https://www.faz.net/-gq5-79g2j

Gefälschte Sicherheitsdokumente : Südkorea nimmt Atomkraftwerke vom Netz

Abgeschaltet: Atomkraftanlage in Singori Bild: dpa

Laut Ermittlungen südkoreanischer Behörden haben Energieunternehmen Sicherheitsbescheinigungen gefälscht. Zwei Atomreaktoren wurden nun vom Netz genommen.

          2 Min.

          Ein Skandal um gefälschte Sicherheitsbescheinigungen, in dem südkoreanische Unternehmen seit Jahren im großen Stil Sicherheitszertifikate wider besseres Wissen ohne die entsprechenden Kontrollen ausgestellt haben, erschüttert in Südkorea das Vertrauen in die Nutzung der Atomkraft. Erstmals wurde Ende vergangenen Jahres bekannt, dass es gefälschte Sicherheitsbescheinigungen gab. Im Zuge ihrer Ermittlungen haben die südkoreanischen Behörden nun am Dienstag abermals zwei Atomreaktoren vom Netz genommen.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Es habe sich herausgestellt, dass Teile der Reaktoren in den Atomkraftwerken von Gori und Wolseong mit falschen Zertifikaten geliefert worden seien, teilte die Kontrollkommission NSSC am Dienstag in Seoul mit. Aus denselben Gründen gehe ein weiterer Reaktor in Gori nach seiner Wartung nicht wieder ans Netz, während ein neuer Reaktor in Wolseong erst gar nicht in Betrieb genommen werde, hieß es. Alle beanstandeten Teile mit gefälschten Sicherheitsbescheinigungen müssten ersetzt werden, erklärte die Kommission.

          Immer weniger Südkorea befürworten Atomkraft

          Südkoreas Atomwirtschaft wird seit einiger Zeit von einer Reihe von Pannen und Skandalen heimgesucht, die das seit der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im Jahr 2011 bereits erschütterte Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit der Atomenergie weiter untergraben hat. Bereits 2012 mussten zwei Reaktoren wegen gefälschter Sicherheitsbescheinigungen abgeschaltet werden. Nach jüngsten Umfragen befürworten nach Bekanntwerden der Fälschungen nur noch 35 Prozent der Südkoreaner die Nutzung der Atomkraft. Im April 2012, ein Jahr nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima waren es noch 40 Prozent gewesen, 2010 sogar 71 Prozent.

          Bereits im vergangenen Jahr waren nach Untersuchungen der Atomaufsicht acht Zulieferer aufgeflogen, die tausende ihrer Bauteile für Kernkraftwerke mit falschen Bescheinigungen ausgestattet hatten. Sechs der dafür verantwortlichen Ingenieure und Lieferanten wurden dafür im April zu Haftstrafen verurteilt. Vor einem Jahr wurden fünf ranghohe Manager der staatlichen Korea Hydro Nuclear Power Co. beschuldigt, eine potentiell gefährliche Strompanne im ältesten Reaktor des Landes vertuscht zu haben.

          Trotz des Skandals um die gefälschten Sicherheitsbescheinigungen und trotz des wachsenden öffentlichen Unbehagens hält die Regierung in Seoul an der Atomkraft für die Energieversorgung des Industriestandorts Südkorea fest. Bis 2030 will sie 16 neue Reaktoren bauen. Südkorea hat derzeit 23 Atomreaktoren, von denen 10 wegen der Betrugsvorwürfe, wegen Wartungsarbeiten oder Sicherheitskontrollen derzeit nicht in Betrieb sind.

          Weitere Themen

          Ende von „Trudeaumania“? Video-Seite öffnen

          Parlamentswahl in Kanada : Ende von „Trudeaumania“?

          Der Liberale Justin Trudeau regiert Kanada seit 2015, damals war noch von einer „Trudeaumania" die Rede. Doch den Nimbus der Erneuerung hat der inzwischen 49-Jährige eingebüßt. Bei der Parlamentswahl könnte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Konservativen geben.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz spricht vergangenen Samstag in München.

          Wahlkampf : Scholz nennt konkretes Ziel für Steuererhöhung

          Erstmals beziffert der SPD-Spitzenkandidat, wie hoch der Spitzensteuersatz unter ihm als Kanzler liegen könnte. Dass im Gegenzug unter anderem der Mindestlohn auf 12 Euro steigt, macht er zur Bedingung für jede Koalition.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.