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Chinesischer Journalist : „So habe ich den Börsencrash verursacht“

  • -Aktualisiert am

Vorgeführt: Der Finanzjournalist Wang Xiaolu im staatlichen Fernsehen Bild: AFP

Chinas Regierung braucht Sündenböcke: Mit dem vermeintlichen Geständnis eines Journalisten lenkt Peking von eigenen Fehlern ab - kein gutes Zeichen für die freie Presse im Reich der Mitte.

          Reumütig nahm der Journalist Wang Xiaolu vor laufender Kamera des staatlichen Fernsehens CCTV die Schuld für den Börsencrash in China auf sich. Einer seiner Artikel habe Panik und Unruhe an den Märkten verbreitet und dem Staat und den Investoren großen Schaden zugefügt, sagte er. Das tue ihm zutiefst leid. Er hoffe, dass man Nachsicht walten lassen und ihn nicht zu hart bestrafen werde.

          Wieder einmal durfte das chinesische Staatsfernsehen einen Verdächtigen in der Haft interviewen, wieder einmal wurde ein vermeintliches Geständnis vor laufender Kamera abgelegt und millionenfach verbreitet, bevor überhaupt eine Anklage erhoben wurde. Das widerspricht allen rechtsstaatlichen Grundsätzen, doch wenn es um Fälle mit politischen Implikationen geht, die große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, zählen die Rechte eines Beschuldigten in China wenig.

          Chinas Regierung braucht Sündenböcke

          „Kein Anwalt ist da, aber CCTV ist da“, schimpften denn auch verschiedene Blogger am Montag, nachdem in den Nachrichten ein sechs Minuten langes Interview gesendet worden war, in dem sich der Finanzjournalist selbst beschuldigte. Dass er inhaftiert ist und offensichtlich hofft, durch sein öffentliches Geständnis gnädigere Richter zu finden, wagt kaum jemand zu erwähnen.

          Die chinesische Regierung, die von allen Seiten für ihr schlechtes Krisenmanagement während des Börsencrashs und der Explosion von Tianjin kritisiert wird, braucht Sündenböcke. Fast 200 Personen sind in den vergangenen zwei Wochen wegen der Verbreitung von Gerüchten festgenommen oder bestraft worden, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.

          Seit dem Jahr 2013 gilt ein neues Gesetz, nach dem die Verbreitung von schädlichen Gerüchten über das Internet mit Haftstrafen von bis zu drei Jahren geahndet werden kann. Was „schädlich“ ist, wird im Zweifelsfall von der Staatssicherheit festgelegt.

          Nun soll also ein Journalist des renommierten Wirtschaftsmagazins „Caijing“ die Schuld am Börsencrash tragen. Der hatte in einem Artikel am 20. Juli berichtet, dass die Börsenaufsicht einen Ausstieg von Staatsfonds aus dem Finanzmarkt prüfe. Dies wurde von der Börsenaufsicht sofort dementiert. Der inhaftierte Wang Xiaolu sagte, er hätte keinen Artikel veröffentlichen dürfen, der den Markt negativ beeinflusst. Er habe Berichte auf der Basis von Hörensagen und seiner eigenen Meinung veröffentlicht.

          Vorwurf des Insiderhandels und Betrugs

          Bevor überhaupt genau geklärt ist, ob und wie weit der Journalist seine Sorgfaltspflicht verletzt hat, ob und wie weit ein Einfluss dieses Artikels auf die Investoren nachgewiesen werden kann, ist das Urteil schon gefällt. Die Regierung will auf jeden Fall vermeiden, dass sie selbst für den Vertrauensverlust an den Aktienmärkten verantwortlich gemacht wird.

          Gleichzeitig sendet sie aber auch ein deutliches Warnsignal an Wirtschaftsjournalisten und besonders an die Zeitschrift „Caijing“. Sie ist eins der wenigen Medien in China, die sich mit eigenen Recherchen an der Zensur vorbei noch an brisante Themen wagen, oft zum Missfallen der Regierung. Die Anklage gegen den Journalisten Wang Xiaolu kann auch als Maulkorb für „Caijing“ verstanden werden. In der Vergangenheit hatte Peking Wirtschaftspublikationen im Vergleich zu anderen Medien einen etwas größeren Spielraum zugestanden.

          Neben dem Journalisten wurden auch ein Mitglied der Börsenaufsicht und vier Mitarbeiter einer Investmentgesellschaft festgenommen. Ihnen wird Insiderhandel und Betrug vorgeworfen. Die chinesische Öffentlichkeit scheint nicht davon überzeugt zu sein, dass der Börsenabsturz an dem Fehlverhalten eines Journalisten und einiger Finanzakteure hing. Die Börsenkurse in China fielen auch am Montag wieder.

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