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China : Sprengsätze vor nordchinesischem Parteigebäude

Rauchwolken über dem Anschlagsort: Aufnahme vom Morgen in Taiyuan Bild: Reuters

Verunsicherung in China: Die Kommunistische Partei steht vor schwierigen Wirtschaftsreformen, und im Land kommt es zu mysteriösen Attentaten. Am Mittwochmorgen detonierten vor einem Parteigebäude in Nordchina gleich mehrere Sprengsätze.

          Die Hintergründe des Vorfalls liegen noch im Dunkeln. Aber die Explosion mehrerer Sprengkörper vor einem Gebäude der regierenden Kommunistischen Partei in Nordchina eignet sich gerade wegen dieser Unklarheit, das allgemeine Gefühl der Anspannung, das in China dieser Tage offenbar herrscht, noch zu verstärken. Grund für die Unsicherheit ist einerseits das wichtige „3. Plenum des 18. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas“, das am Wochenende in Peking beginnt. Dort sollen schwierige Wirtschaftsreformen behandelt werden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Gleichzeitig sind die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft, seitdem im Oktober ein Geländewagen außerhalb des Kaiserpalastes im Zentrum Pekings in eine Menschenmenge gefahren war. Das Auto rammte einen Brückenpfeiler und ging in Flammen auf. Fünf Personen kamen ums Leben, unter ihnen zwei Touristen. Die Regierung sah „militante Islamisten“ am Werk. Es gibt bisher allerdings noch keinen Anlass, die neuerlichen Explosionen mit diesem Vorfall in Zusammenhang zu bringen.

          Bilder umgehend gelöscht

          Bei mehreren „kleinen Detonationen“ waren am Mittwoch in Taiyuan, der Provinzhauptstadt im nordchinesischen Shanxi, eine Person getötet und acht weitere verletzt worden. Den Angaben der Polizei nach waren acht Explosionen zu hören gewesen. Sie hatten das Gebiet vor dem Parteigebäude auf der Yingze-Straße am Vormittag um 7.40 Uhr erschüttert. Der Zeuge Liu Guoliang hatte laut Xinhua eine Explosion in einem „Minivan“ beobachtet. Es sei dichter Rauch aufgestiegen und eine große Menge Trümmer herumgeflogen.

          Nach Recherchen der Zeitung „China Daily“ geht die Polizei davon aus, dass es sich um selbstgebastelte Sprengsätze handelte. Im Umkreis seien Stahlkugeln und Schaltplatinen gefunden worden. Auf dem Online-Netzwerk Sina Weibo veröffentlichten Nutzer Fotos von Feuerwehrfahrzeugen am Ort des Geschehens. Andere Bilder zeigten eine graue Rauchsäule, durchlöcherte Autotüren und -reifen sowie zerschmetterte Glasscheiben und andere Trümmer auf den Straßen. Wie in China üblich, wurden viele der Bilder und Kommentare zu dem Vorfall von der Staatszensur umgehend gelöscht.

          In China kommt es auch nur selten zu Anschlägen mit schlagkräftigen Bomben, die sich eindeutig auf terroristische Hintergründe zurückführen lassen. Häufiger sind persönliche Racheakte verzweifelter und wütender Bürger, die auch Regierungs- und Parteistellen ins Visier nehmen. Ein politischer Hintergrund ist zu diesem Zeitpunkt aber zumindest noch nicht auszuschließen.

          Reformen in der Wirtschaftspolitik erwartet

          Die neue Führungsgeneration hat für das bevorstehende ZK-Plenum vom 9. bis 12. November in Peking „umfassende Reformen“ und „größeren politischen Mut“ angekündigt. Nach dem im vergangenen Herbst und Frühjahr vollzogenen Wechsel der Staats- und Parteiführung soll nun die Wirtschaftspolitik der kommenden Jahre vorbereitet werden. Manche Beobachter erinnern sogar an das Dritte Plenum im Jahr 1978, bei dem Deng Xiaoping seine Reform- und Öffnungspolitik voranbrachte. Das scheint aber übertrieben, allein schon, weil die Partei nicht mehr ganz so schalten und walten kann wie damals.

          Blick in das von der Polizei abgeschirmte Gebiet in Taiyuan Bilderstrecke

          Heute sei die Führung auf breitere Unterstützung angewiesen, hieß es dazu am Mittwoch in einem Kommentar der Staatsagentur Xinhua. Die Überschrift lautete „Chinesische Führung sucht maximalen Reformkonsens“. Immerhin besteht an den Zielen von Reformen kein Zweifel. „Die Führung ist sich bewusst, dass tiefere Reformen die Stabilität der Parteiherrschaft eher sichern können als das Beharren auf dem Status quo“, hieß es in dem Kommentar.

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