https://www.faz.net/-gq5-79uqr

Heroin aus Afghanistan : Tödliche Ware vom Hindukusch

  • -Aktualisiert am

„Schlimmer als Al Qaida“

Internationale Drogenkartelle arbeiteten über Ländergrenzen hinweg, sie würden weder Vaterland noch Religion kennen. Das Volumen der illegalen Drogengeschäfte in aller Welt liege inzwischen bei 500 bis 800 Milliarden Dollar im Jahr, so Iwanow, und sei vergleichbar mit dem Umfang der globalen Gas- oder Ölmarkte. Das Drogengeschäft sei „schlimmer als Al Qaida“, das islamistische Terrornetzwerk, sagte Iwanow dieser Tage auf der 30. Internationalen Drogenkontrollkonferenz in Moskau.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin sprach von möglicherweise tragischen Folgen des Truppenrückzugs aus Afghanistan und forderte die Zusammenarbeit von Nato und CSTO – der von Russland geführten Organisation des Vertrags für kollektive Sicherheit, der Kirgistan, Tadschikistan, Kasachstan, Weißrussland und Armenien angehören – bei der Bekämpfung der Drogengefahr. Ein solches Bündnis könne die Antwort auf reale Bedrohungen sein.  Die Nato hat es indes immer abgelehnt, die lockere Vereinigung CSTO durch Aufnahme formeller Beziehungen „von Bündnis zu Bündnis“ aufzuwerten.

Man fürchtete, Moskaus hegemoniale Führungsrolle im postsowjetischen Raum dadurch anzuerkennen, und bevorzugte deshalb die bilaterale Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten. FSKN-Leiter Iwanow war schon vor der Konferenz mit seinem Vorstoß gescheitert, das Drogenland Afghanistan durch die UN als globales Sicherheitsrisiko einstufen zu lassen. Eine solche Einstufung hätte es der Staatengemeinschaft möglich gemacht, geeignete Schritte zur Abwehr der von dort drohenden Drogengefahr zu ergreifen. So lange große Lösungen auf sich warten lassen, versucht Russland wenigstens kleinere Hebel zum eigenen Schutz in Bewegung zu setzen.

Hunderte Drogenküchen

Die Zusammenarbeit mit den Vereinigsten Staaten scheint auf dieser Ebene durchaus zu funktionieren. Etwa 90 Ermittler der amerikanischen Drogenkontrollbehörde Dea und eine unbekannte Zahl von Agenten des FSKN versuchen seit mehreren Jahren, in Afghanistan Drogenkartelle auszuspähen. Die Erkenntnisse werden der afghanischen Seite übermittelt, so dass die Drogenpolizei Afghanistans in bewaffneten Aktionen, bei deren Vorbereitung Dea und FSKN behilflich sind, Drogenküchen ausheben und Heroin-Lager zerstören kann.

In den vergangenen Jahren hat es fast ein Dutzend Aktionen gegeben, bei denen Amerikaner und Russen im Hintergrund mitwirkten. Erst dieser Tage gelang es so, sieben Drogenlabors im afghanischen Grenzgebiet Badachschan zu zerstören. Dabei, so Iwanow, seien auch wertvolle Erkenntnisse über die Lage weiterer Labors, Schmuggelrouten und Drogenkuriere gewonnen worden.

Aber die Zahl der afghanischen Drogenküchen geht in die Hunderte, und was Badachschan angeht, war früher schon bekannt, dass die Ware vom afghanischen in den tadschikischen Teil dieses Gebirgsmassivs, nach Gornyj Badachschan (Berg Badachschan), gebracht wird. In Tadschikistan werden große Mengen von Heroin dann in geheimen Lagern aufbewahrt und später durch Drogenkuriere („Kamele“) oder als Konterbande in Flugzeugen, Eisenbahnzügen, Lastwagen oder Personenautos nach Russland weitertransportiert. Je dichter die Verkehrsinfrastruktur in Zentralasien wird, desto vielfältigere Möglichkeiten ergeben sich für den Drogenschmuggel.

Weitere Themen

Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager Video-Seite öffnen

AfD-Parteitag : Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager

Auf dem AfD-Bundesparteitag hat Parteichef Jörg Meuthen einen Frontalangriff auf das rechte Lager gestartet. In seiner Rede in Kalkar kritisierte er eine zunehmend radikale Wortwahl und warnte vor der Nähe zur Querdenken-Bewegung.

Topmeldungen

Krise im deutschen Fußball : Die Nationalelf ist im freien Fall

Seit dem WM-Sieg stürzt der Image-Wert des Nationalteams in den Keller, wie eine Umfrage belegt. Auch die Entfremdung von der Elf erreicht eine neue Dimension. Das hat nicht nur mit Niederlagen auf dem Rasen zu tun.
Geht es mit englischen Begriffen leichter? Anti-Rassismus-Demonstration im Juni in Frankfurt

Debatte über Streichung : Der gefährliche Mythos Rasse

Der Begriff der Rasse soll aus dem Grundgesetz verschwinden. Geprägt von einem französischen Arzt und Philosophen hat das Wort eine zweifelhafte wissenschaftliche Karriere gemacht – mit mörderischen Folgen. Forscher arbeiten an seinem Ende.
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, am 20. November in Troisdorf

Historische Corona-Analogien : Auch Deutsche unter den Opfern

Armin Laschet spricht vom härtesten Weihnachtfest der Nachkriegszeit, eine Demonstrantin vergleicht sich mit Sophie Scholl: Helfen mehr Geschichtsbücher gegen die schiefen Bilder?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.