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Katholische Kirche in China : Jesus Christus, Marx und Xi Jinping

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Insel des Katholizismus: Eine Prozession zu Ehren Marias vor der Kathedrale von Donglu in der Provinz Hebei. Bild: AFP

Chinas Katholiken leiden unter der Spaltung ihrer Kirche und der verordneten Sinisierung ihres Glaubens. Aber auch die Urbanisierung macht ihnen zu schaffen.

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          Am äußersten Rand der Millionenstadt Shijiazhuang vor einer Autobahnauffahrt weist ein kleiner Turm inmitten eines Gewerbegebietes den Weg zum Priesterseminar. Vorbei an Lieferwagen und Baracken eines Lagers für Tiermedizin führt eine lange Einfahrt auf eine Kuppelkirche aus grauem Beton zu. Die Kirche des Priesterseminars von Shijiazhuang ist der Mittelpunkt einer kleinen Insel des Katholizismus in der chinesischen Provinz Hebei. Um den quadratischen Hof mit Gemüsegärten und einem Wasserturm liegen ein Wohnheim, Lehrgebäude und Büros. Neben 130 Seminaristen und ihren Lehrern beherbergt der schmucklose Gebäudekomplex auch 30 Ordensschwestern, den katholischen Verlag Xinde und die Verwaltung des katholischen Sozialdienstes Jinde.

          Die Anlage der katholischen Kirche liegt auf dem Gelände eines alten Trappistenklosters, das ausländische Mönche hier im 19. Jahrhundert bauten, als die Umgebung noch Ackerland war. Nur eine Häuserzeile im alten chinesischen Stil ist aus dieser Zeit noch erhalten, und in einer hinteren Ecke des Hofes erinnern zwei verwitterte Grabsteine an ausländische Missionare, die in China wirkten.

          Die Katholiken sind eine kleine Minderheit in der Volksrepublik China. Nur etwa 12 bis 13 Millionen Chinesen, rund ein Prozent der Bevölkerung, bekennen sich nach Zählungen des Hongkonger Holy Spirit Study Center zum katholischen Glauben. Ein Viertel von ihnen lebt in der nordchinesischen Provinz Hebei. In der Industriestadt Shijiazhuang, die auch als „Hauptstadt des Smogs“ bekannt ist, gibt es drei katholische Kirchen. Aber der katholische Glaube hat besonders in den ländlichen Regionen von Hebei überlebt. Katholische Dörfer fallen hier durch ihre großen Kirchen auf, die über die flachen Bauernhäuser hinausragen.

          Verlag „Xinde“ gibt katholische Zeitung und Kirchendokumente heraus

          „Die ländlichen Kirchen sind am Wochenende zu jeder Messe voll“, sagt Pfarrer Li Rongpin. „Der Glaube der chinesischen Katholiken ist stark.“ Der Pfarrer stammt aus einem katholischen Dorf und einer gläubigen katholischen Familie. Sein Vater war selbst Seminarist, musste aber während der Kulturrevolution, als die kirchlichen Einrichtungen aufgelöst und zerstört wurden, das Studium aufgeben. Pfarrer Li Rongpin, der in Shijiazhuang und Chicago studiert hat und im Jahr 2002 zum Priester geweiht wurde, ist der Leiter von Xinde, dem größten katholischen Verlag in China.

          Mit 28 Mitarbeitern gibt er die katholische Zeitung „Faith Weekly“ mit einer Auflage von 40000 Exemplaren heraus und verantwortet die Website „Chinacatholic.org“. Die veröffentlichten Artikel informieren über das Neueste aus dem Vatikan und aus den Diözesen Chinas. Xinde richtet Konferenzen zu theologischen Themen und Fragen der Seelsorge aus und veröffentlicht deren Ergebnisse.

          Der Verlag hat eine stattliche Anzahl von Übersetzungen von Kirchendokumenten und theologischen Schriften herausgegeben. „Wir wollen aber auch mehr Schriften und Predigten chinesischer Bischöfe und Priester veröffentlichen“, berichtet Pfarrer Li. Auch ein Kalender mit den Tagen des Kirchenjahres wurde im vergangenen Jahr in einer Auflage von 150000 Stück publiziert.

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