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Olympische Winterspiele : Chinas Davos im Kleinformat

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Weil i wü schifoan: Abfahrtspiste in Chongli neben einer Hotelbaustelle Bild: AP

Der Schnee kommt aus der Kanone, die Stadt versinkt im Smog: Peking und Zhangjiakou wollen gemeinsam die Winterspiele 2022 ausrichten. Präsident Xi hofft auf ein weiteres Prestigeprojekt.

          Noch vor wenigen Jahren zählte Chongli in den Bergen der Provinz Hebei zu den ärmsten Kreisen Chinas. In den verstreuten Dörfern mit ihren eingeschossigen Lehmhäusern und Höhlenwohnungen lebten die Bauern eher schlecht als recht. Die jungen Leute wanderten ab in die Städte, um Arbeit zu suchen. Dann entdeckten weitsichtige Investoren die an die 2000 Meter hoch gelegene Gegend als Skiregion. Von da an ging es aufwärts mit Chongli.

          Das erste Skigebiet eröffnete im Jahr 2003, inzwischen gibt es vier davon. Sie sind noch klein, doch der Zustrom der Wintersportler aus dem 250 Kilometer entfernten Peking wächst. Nun streckt sich das arme Chongli mit Unterstützung der chinesischen Regierung nach Weltruhm. Im Jahr 2022 sollen hier – falls Chinas Bewerbung um die Austragung der Olympischen Winterspiele erfolgreich sein sollte – die Biathlon-, die Nordischen und die Snowboard-Wettbewerbe stattfinden.

          Von einem „Davos Chinas“ ist schon die Rede. Das wird es aber wohl nicht werden, schon allein deswegen, weil die Berge hier weder dramatisch noch besonders hoch sind. Aber wenn es um Prestigeprojekte geht, zeigt die Pekinger Regierung große Planungsstärke und Durchsetzungswillen. Der Kreis Chongli wird, falls die Spiele hier stattfinden sollten, in den kommenden Jahren sein Gesicht verändern, um alles aufzubieten, was für die olympischen Wettbewerbe notwendig ist – außer natürlichem Schnee vielleicht.

          Im Januar haben die Städte Peking und Zhangjiakou, zu der der Kreis Chongli gehört, ihre gemeinsame Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 eingereicht. Die Chancen, dass die beiden chinesischen Städte den Zuschlag erhalten, stehen gut. Nachdem Oslo sich zurückgezogen hat, ist der einzige Mitbewerber Almaty in Kasachstan. Und wenn man sich beim Pekinger Bewerbungskomitee auch bemüht, nicht zu siegessicher aufzutreten, scheinen Pekings Olympia-Planer recht zuversichtlich, dass sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) für China entscheidet.

          Nach den Sommerspielen von 2008 wäre es dann schon das zweite Mal, dass Peking Olympiastadt wird, und es wäre das erste Mal, dass eine Stadt sowohl die Sommer- als auch die Winterspiele ausrichtet. Pekinger Planer sind bemüht, dies als Vorteil darzustellen. „Wir können die Erfahrung erfolgreicher Olympischer Spiele nutzen“, sagt Wang Hui vom Pekinger Bewerbungskomitee. In der Stadt Peking würden die Eissportwettbewerbe stattfinden und im Pekinger Landkreis Yanqing die alpinen Skiwettbewerbe.

          Wintersport ist in China keine Massenbewegung

          Während in europäischen Ländern die Begeisterung für das Ausrichten von Olympischen Spielen deutlich abgenommen hat, ist in China Opposition nicht vorgesehen. Staatspräsident Xi Jinping höchstpersönlich soll hinter dem neuerlichen olympischen Anlauf stehen. Er könnte mit den Spielen auch sein Projekt der wirtschaftlichen Integration des Gebiets von Peking, Tianjin und Hebei voranbringen. Präsident Xi und die Pekinger Planer werben für die Spiele auch mit dem Argument, dass sich die Chance biete, bis zu 300 Millionen Chinesen für den Wintersport zu begeistern.

          Noch erscheint das als hoch gegriffen. Als winterlicher Breitensport zählt in Nordchina allenfalls das Schlittschuhlaufen. Das teure Skifahren ist dagegen ein beliebter Sport bei der aufstrebenden Mittelklasse. In den vergangenen fünfzehn Jahren ist die Zahl der Skifahrer nach Schätzungen in China von 10.000 auf landesweit fünf Millionen gestiegen. Besonders in der Nähe der Großstädte sind Skigebiete entstanden.

          Auch auf den sanften Pisten von Chongli tummeln sich am Wochenende die Besucher aus Peking, in der vergangenen Saison waren es 1,5 Millionen. Die Anreise nach Chongli ist nicht einfach. Fast vier Stunden dauert die Fahrt von Peking auf der ständig verstopften Autobahn. Nach der Fahrt über die unansehnliche braune Hochebene mit ihren Industriebetrieben und Schornsteinen geht es bei der Industriestadt Zhangjiakou hoch in die Berge.

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