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Gegen Einfluss Chinas : Japan verspricht Milliardenhilfen für Afrika

Shinzo Abe: „Afrikas reiche Rohstoffvorkommen bieten wichtige Geschäftsmöglichkeiten für das rohstoffarme Japan“ Bild: AP

Ministerpräsident Shinzo Abe will Afrika entwicklungspolitisch unterstützen sowie Aufträge für Japans Exportwirtschaft sichern - und den Einfluss Chinas eindämmen.

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          Japans Regierung und die Unternehmen des ostasiatischen Landes wollen sich in Zukunft stärker Afrika zuwenden. Premierminister Shinzo Abe kündigte am Wochenende auf einer internationalen Konferenz in der japanischen Hafenstadt Yokohama an, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wolle die Entwicklung Afrikas in den kommenden fünf Jahren mit 140 Billionen Yen (10,7 Milliarden Euro) unterstützen. Insgesamt sollen rund 3,2 Billionen Yen über gemeinsame öffentliche und private Investitionen mobilisiert werden.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Unterstützung aus Tokio ist allerdings daran geknüpft, japanischen Unternehmen Aufträge beim Aufbau der Infrastruktur zu verschaffen. Abe hat seine Außenpolitik seit seinem Amtsantritt im Dezember an zwei Zielen orientiert: Aufträge für die japanische Exportwirtschaft zu sichern und den Einfluss Chinas einzudämmen. „Wirtschaftsdiplomatie ist ein Kernstück der Wachstumsstrategie der Abenomics“, schrieb die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Die nach dem Premierminister benannte Wirtschaftspolitik setzt derzeit in erster Linie darauf, mit einer aggressiven Geldpolitik den Yen zu schwächen, damit die Wettbewerbschancen der Exportwirtschaft zu erhöhen und die Wirtschaft aus der Stagnation zu holen.

          „Ressourcen nicht nur ausgraben und nach Japan bringen“

          Afrika als Absatzmarkt für japanische Unternehmen und die Einhegung des chinesischen Einflusses waren auch Gegenstand der Grundsatzrede, die Abe vor Vertretern aus 50 Ländern des Kontinents hielt, unter ihnen viele Staats- und Regierungschefs. Afrikas wachsende Wirtschaft, die seit dem Jahr 2000 im Schnitt um 5,8 Prozent gewachsen ist, wird von japanischen Unternehmen als wachsender Markt für seine Infrastrukturprojekte und seine Energiewirtschaft angesehen. Zudem will die Regierung dem rohstoffarmen Land Zugang zu Öl- und Gasvorkommen sowie zu den sogenannten „Seltenen Erden“ und andere für die Industrie wichtigen Metalle sichern.

          Japan ist dabei in den vergangenen Jahren gegenüber Wettbewerbern, vor allem gegenüber China, deutlich ins Hintertreffen gekommen. Japans Verpflichtungen gegenüber Afrika seien anders als die anderer Länder, sagte Abe. „Afrikas reiche Rohstoffvorkommen bieten wichtige Geschäftsmöglichkeiten für das rohstoffarme Japan. Aber Japan wird Ressourcen nicht nur einfach entdecken und ausgraben, um sie nach Japan zu bringen.“ Er wolle Afrika so unterstützen, dass Afrikas Rohstoffvorkommen auch zu Wirtschaftswachstum auf dem Kontinent führten, sagte er.

          Abe bezog sich dabei auf die wachsende Kritik am chinesischen Engagement auf dem afrikanischen Kontinent. Peking sichert sich damit zwar Zugang zu Rohstoffen, tut aber wenig dafür, die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung in den afrikanischen Ländern zu fördern. Die von der japanischen Regierung, den Vereinten Nationen und der Weltbank unterstützte Konferenz über die Entwicklung Afrikas findet alle fünf Jahre statt. Im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren hat Abe die Hilfszusagen aus Tokio mehr als verdreifacht.

          Derzeit ist Japan in Afrika verglichen mit China, den Vereinigten Staaten oder auch Frankreich kaum präsent. Der chinesische Handel mit Afrika ist nach neusten Zahlen gut fünf Mal so groß wie der japanischer Unternehmen. Um die japanische Präsenz zu stärken, traf sich Abe während der Konferenz bilateral mit mehr als 40 Regierungsvertretern. Allein am Sonntagnachmittag empfing er 16 von ihnen im Viertelstundentakt.

          Zur Rivalität zwischen China und Japan in Afrika sagte die südafrikanische Botschafterin in Tokio, Mohau Pheko, um Beziehungen aufzubauen, seien mehr bilaterale Treffen auf höherer Ebene notwendig. China gehe darauf ein, „Japan ist unsichtbar“, sagte sie. Zur gleichen Zeit wolle Tokio aber auch Zugang zu den südafrikanischen Rohstoffen. Abe sicherte umgehend zu, Afrika bald zu besuchen.

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