https://www.faz.net/-gq5-8mlhi

Washington fordert Erklärung : Duterte will „Trennung“ von Amerika

  • Aktualisiert am

Neue beste Freude: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte (rechts) zu Besuch in Peking bei Chinas Staatspräsident Xi Jinping. Bild: AP

Der philippinische Präsident Duterte wettert gegen Amerika. Zu Besuch in China spricht er nun gar von einer „Trennung“ vom Langzeitverbündeten. Wenig später rudert seine Regierung zurück.

          Nach einer neuen Breitseite des philippinischen Präsidenten Rodgiro Duterte gegen die Vereinigten Staaten bemüht sich die Regierung in
          Manila um Schadensbegrenzung. Der Präsident mit dem lockeren Mundwerk hatte bei einem Besuch in Peking die „Trennung“ seines Landes von dem langjährigen engsten Verbündeten angekündigt. Washington verlangte daraufhin eine Erklärung.

          „Wir werden weiter Beziehungen zum Westen unterhalten, aber wir wollen engere Integration mit unseren Nachbarn“, teilte die Regierung am Freitag mit. Handelsminister Ramon Lopez sagte dem Sender CNN: „Natürlich
          werden will nicht Handel und Investitionen mit dem Westen stoppen, vor allem nicht mit den Vereinigten Staaten.“

          Duterte hatte diesen Schritt am Donnerstagabend während seines viertägigen Staatsbesuchs in China angekündigt: „Ich gebe an diesem Ort meine Trennung von den Vereinigten Staaten bekannt“, sagte Duterte. Vor Wirtschaftsvertretern in Peking sprach Duterte laut Redemanuskript von einer sowohl „militärischen“ als auch „wirtschaftlichen“ Trennung, führte aber nicht weiter aus, was damit gemeint ist.

          Die Amerikaner seien beleidigend und versuchten, anderen Maßnahmen aufzudrücken und die Weltfinanzen durch den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank zu kontrollieren, sagte der philippinische Staatschef. Er habe sich an der ideologischen Weltsicht Pekings neu orientiert. „Vielleicht gehe ich auch nach Russland und sage (Präsident Wladimir) Putin, dass nun drei von uns gegen den Rest der Welt stehen: China, die Philippinen und Russland.“

          Obama ein „Hurensohn“

          Nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch viele andere Verbündete seien über solche Aussagen verwirrt, so Kirby. Man wolle wissen, wo dies hinführe. Der stellvertretende Außenminister Daniel Russell werde bei seiner lange zuvor geplanten Reise nach Manila am Wochenende ebenfalls eine Erklärung einfordern. Kirby hob jedoch hervor, Washington stehe zu dem Verteidigungspakt mit den Philippinen. „Daran hat sich nichts geändert.“

          Der auch wegen seiner harten Anti-Drogen-Politik mit Hunderten Toten umstrittene Duterte war schon in den vergangenen Wochen deutlich auf Distanz zu den Vereinigten Staaten gegangen und hatte Amerikas Präsident Barack Obama unter anderem als „Hurensohn“ beschimpft. Später bedauerten die Philippinen, dass dies als „persönliche Beleidigung des Präsidenten“ angekommen sei.

          Während Duterte zum Langzeitverbündeten Amerika spürbar auf Distanz geht, zeichnete sich in den Beziehungen zu China während seines Staatsbesuchs Tauwetter ab. Bei einem Gespräch mit Chinas Präsident Xi Jinping sprach Duterte von einem neuen „Frühling“ in den Beziehungen. Xi und Duterte vereinbarten auch, „konstruktiv“ über die Probleme im Südchinesischen Meer sprechen zu wollen, wo sich China mit den Philippinen und anderen Nachbarstaaten um Gebietsansprüche streitet.

          Weitere Themen

          Schalten Sie den Leuchtturm an

          FAZ Plus Artikel: Isolierung Taiwans : Schalten Sie den Leuchtturm an

          Taiwan appelliert im Streit mit China um die Anerkennung seiner Unabhängigkeit an die internationale Gemeinschaft – diese verhält sich jedoch weitgehend zurückhaltend. Amerika setzte kürzlich ein starkes Zeichen der Unterstützung.

          Unruhen nach Festnahmen von Nationalgardisten Video-Seite öffnen

          Venezuela : Unruhen nach Festnahmen von Nationalgardisten

          In Caracas kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, nachdem Mitglieder der Nationalgarde Waffen gestohlen und eine Meuterei versucht hätten, so Angaben der Regierung. Seit Monaten kommt es zu Protesten gegen die Regierung.

          Kann es nun jeden treffen?

          China-Fachleute in Aufruhr : Kann es nun jeden treffen?

          Für die Unterzeichner des offenen Briefs an Chinas Staatspräsident geht es um noch mehr als die beiden inhaftierten Kanadier in Haft. Sie wollen verhindern, dass aus Schweigen Akzeptanz entsteht. Ein Gastbeitrag.

          Alte Freundschaft neu besiegelt Video-Seite öffnen

          Elysée 2.0 - Aachener Vertrag : Alte Freundschaft neu besiegelt

          Kanzlerin Merkel und Präsident Macron haben den „Aachener Vertrag“ unterschrieben, der eine Ergänzung des Elysée-Vertrags von 1963 darstellt. Der Vertrag soll die Absicht besiegeln, in gleich mehreren Politikfeldern zusammenzuarbeiten.

          Topmeldungen

          Brexit : Übernimmt das Unterhaus die Kontrolle?

          Am kommenden Dienstag stimmen die Abgeordneten des britischen Unterhauses über das weitere Vorgehen in Richtung Brexit ab. Die Änderungsanträge zur „neutralen Vorlage“ der Regierung haben es in sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.