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China umwirbt Pakistan : Die neu belebte „Allwetterfreundschaft“

Roter Teppich für Chinas Präsidenten: Xi Jinping (Mitte), empfangen vom pakistanischen Präsidenten Mamnoon Hussain (links) und Ministerpräsident Nawaz Sharif (rechts). Bild: AFP

Zu Beginn seines Staatsbesuchs in Islamabad hat Chinas Präsident Xi Jinping 28 Milliarden Dollar Investitionen in Aussicht gestellt. Quer durch Pakistan will China eine Straße bauen, um Zugang zum Indischen Ozean zu bekommen.

          5 Min.

          Von einem Besuch, der das Schicksal Pakistans verändern werde, war am Montag in Islamabad die Rede. Fast wie ein Erlöser wurde Chinas Präsident Xi Jinping auf dem Luftwaffenstützpunkt in Rawalpindi von allen empfangen, die in Pakistan Rang und Namen haben: Staatschef, Ministerpräsident, Armeechef, Verteidigungsminister und weitere Kabinettsmitglieder warteten an der Landebahn, als das Flugzeug des chinesischen Präsidenten, begleitet von einer pakistanischen Fliegerstaffel, landete. Den Weg vom Flughafen ins Zentrum der Hauptstadt säumten Banner, die die Freundschaft beider Länder als „höher als Berge und tiefer als Ozeane“ besang.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          So sehnsüchtig hatte die pakistanische Regierung den ersten Staatsbesuch aus dem Nachbarland China seit neun Jahren erwartet, dass er in den vergangenen Wochen schon mehrfach falsch angekündigt worden war. So hatte man in Islamabad vergeblich gehofft, Xi würde einer Militärparade zum Nationalfeiertag im März beiwohnen, als Spiegelbild zum Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama bei der Militärparade zum indischen Nationalfeiertag in Delhi. Das Warten hat sich für die Pakistaner gelohnt.

          Zu Beginn des zweitägigen Staatsbesuchs unterzeichneten beide Seiten Verträge über Investitionen im Wert von 28 Milliarden Dollar – das ist das Siebzehnfache der gesamten ausländischen Direktinvestitionen, die Pakistan im vergangenen Jahr verzeichnen konnte. Das Geld soll demnach in die Errichtung eines 3000 Kilometer langen Wirtschaftskorridors fließen, der die nordwestchinesische Provinz Xinjiang über ein Straßen- und Schienennetz mit dem Hafen von Gwadar am Indischen Ozean verbinden soll. Dort gibt es schon seit 2007 einen von China finanzierten Hafen, der aber wegen des Krieges in der Provinz Belutschistan nie wirklich in Betrieb genommen werden konnte. Seit Jahren ist von einem geostrategischen Wettlauf die Rede, weil Iran in Chabahar, nur 72 nautische Meilen von Gwadar, mit indischer Hilfe einen Hafen gebaut hat.

          Chinas neue Seidenstraße

          Ministerpräsident Nawaz Sharif sprach am Montag von einer „neuen Ära der Entwicklung in Pakistan“. Chinas Außenminister Wang Yi besang den geplanten Wirtschaftskorridor quer durch Pakistan als „süße Melodie der ersten Bewegung in der Symphonie ,Ein Gürtel, eine Straße‘“. Hinter der Parole „Ein (Wirtschafts-)Gürtel, eine (Seefahrts-)Straße“ verbirgt sich eine ehrgeizige außen- und handelspolitische Entwicklungsstrategie, die Xi Jinping erstmals vor zwei Jahren verkündet hatte. Der Wirtschaftsgürtel soll entlang der früheren Seidenstraße China über eine Güterzugstrecke mit den Ländern Zentralasiens, Westasiens, dem Mittleren Osten und Europa verbinden. Sie führt bis nach Duisburg, Hamburg und Rotterdam. Die „Seefahrtstraße“ wiederum, von Peking auch „Maritime Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“ genannt, soll über das Südchinesische Meer, den Südpazifik und den Indischen Ozean führen und den Weg von China nach Afrika und durch den Suezkanal bis ins Mittelmeer darstellen.

          Pakistan kommt in Chinas Planung eine Sonderstellung zu. Mit dem Landzugang zum Hafen von Gwadar könnte China die Seeroute für seine Güter maßgeblich verkürzen und damit Zeit und Geld sparen. Zugleich soll der „Super-Highway“ von Kashgar nach Gwadar jene Region im äußersten Westen Chinas wirtschaftlich entwickeln helfen, die Peking wegen regelmäßiger Anschläge durch uigurische Extremisten besonders große Sorgen bereitet. Die wirtschaftliche Entwicklung Xinjiangs ist Kernbestandteil der chinesischen Anti-Terror-Strategie im eigenen Land.

          Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat das Projekt des „Wirtschaftsgürtels“ 2013 in Kasachstan verkündet, die „Maritime Seidenstraße“ hob Xi Jinping im selben Jahr bei einer Rede im indonesischen Parlament aus der Taufe. Bisher sind die Inhalte und die konkrete Ausformung der Seidenstraßen-Initiative noch vage, doch sie darf mittlerweile in keiner politischen Rede mehr fehlen. Von Handel und Investitionen, vor allem in Infrastruktur, in Flughäfen, Schnellstraßen und Häfen und Energieproduktion ist die Rede. Gemeinsamer Wohlstand und Sicherheit für alle sei das Ziel, betont Xi in seinen Reden.

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