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Organhandel : China will keine Organe hingerichteter Häftlinge mehr nutzen

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In einem chinesischen Gefangenenlager: Rund 65 Prozent der in China verpflanzten Organe wurden nach Angaben von Amnesty International hingerichteten Häftlingen entnommen. Bild: Picture-Alliance

China hat immer wieder bestritten, dass die Organe hingerichteter Häftlinge ohne deren Einverständnis verkauft oder gespendet werden. Dennoch soll diese Praxis jetzt „vollständig beendet“ werden.

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          China will im nächsten Jahr die Verwendung von Organen hingerichteter Häftlinge einstellen. Die Verwendung werde ab dem 1. Januar „vollständig beendet“, berichtete die Zeitung „Southern Metropolis Daily“ am Donnerstag unter Berufung auf den Leiter des chinesischen Organspende-Komitees, Huang Jiefu. Die für Transplantationen benötigten Organe sollten künftig nur noch von freiwilligen Spendern kommen, sagte der frühere stellvertretende Gesundheitsminister.

          In der Vergangenheit hatten Menschenrechtsgruppen die chinesischen Behörden beschuldigt, hingerichteten Gefangenen ohne ihr Einverständnis oder das ihrer Familien Organe zu entnehmen. Peking hatte dies stets bestritten und gleichzeitig schon mehrmals versprochen, auf die Organe hingerichteter Häftlingezu  verzichten. Im November 2012 hatte Huang dann ein Ende der umstrittenen Praxis binnen zwei Jahren angekündigt.

          Organhandel seit 2007 verboten

          Der Handel mit Organen ist in China seit 2007 verboten. Seit 2009 wird ein landesweites System für Organspenden aufgebaut, doch übersteigt die Nachfrage noch immer bei weitem das Angebot. Die Zeitung „China Daily“ berichtete, rund 65 Prozent der transplantierten Organe im Land stammten von hingerichteten Häftlingen. Nach Angaben Huangs brauchen jedes Jahr rund 300.000 Patienten „dringend“ eine Transplantation, doch würden letztlich nur 10.000 Transplantationen ausgeführt. Viele Chinesen glauben an eine Reinkarnation nach dem Tod und wollen daher unversehrt bestattet werden.

          Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der amerikanischen Menschenrechtsorganisation Dui Hua in China rund 2400 Personen hingerichtet. Die Zahl sinkt damit seit einiger Zeit um jährlich rund zehn Prozent. Dennoch werden in China nach Angaben von Amnesty International immer noch mehr Todesstrafen vollstreckt als in allen anderen Ländern der Welt zusammen. Die Todesstrafe werde zur Abschreckung eingesetzt, häufig auch für Verbrechen, bei denen man eigentlich „nur“ mit Haftstrafen rechnen müsse.

          Auch vor Feiertagen oder anderen Großereignissen würden verstärkt Todesurteile ausgesprochen oder Massenhinrichtungen vollstreckt. Der steigende Einsatz der Giftspritze zur Hinrichtung erleichtere dabei die spätere Organentnahme. Zwischen den Gefängnissen und den Gerichten pendelten zu Hinrichtungsfahrzeugen umgebaute Kleinbusse mit Kühlkammern, um die Hinrichtungen und Organentnahmen schnell und effizient vornehmen zu können.

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