkommandeure aus der Bürgerkriegszeit in Gornyj Badachschan Gefechte lieferten, waren sich Kenner der tadschikischen Drogenszene einig, dass es dabei nicht etwa um die Eindämmung des Heroinschmuggels aus Afghanistan über den Grenzfluss Pjansch ging, sondern eher um Verteilungskämpfe im illegalen Drogenhandel in diesem Gebiet.

Nach Einschätzung internationaler Beobachter wird daran auch auf höchster politischer Ebene in Duschanbe kräftig mitverdient. Die Durchlässigkeit der Grenze zu Afghanistan hat die Russen dazu veranlasst, in Duschanbe vorzuschlagen, das tadschikisch-afghanische Grenzland wie vor 2005 wieder von russischen Soldaten bewachen zu lassen. Dies scheint vorläufig der einzige Weg für mehr Sicherheit vor dem Drogenfluss, weil die bereits früher nur schwach bewachte Südgrenze Russlands zu Kasachstan praktisch nicht mehr existiert, seit sich Russland mit Weißrussland und Kasachstan zur Zollunion zusammengeschlossen hat.

Die Grenze ist damit gewissermaßen nach Zentralasien vorverlegt worden und das Grenzregime an die Kasachen übergegangen, denen man aber nicht zutraut, das Einfallstor für afghanisches Heroin zu schließen. Die tadschikische Staatsführung zögert bisher, russische Soldaten auf eigenes Terrain zu holen. Sie fürchtet den Verlust von Souveränität, möglicherweise fürchten Eliten auch um ihr lukratives Drogengeschäft. Russland gerät durch derartige Vorschläge wiederum in den Verdacht, das Drogenproblem als Vorwand zur Wiederherstellung des Imperiums nutzen zu wollen.

Im FSKN denkt man indessen nicht nur an Drogenproduktion und Handelswege. Auch die dringend notwendige Verbesserung der Rehabilitationsmöglichkeiten für Drogensüchtige in Russland ist ein Thema. Auch die Idee eines Präventionsprogramms für die Transitländer wird in Moskau diskutiert. Ein Entwicklungsfonds mit russischem Geld könnte dazu beitragen, dass Tadschiken, Usbeken oder Kirgisen nicht mehr als „Kamele“ Drogen nach Moskau schmuggeln, sondern irgendwann in ihrer Heimat einer normalen Arbeit nachgehen können. Aber die neuen Ansätze kommen spät, während eine andere Gefahr, die von den synthetischen Designerdrogen ausgeht, in rasendem Tempo zunimmt.

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