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Repression in China : Ein Lied und seine Folgen

  • -Aktualisiert am

Ende einer Moderatorenkarriere: Nach den Spottversen auf Mao wurde Bi Fujian ersetzt. Bild: AP

Ein Scherz über Mao ist in China ein Scherz zu viel. Selbst wenn er bei einem privaten Essen gemacht wird. Der bekannte Fernsehmoderator Bi Fujian bezahlt dafür mit seiner Karriere.

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          Im April stattete Bi Fujian, Starmoderator des chinesischen Fernsehens, seinem Heimatort in der Provinz einen Besuch ab. Er lud Freunde zum Essen ein, es wurde getrunken und gelacht. Als Bi Fujian ein Lied aus der Kulturrevolution parodierte und den Schluss so umdichtete, dass dabei herauskam, Revolutionsführer Mao Tse-tung habe Elend über das chinesische Volk gebracht, jauchzten die Gäste vor Vergnügen.

          Einer der Anwesenden bei diesem lustigen Bankett allerdings war dem prominenten Gastgeber gar nicht wohlgesonnen. Er stellte eine Video-Aufzeichnung von Bi Fujians Parodie der Revolutionsoper „Den Tigerberg erobern“ ins Internet. Damit war die Karriere des Moderators beendet. Der Mann habe Mao Tse-tung beleidigt, lautete das Verdikt der Behörden. Bi Fujians Arbeitgeber, das Staatsfernsehen CCTV, zog ihn sofort von seiner beliebten Talentshow ab.

          Später übernahm ein anderer Moderator die Sendung. Auch in anderen CCTV-Produktionen trat Bi Fujian fortan nicht mehr auf. Jetzt hat die chinesische Zensurbehörde bekanntgegeben, dass Bi Fujian mit dem Gesang bei einem privaten Abendessen eine „schwere Disziplinarverletzung“ begangen habe. Die Zensurbehörde hat das Staatsfernsehen angewiesen, den Fall als „äußerst ernst“ zu behandeln. Auch solle das Staatsfernsehen dafür sorgen, dass eine solche Entgleisung nicht mehr vorkomme.

          Ideologen leugnen Wahrheit

          Nach Berichten auslandschinesischer Medien steht dem Moderator, der auch als Gastgeber der prestigeträchtigen Neujahrsgala des Fernsehens aufgetreten war, nicht nur eine Entlassung vom Staatssender CCTV, sondern sogar ein Ausschluss aus der Kommunistischen Partei bevor. Eine öffentliche Entschuldigung hat Bi Fujian jedenfalls offensichtlich nichts genutzt. „Ich fühle mich schuldig und entschuldige mich bei der Öffentlichkeit“, hatte Bi gleich nach der Veröffentlichung des Videos gesagt.

          Der Moderator, der als Jugendlicher während Maos Kulturrevolution zu körperlicher Arbeit für Jahre aufs Land geschickt worden war, wurde auch schon einer Ehrenposition bei einem gemeinnützigen Erziehungsprojekt enthoben, weil er einen schlechten Einfluss auf die Studenten ausgeübt haben soll, indem er Mao Tse-tung beleidigte.

          Dass Maos Politik China ins Elend geführt hat, ist eine Tatsache, die nur Ideologen bestreiten können. Die sozialistische Umgestaltung Chinas in den fünfziger Jahren forderte fünf Millionen Todesopfer, allein der „Große Sprung nach vorn“ und die auf ihn folgende Hungersnot mehr als 40 Millionen. In der Kulturrevolution kamen weitere Millionen Chinesen ums Leben. Zudem hat die maoistische Wirtschaftspolitik bewirkt, dass China in Armut stecken blieb.

          Propaganda für Mao

          Doch davon will die chinesische Führung unter Xi Jinping nichts mehr wissen. Während die Kommunistische Partei noch in den siebziger Jahren beschloss, dass Maos Leistungen zu 70 Prozent gut und zu 30 Prozent negativ zu bewerten seien, soll jetzt Kritik an Mao gar nicht mehr gestattet sein. Wie keine andere Führung seit Beginn der Reformpolitik im Jahr 1980 will Xi Jinping Mao wieder zur unantastbaren Figur erheben.

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          Während es in der Reformzeit auch Bemühungen gab, Maos Wirken kritisch zu bewerten, ist dies unter Xi Jinping vorbei. Die Disziplinierung des Fernsehmoderators ist Teil einer laufenden Kampagne des Propagandaministeriums, die Unterhaltungsindustrie, Internet und Fernsehen zur Verbreitung der von Xi Jinping propagierten „sozialistischen Werte“ anzuhalten.

          Entschuldigung bei Maos Verwandten

          In diesem Klima können die Ideologen der Partei wieder auftrumpfen. Kritik an der Geschichte der Kommunistischen Partei sei „historischer Nihilismus“ der darauf gerichtet sei, die Herrschaft der Partei und das sozialistische System zu stürzen, hieß es kürzlich in einem Kommentar der Parteizeitung „Rote Fahne“.

          Bi Fujian ist nicht der Einzige, der wegen Kritik an Mao Tse-tung Ärger bekommt. Ein Abgeordneter aus der Provinz Henan, der in seinem Blog Mao als Kriminellen bezeichnet hatte und die großen Verbrechen beschrieben hatte, war ebenfalls gezwungen, sich zu entschuldigen: „Ich entschuldige mich für die unpassenden Worte und bei den Angehörigen Maos.“

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