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Gefangenenaustausch mit Amerika : Mullah Omars Triumph und Karzais Ärger

In Gefangenschaft: Ein Video eines Taliban-Senders zeigt 2009 den amerikanischen Soldaten Bowe Bergdahl in afghanischer Landeskleidung Bild: AFP

Taliban-Anführer Mullah Omar feiert die Freilassung seiner Kampfgenossen als Sieg gegen Amerika. Welche Folgen hat der Austausch auf Gespräche über ein Friedensabkommen?

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          Für Taliban-Führer Mullah Omar kam der Gefangenenaustausch mit Amerika zum richtigen Zeitpunkt. Ein Machtkampf auf höchster Ebene hatte jüngst die Frage aufgeworfen, ob der Bewegung eine Spaltung droht. Die Autorität Omars war zudem von einer radikalen Splittergruppe angezweifelt worden, die mit spektakulären Angriffen ihren Machtanspruch markiert hatte; unter anderem wird sie für den Mord an einem schwedischen Journalisten verantwortlich gemacht. Ein Sprecher der Gruppe hatte erklärt, solange in Qatar Vertreter der Taliban „mit den Kreuzrittern am Verhandlungstisch sitzen“, könnten sie nicht mehr für die Dschihadisten sprechen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Am Sonntag konnte Mullah Omar dann aber einen „großen Sieg“ verkünden. Vier der fünf Guantánamo-Häftlinge, die Washington gehen ließ, gehörten schon während der Taliban-Diktatur bis Ende 2001 zur Nomenklatura der radikalen Islamisten. Sie genießen bis heute großen Respekt in der Bewegung und könnten den Kampfgeist der Aufständischen, aber auch die Autorität der Gründergeneration der Taliban stärken.

          Empörung in Kabul

          Bei der afghanischen Regierung war die Empörung über den Gefangenenaustausch dagegen groß. Nicht etwa darüber, dass nun die „Gefährlichsten der Hochgefährlichen“ freigelassen wurden, wie der republikanische Senator John McCain in Washington geklagt hatte. Vielmehr hatte die Regierung gehofft, selbst Kapital aus der Freilassung der fünf schlagen zu können, die sie seit drei Jahren gefordert hatte.

          Dahinter stand die Hoffnung, die Taliban durch Vertrauen bildende Maßnahmen zu Friedensgesprächen zu bewegen. Insbesondere dem nun freigelassenen früheren Taliban-Innenminister Khairullah Khairkhwa, der wie Präsident Hamid Karzai dem Popalzai-Stamm angehört, wurde eine Vermittlerrolle zugetraut. Doch die Taliban lehnen die Regierung bis heute als Gesprächspartner ab.

          Auftakt für Verhandlungen mit Taliban?

          Der Taliban-Fachmann Wahid Muzhda, der früher dem Regime der Islamisten angehörte, glaubt dennoch, dass der Gefangenenaustausch den Auftakt für weiterreichende Verhandlungen bilden könnte. „Damit ist eine zentrale Vorbedingung der Taliban für Gespräche erfüllt worden“, sagt er. Afghanische Parlamentarier äußerten derweil die Befürchtung, dass der frühere Armeechef des Talibanregimes sich den Aufständischen anschließen könnte, sobald sein Ausreiseverbot aus Qatar nach einem Jahr aufgehoben wird.

          Verwunderung riefen in Kabul offizielle amerikanische Angaben über den Häftling Mohammad Nabi Omari hervor, der als „einer der bedeutendsten inhaftierten ehemaligen Taliban-Führer“ bezeichnet wurde. Mehrere Fachleute, unter ihnen Muzhda, bezeichneten ihn als „unbedeutende Figur“.

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