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Bürgerkrieg im Jemen : Toxisches Gemisch im Armenhaus Arabiens

Kämpfer der Houthis auf den Trümmern von Häusern in Sanaa, die bei Luftangriffen zerstört wurden. Bild: dpa

Im Jemen fallen vier Konflikte zusammen, die das Land vollends zerbrechen lassen. Zerrissen wurde das Land zunächst vom Konflikt zwischen Norden und Süden. Doch birgt der Aufstieg von Al Qaida noch besondere Sprengkraft.

          Solange sich im Jemen die vier großen Konflikte der Region nicht miteinander vermischt hatten, war jeder einzelne von ihnen keine existentielle Bedrohung für das Land. Erst seitdem sie ineinander verschmelzen, ist der Verfall des Jemen kaum mehr aufzuhalten. Zusammengeballt entfalten die Konflikte eine enorme Sprengkraft.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Im Mittelpunkt steht heute der Konflikt zwischen der Bewegung der schiitischen Houthis und den bisherigen Machthabern, die überwiegend Sunniten sind und nun entmachtet wurden. Die Houthis, deren traditionelles Siedlungsgebiet zwischen der Hauptstadt Sanaa und der Grenze zu Saudi-Arabien liegt, hatten 2004 eine Erhebung gegen den Zentralstaat begonnen. Der hatte ihre Region bewusst vernachlässigt. Die Houthis mit ihrem zu Beginn der Erhebung getöteten Anführer Hussein Badreddin al Houthi sind die politischen Repräsentanten der schiitischen Zaiditen im Jemen. Zaiditen hatten bis zum Jahr 1962 ein Jahrtausend lang den Jemen regiert. An der Spitze des Staats stand ihr religiöser Führer, der Imam.

          Der Konflikt mit den Houthis schwelte zwar seit 2004. Im Jahr 2009 griff Saudi-Arabien für kurze Zeit militärisch ein, setzte dazu Bodentruppen und die Luftwaffe ein, um die Zentralregierung in Sanaa zu entlasten. Doch der Konflikt blieb überschaubar, selbst wenn Iran die Houthis seit 2004 unterstützt – zunächst mit Geld und leichten Waffen.

          Nun aber scheint der jemenitische Bürgerkrieg zu einem Krieg zu eskalieren, der weitere Länder in der Region erfasst. Saudi-Arabien reagierte in der vergangenen Nacht auf die Unterstützung der schiitischen Houthi durch Iran, schickte dazu mehr als 100.000 Soldaten an die Grenze zum Jemen und bombardierte Stellungen der Houthis. Ein Ziel war auch der Flughafen von Sanaa. Riad hatte sich dabei mit Kairo abgestimmt. Denn die ägyptische Marine kontrolliert nun die Meerenge Bab al Mandeb, die den Jemen von Afrika trennt, so dass keine iranischen Schiffe mit Nachschub für die Houthis passieren können.

          Anhänger der Houthis demonstrieren nach den Luftschlägen in der Stadt Saada.

          Zerrissen hatte den Jemen zunächst der Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden. Im Mai 1990 hatten sich die prowestliche Republik Nordjemen und die ehemals sozialistische Volksrepublik Südjemen vereint. Bereits vier Jahre danach begann im Südjemen eine Sezessionsbewegung, da sich der Süden nicht unberechtigt vom Norden vernachlässigt fühlte. In einem kurzen Bürgerkrieg 1994 besiegte der militärisch überlegene Norden den Süden klar – die Wunden sind bis heute nicht verheilt.

          Die Houthis stellten den seit 2012 amtierenden Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi im vergangenen Januar in Sanaa unter Hausarrest. Am 21. Februar gelang ihm die Flucht von Sanaa nach Aden, der Hauptstadt des Südjemen. Zwar haben die Houthis mit ihrer politisch und militärisch agierenden Bewegung Ansar Allah den Nordjemen weitgehend unter ihrer Kontrolle. Auch bedeutende Teile der Armee haben sich ihnen angeschlossen. Der Südjemen fügt sich den Houthis jedoch nicht. Hadi war früher selbst Berufssoldat und einer der führenden Generäle in der jemenitischen Armee. Seit Tagen finden in Aden heftige Kämpfe statt.

          Ständige Konflikte trugen zudem die zahlreichen Stämme mit der Zentralregierung aus. Entführungen dienten als Mittel der Umverteilung. Sie wollten damit Zugeständnisse und Leistungen des Zentralstaats für ihre Regionen erpressen. Ein politischer Erfolg war für die Houthis, dass sie viele unzufriedene Stämme für ihre Bewegung gegen die Zentralregierung gewannen – aber auch den 2012 abgesetzten früheren Präsidenten Ali Abdullah Salih aus dem Clan der Sanhar, der wiederum zur Stammeskonföderation der Haschid gehört. Damit zerbrach das Gleichgewicht der Stämme. Keine Zentralmacht konnte sie mehr in einer Balance halten.

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