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Smog-Dokumentation : Chinas Heldin

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Berühmtheit in China: Journalistin Chai Jing berichtet über Luftverschmutzung Bild: Picture-Alliance

Ihre Tochter wurde mit einem Tumor in der Lunge geboren. Nun hat Chai Jing eine Dokumentation über Chinas Smog-Problem gedreht. Kurz nach der Veröffentlichung von „Unter der Glocke“ wurde der Film von der Zensur verboten.

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          China hat eine neue Heldin. Die Zensur hat ihren Film zwar mittlerweile verboten, aber das Bild der zierlichen Frau in Jeans und weißem Hemd, die mit sanfter Stimme in einfacher Sprache Ungeheuerliches über die Luftverschmutzung erzählt, hat sich eingeprägt. Mindestens ein Viertel der Bevölkerung hat Chai Jings unabhängig produzierte Dokumentation über den Smog in China schon gesehen. Dank ihres Films ist der Smog zu einem der großen Themen beim Volkskongress geworden.

          Chai Jing war bereits vor der Veröffentlichung der Dokumentation „Unter der Glocke“ berühmt in China. Sie hat sich einen Namen gemacht als investigative Journalistin des staatlichen Fernsehsenders CCTV. Dort hat sie sich Umweltthemen gewidmet, sie hat aber auch 2003 an vorderster Front über die ansteckende Lungenkrankheit Sars und die ungenügende Reaktion der Behörden auf die Seuche berichtet. Dafür bekam sie einen Preis als beste investigative Journalistin, 2008 wurde sie als „grüne Persönlichkeit“, die das Land bewegt, ausgezeichnet. Für das Staatsfernsehen berichtete Chai Jing auch über das große Erdbeben in der Provinz Sichuan 2008.

          Chinas investigativer Journalismus operiert unter erschwerten politischen Bedingungen und ist durch die Vorgaben der Zensur beschränkt. Auch die Star-Journalisten von CCTV arbeiten am Rand der Zensurrichtlinien entlang, manche mutiger als andere. In den staatlich gelenkten Medien ist es nicht üblich, zu provozieren oder Politiker mit Fragen in Verlegenheit zu bringen. Chai Jing setzte sich über diese ungeschriebene Regel oft hinweg. 2010 wurde sie zu einer der zehn besten Moderatorinnen Chinas gewählt. Von ihrer Autobiographie „Einsicht“ wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft, sie war damit fast so erfolgreich wie der chinesische Literaturnobelpreisträger Mo Yan.

          An der Zensur entlang

          Chai Jing zog sich vom Staatsfernsehen zurück, als ihre Tochter mit einem Tumor geboren wurde und besondere Pflege brauchte. Die Möglichkeit, dass der Tumor durch Luftverschmutzung verursacht wurde, brachte sie zu dem Entschluss, auf eigene Faust eine Dokumentation über Umweltverschmutzung zu erstellen. Mit den Einnahmen aus ihrem Buch finanzierte sie die einjährige Recherche. Geholfen hat ihr dabei die Produzentin Fan Ming, die sich ebenfalls schon mit Berichterstattung über Umweltthemen einen Namen gemacht hat.

          Chai Jing stammt selbst aus einer der schmutzigsten Ecken Chinas, der Kohleprovinz Shanxi. 1976 im Bergwerksort Linfen geboren, schaffte sie die Aufnahmeprüfung in eine der großen Universitäten in der Provinz Hunan und begann beim dortigen Radiosender 1995 ihre Karriere. Nach einem journalistischen Aufbaustudium wurde sie 2001 zu CCTV geholt. Seit ihr Smog-Film Furore gemacht hat, hat sie sich öffentlich nicht mehr geäußert. Aber ihre Appelle, durch eigenes Verhalten, etwa weniger Autofahren, auch zum Umweltschutz beizutragen, haben die Öffentlichkeit erreicht. Der gegenwärtige Zustand Chinas sei erst der Anfang, hat Chai Jing gewarnt.

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