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China : Christen im Untergrund

  • -Aktualisiert am

China: Christlich-westliche Bräuche breiten sich immer weiter aus. Bild: AFP

In China breitet sich das Christentum mit einer für die Behörden beängstigenden Geschwindigkeit aus. In einer kleinen Gemeinde wurden jetzt wegen „Baumängeln“ die Kreuze von den Kirchendächern gerissen. Ein Vorgeschmack auf weitere Maßnahmen?

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          Alle Bittschreiben von Christen, Protestaktionen, Einsprüche haben nichts bewirkt. In diesem Jahr haben die Behörden in der chinesischen Provinz Zhejiang mehr als 1200 christliche Kirchen ihrer Kreuze beraubt. Vor den Augen bestürzter Gläubiger wurden sie von den Dächern der Kirchen gerissen. Christen fürchten, dass die Kampagne gegen die Kreuze in der Stadt Wenzhou ein Vorbote dafür sein könnte, wie die chinesischen Behörden künftig landesweit mit dem Christentum umgehen wollen.

          Noch vor dem Jahresende will die chinesische Parteiführung eine nationale Konferenz über die „Religionsarbeit“ einberufen. Das letzte Mal wurde eine solche Konferenz vor zehn Jahren einberufen. Nach Berichten offizieller Medien will die Partei dann neue Richtlinien für die Religionspolitik in China verabschieden. Yu Zhengsheng, der im Politbüro für die Religionspolitik zuständig ist, hat den Führern der fünf in China offiziell registrierten Gemeinschaften, des Taoismus, Buddhismus, Islam, der katholischen und protestantische Kirche, Besuche abgestattet und sie auf die neue Politik eingestimmt.

          Angriff auf die christlichen Kirchen

          Nach dem, was bisher bekannt wurde, zielen die neuen Bestimmungen darauf, die Religionsgemeinschaften noch mehr als bisher unter der Kontrolle der Partei zu halten und dazu die staatliche Ausbildung und Anleitung der religiösen Lehrer und Würdenträger zu verbessern. Auch die von Parteichef Xi Jinping befohlene „Sinisierung“ der Religionen soll betont werden. Xi Jinping hatte zu Beginn des Jahres in einer Grundsatzrede daran erinnert, dass sich alle Religionsgemeinschaften an die sozialistische Politik halten müssen und der „ausländische Einfluss“ sowie eine „Infiltration“ Chinas auf dem Weg der Religion verhindert werden solltenl.

          Das zielt nicht nur, aber vor allem auf die christlichen Kirchen, die als besonders anfällig für westliche ausländische „Einmischung“ angesehen werden. Dabei ist das Gebot der Sinisierung nicht neu. Die chinesischen Kommunisten hatten in den sieben Jahrzehnten ihrer Herrschaft bereits alles getan, um die chinesischen Kirchen von denen im Rest der Welt zu trennen. So musste sich die katholische Kirche vom Papst lossagen, und der protestantischen Kirche wurden die „Drei Selbst-Prinzipien“ verordnet, nach denen sie sich selbst verwalten, finanzieren und ihre Lehre verbreiten sollte.

          Dalai Lama: Ende einer Institution?

          Doch offenbar reichen der Kommunistischen Partei die bestehenden Einschränkungen für die religiösen Aktivitäten und ihre Organisationen noch nicht aus. In der globalisierten Welt sieht sich die Partei von verschiedenen Religionsgemeinschaften auf neue Art herausgefordert und glaubt, außer im ureigenen chinesischen Taoismus, überall feindlichen ausländischen Einfluss am Werk.

          In Tibet bleibt der lamaistische Buddhismus Teil der Identität und konnte trotz aller Bemühungen der kommunistischen Politik nicht verdrängt werden. Der von China als Separatist geschmähte Dalai Lama wird dort weiterhin verehrt. Mönche und Nonnen, aber auch manche tibetischen Parteifunktionäre zeigen sich insgeheim loyal gegenüber dem im indischen Exil lebenden Religionsführer. Die chinesische Regierung reagierte deswegen besonders empfindlich auf die Erklärung des Dalai Lamas, dass er möglicherweise nicht wiedergeboren werden wird und die Institution des Dalai Lamas mit ihm zu Ende gehe.

          Die Bestimmung des Dalai Lamas sei eine politische Frage, und die chinesische Regierung werde nie ihr Recht aufgeben, den Dalai Lama zu bestimmen, schrieb kürzlich in seltener Offenheit der oberste chinesische Religionsfunktionär Zhu Weiqun. Zudem versuchen die chinesischen Religionsbehörden auch, die Bestimmung der in China als „lebende Buddhas“ bezeichneten Tulkus oder Wiedergeburten hoher Lehrer ganz an sich zu ziehen, und bezeichnen darum alle „lebenden Buddhas“, die keine Anerkennung von den staatlichen Religionsbehörden haben, als Betrüger.

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