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Chinesischer Inselbau : Eine Seidenstraße im Meer

  • -Aktualisiert am

Chinesische Bauarbeiten auf dem Cuarteron-Riff, das von den Philippinen und China beansprucht wird. Bild: dpa

China baut im Südchinesischen Meer Militärbasen. Weit weg von zu Hause, könnte man denken. Aber jeder zweite Tanker fährt durch das Gebiet. Die Begründung der Chinesen für die Landnahme scheint dabei weit hergeholt.

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          Tag und Nacht, sieben Tage in der Woche wird an den Korallenriffen gebaggert, Sand gepumpt und gebaut. Sieben neue Inseln haben chinesische Bautrupps im letzten Jahr durch Landgewinnung im Südchinesischen Meer aufgeschüttet. Eine davon, das Fiery-Atoll, trägt bereits eine Radaranlage, einen Kontrollturm und eine Flugzeuglandebahn. Das Atoll werde zum „unversenkbaren Flugzeugträger“, sagt die chinesischen Marine.

          Das Fiery-Atoll gehört zu den Spratly-Inseln. Es liegt mehr als tausend Kilometer von der Küste der Volksrepublik China entfernt, aber nur etwa 200 Kilometer von der Küste der Philippinen. Wenn die neuen Bauten und Einrichtungen fertig sind, was nach Ansicht amerikanischer Militärbeobachter schon Ende des Jahres der Fall sein könnte, kann es der chinesischen Marine als Vorposten in einem Seegebiet dienen, das strategisch hochbedeutend ist.

          Umstrittenes Projekt : China baut Landebahn mitten im Meer

          Im Südchinesischen Meer liegt Fischgrund, es gibt dort auch Erdgas- und Erdölvorkommen, über deren Größe allerdings die Meinungen auseinandergehen. Dichter Seeverkehr verläuft durch dieses Meer. Schiffe aus vielen Herkunftsländern, nicht nur die der Anrainer, passieren die Gewässer. Es ist die kürzeste Verbindung zwischen dem Pazifik und dem Indischen Ozean. Mehr als die Hälfte des weltweiten Tankerverkehrs verläuft durch das Südchinesische Meer.

          Wichtig sind die Seewege für den Handel mit Japan und China. Auch Europa, Chinas zweitgrößter Handelspartner, wird über diese Wege beliefert. Für China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, sind die Seewege entscheidend, um seine Einflusssphäre und seinen Handel auszudehnen. Und seit Präsident Xi Jinping die Idee einer „Maritimen Seidenstraße“ von China bis nach Afrika aufbrachte, hat die Kontrolle der Seewege für die chinesischen Schiffe nationale Priorität bekommen.

          China stützt sich auf historische Aufzeichnungen

          China brauche offene Seewege für seine Maritime Seidenstraße, sagt Ye Qiang vom Forschungsinstitut für das Südchinesische Meer in Peking. Ob diese Seewege allerdings noch offen sein werden, wenn China das ganze Südchinesische Meer kontrolliert, daran haben nicht nur die Anrainer Zweifel, sondern auch die Vereinigten Staaten. Washington hat sich mit einer Positionierung im Territorialstreit zurückgehalten und bezieht keine Stellung zu der Frage, wem denn nun welche Inseln gehören. Die amerikanische Regierung beharrt aber darauf, dass die Freiheit der Schifffahrt in dem Gebiet gesichert sein muss.

          Bilderstrecke

          Schon lange belauern sich die Anrainer im Südchinesischen Meer, wo sich die Ansprüche von Brunei, Taiwan, Malaysia, Vietnam und den Philippinen überlappen. Doch das weitaus größte Gebiet beansprucht die Volksrepublik China für sich. Etwa 90 Prozent des Südchinesischen Meers bezeichnet Peking als sein Territorium. Es stützt sich dabei auf eine von der Republik China erstellte Karte mit einer „Neun-Striche-Linie“ des Jahres 1947 und auf historische Aufzeichnungen, die belegen sollen, dass chinesische Fischer schon zu Zeiten des Kaiserreiches in der Nähe der Atolle und Inseln unterwegs waren.

          „Von alters her“ seien die Inseln im Südchinesischen Meer chinesisches Territorium gewesen, sagt Ye Qiang. Das ist ein Anspruch, der von vielen angezweifelt wird. Die Anrainerstaaten untermauern ihre Ansprüche mit eigenen Dokumenten oder verweisen auf das internationale Seerecht. Sie sagen, dass die „Neun-Striche-Linie“ aus dem Jahr 1947 keine Gültigkeit habe. Einige der von China beanspruchten Inseln liegen in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen anderer Staaten, in denen sie allein über die Bodenschätze verfügen.

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