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Diplomatische Verstimmungen : Nachbarländer kritisieren nordkoreanischen Raketentest

Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte dieses Bild über den jüngsten Raketentest des Landes. Bild: Reuters

Mit sehr deutlichen Worten verurteilen China, Südkorea und Japan den neuesten Raketenabschuss aus Nordkorea. Dabei sind sich auch die drei Länder nicht in allen Punkten einig, wie auf Aggressionen reagiert werden soll.

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          China, Südkorea und Japan haben den abermaligen Raketenabschuss des Regimes in Nordkorea am Mittwoch einhellig als Verstoß gegen die Auflagen der Vereinten Nationen verurteilt und die Regierung in Pjöngjang aufgefordert, solche Provokationen zu unterlassen. In diesem Sinne äußerten sich die Außenminister der drei Staaten nach einem Treffen in Tokio. Nordkorea hatte am frühen Mittwochmorgen von einem U-Boot aus eine ballistische Rakete abgeschossen, die nach etwa 500 Kilometern in der See von Japan in der Flugüberwachungszone Japans niederging.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Fachleute werteten die offenbar erfolgreiche Demonstration als Beleg, dass Nordkorea Fortschritte in der Technik des Raketenstarts von Unterseebooten erzielt habe. Mit der Fähigkeit der kommunistischen Diktatur, Raketen von Unterseebooten abzuschießen, wächst die Bedrohung Südkoreas und anderer Nachbarstaaten. Südkorea vermutet, dass der Norden mehr als 70 U-Boote älterer Bauart besitzt, die eher eine begrenzte Reichweite haben.

          Reaktion auf reguläre Manöver

          Der Raketenstart Nordkoreas gilt vielen Beobachtern als Reaktion den Regimes auf die regulären Manöver der amerikanischen und südkoreanischen Streitkräfte, die in dieser Woche begonnen haben. Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye hatte vor Provokationen des Nordens gewarnt. „Während Zeichen ernsthafter Risse auftauchen, wächst die Wahrscheinlichkeit von Unruhe in dem Regime“, sagte Park mit Blick auf den stellvertretenden Botschafter Nordkoreas in Großbritannien, der sich vor kurzem mit der Familie nach Südkorea abgesetzt hatte.

          Die Außenminister Japans, Südkoreas und Chinas bekräftigten in Tokio nach den Worten des japanischen Außenministers Fumio Kishida den Willen, Nordkorea zur Selbstzurückhaltung und zur Einhaltung der Resolutionen des Sicherheitsrates zu drängen. Über mögliche konkrete Vereinbarungen der Minister während des gut einstündigen Treffens dazu oder zu anderen Themen wurde nichts bekannt. Angesichts der bilateralen Spannungen zwischen den drei Ländern schien der Wert des Dreiertreffens vor allem darin zu liegen, dass es wie vor mehr als einem Jahr verabredet und nun erst in fast buchstäblich letzter Minute vereinbart stattfand. Noch in diesem Jahr soll ein Gipfeltreffen der drei Staats- und Regierungschefs in Japan stattfinden, wobei ein Termin noch nicht feststeht.

          China und Südkorea streiten über die Stationierung des amerikanischen Thaad-Raketenabwehrsystems in Südkorea, das den Süden vor der die Bedrohung aus dem Norden schützen soll. Japan und China streiten über die Senkaku-Diaoyu-Inseln, wo China in den vergangenen Wochen in bislang außergewöhnlicher Intensität Schiffe auffahren lässt und damit Japans Verwaltung der Inseln in Frage stellt. Südkorea und Japan sind eigentlich auf dem Weg der Annäherung, nachdem man sich um Streit über finanzielle Hilfen für die sogenannten Trostfrauen, die von Japans Militär im Zweiten Weltkrieg zu sexuellen Diensten gezwungen wurden, geeinigt hatte. Das Verhältnis belastete zuletzt aber der Besuch einer Gruppe koreanischer Abgeordneter auf den Felseninseln Dokdo (japanisch: Takeshima), die von beiden Ländern beansprucht werden.

          In auffälligem Kontrast hieß es im japanischen Außenministerium, ein bilaterales Treffen Kishidas mit seinem koreanischen Amtskollegen Yun Byung-se sei in guter Atmosphäre verlaufen. Das bilaterale Gespräch Kishidas mit dem chinesischen Außenminister Wan Yi sei dagegen „bedeutungsvoll“ gewesen. Japan setzt China dabei direkt unter Druck, die Eskalationen rund um die Senkaku-Insel zu unterlassen. Kishida erklärte, das Land sei zu weiterem Dialog bereit, inklusive eines Treffens von Ministerpräsident Shinzo Abe und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping während des G-20-Gipfeltreffens kommende Woche in China, „wenn die Bedingungen im ost-chinesischen Meer sich bessern“. Im Klartext heißt das: Japan setzt als Voraussetzung für einen vertieften Dialog mit China, dass dieses die Versuche unterlässt, den Status Quo im ost-chinesischen Meer zu verändern.

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