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Religion in Nordkorea : Die falschen Christen des Kim Jong-un

  • -Aktualisiert am

Beten für Kim-Jong-un: Christen-Darsteller in einer Kirche in Pjöngjang Bild: Corbis

In Nordkorea werden Gläubige brutal verfolgt – doch für Ausländer halten falsche Priester Gottesdienste mit Statisten ab. Das Regime verfolgt damit einen bestimmten Zweck.

          Als eine deutsche Besuchergruppe im Juni dieses Jahres eine Messe in der katholischen Kirche von Pjöngjang besuchte, wurde sie von einer Hasspredigt überrascht. Ein Nordkoreaner, der als „Pater Francisco“ vorgestellt wurde, beschimpfte Südkorea als eine Kolonie der Imperialisten. Mit Gottes Hilfe solle ein „heiliger Krieg“ zur Wiedervereinigung geführt werden, falls der Süden den Norden angreife, predigte der vermeintliche Pater. Es sei die Pflicht der Katholiken in Nordkorea, dem Marschall Kim Jong-un ihre Treue zu schwören. Die deutschen Besucher um den CSU-Abgeordneten Hartmut Koschyk waren empört und protestierten bei den nordkoreanischen Gastgebern.

          Fünf Monate später weilt wieder eine deutsche Delegation in Pjöngjang und besucht wieder die kleine Kirche in der Hauptstadt. Diesmal klingt alles anders. Eine Gruppe von südkoreanischen Priestern ist zu Besuch und zelebriert die Messe. „Pater Francisco“ ist dabei, im Gewand eines Diakons, und verliest eine freundliche Grußbotschaft an die Gäste aus dem Süden. Jetzt wird für die Wiedervereinigung gebetet.

          „Nein, es gibt keine Priester in Nordkorea“, sagt einer der südkoreanischen Priester nach der Messe mit Blick auf „Pater Francisco“. Der Gottesdienst mit ihm im Juni war eine Farce. Der falsche Priester tritt im Auftrag des Regimes auf – ob nur vor ausländischen Besuchern oder auch an normalen Sonntagen, ist nicht bekannt. Seine Schau soll ausländischen Besuchern vorgaukeln, dass es in Nordkorea katholische Gläubige und Religionsfreiheit gibt, doch in Wahrheit erfüllt die Kirche nur eine Schaufunktion.

          Christentum in Nordkorea brutal ausgerottet

          Das Regime lasse Funktionäre als katholische Priester oder evangelische Pfarrer auftreten, hat ein aus Nordkorea geflohener Funktionär in Südkorea kürzlich bestätigt. Die falschen Pfarrer arbeiten für das nordkoreanische Ministerium für die „Einheitsfront“. An der Kim-Il-sung-Universität würden sie in christlicher Terminologie unterwiesen, berichtete er. Und nicht nur die Pfarrer, auch die „Gläubigen“ seien von diesem Ministerium ernannt, um mit staatlichem Segen Kontakte im Ausland zu pflegen und Personen, die eine potentiell positive Einstellung zu Nordkorea hätten, darin zu bestärken.

          Tatsächlich ist das Christentum in Nordkorea brutal ausgerottet worden. Bereits nach der Gründung des kommunistischen Staates 1948 ließ Diktator Kim Il-sung, der selbst aus einer christlichen Familie stammte, Priester und Gläubige hinrichten oder in Arbeitslager einweisen. In den achtziger Jahren empfahl die deutsche Schriftstellerin Luise Rinser, die eine freundschaftliche Beziehung zu Kim Il-sung und Sympathien für den nordkoreanischen Staat hatte, er solle doch Kirchen bauen, um dem Ausland zu zeigen, dass es Religionsfreiheit in Nordkorea gebe.

          Kim Il-sung ließ in seiner Hauptstadt eine katholische und eine evangelische Kirche bauen, später kam eine russisch-orthodoxe hinzu. Die kleinen staatlichen Gemeinden erfüllen seither eine diplomatische Funktion und dienen dem Regime als eine zusätzliche Kontaktbrücke zur Außenwelt und besonders zu den christlichen Kirchen in Südkorea, die Nordkorea gern auf seine Seite ziehen wollte. Gleichzeitig geht das Regime aber gegen heimliche Missionierungsbemühungen aus Südkorea, das heute einer der christlichsten Staaten Ostasiens ist, hart vor. Südkoreaner, die in Nordkorea mit einer Bibel erwischt werden, werden inhaftiert. Ob es angesichts der seit Jahrzehnten anhaltenden Verfolgung und Terrorherrschaft noch echte Gläubige gibt und ob diese zu den Schau-Gottesdiensten mit falschen Pfarrern kommen, ist zu bezweifeln. In Südkorea vermutet man, dass es eher noch einige versprengte Christen im Untergrund gibt.

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