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Aung San Suu Kyi in Berlin : Der späte Besuch der alten Dame

Aung San Suu Kyi Ende März in Naypidaw, der Hauptstadt Burmas Bild: AFP

Die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi kommt heute nach Berlin. Der Besuch ist ein Zeichen der Versöhnung - denn über das Verhalten Deutschlands gegenüber der Militärjunta in Burma war die Freiheitskämpferin nicht immer glücklich.

          Es ist bekannt, dass die burmesische Freiheitskämpferin Aung San Suu Kyi nicht immer glücklich darüber war, wie sich die Bundesrepublik in der Vergangenheit ihren Verfolgern, der burmesischen Militärjunta, gegenüber verhalten hatte. „Deutschland war nicht so hart wie andere“, sagte kürzlich ein früherer burmesischer Studentenführer dieser Zeitung. Ein langjähriger Beobachter meinte sogar nach dem Beginn der Reformpolitik in Burma, die „Lady“ sei „sauer“ wegen der Berliner Außen- und Wirtschaftspolitik gegenüber den seit 1962 regierenden Militärs. Zwar war auch Deutschland an die Sanktionen gebunden, die die Europäische Union nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 1988 verhängt hatte. Aber die diplomatischen Beziehungen zu Burma wurden auch während der Sanktionszeit nie unterbrochen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Und so hat sich Aung San Suu Kyi nach ihrer Freilassung aus dem Hausarrest dreieinhalb Jahre Zeit bis zu ihrem ersten offiziellen Deutschland-Besuch gelassen. An diesem Donnerstag will die jetzige Oppositionsführerin in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier zusammentreffen. Der Besuch kommt fast zwei Jahre, nachdem sie bei ihrer ersten Auslandsreise seit 24 Jahren Thailand, die Schweiz, Norwegen und Großbritannien bereist hatte.

          Gauck hatte sie bei seinem Burma-Besuch im Februar nach Berlin eingeladen. Es wird als versöhnliches Zeichen gewertet, dass sie die Einladung ohne zu zögern annahm. Im Gespräch mit dem Bundespräsidenten sei keine distanzierte Haltung beobachtet worden, hieß es damals aus Delegationskreisen. Der frühere DDR-Bürgerrechtler und die Friedensnobelpreisträgerin hatten anscheinend eine gemeinsame Basis gefunden. Ähnlich dürfte es ihr mit Angela Merkel gehen. Aung San Suu Kyi wird ihre Treffen nutzen, um sich Unterstützung für ihr Vorhaben zu sichern, im kommenden Jahr bei der Präsidentenwahl als Kandidatin anzutreten. Denn derzeit verhindert die Verfassung ihre Kandidatur. Ein Artikel sieht vor, dass Personen mit direkten Angehörigen ausländischer Staatsbürgerschaft nicht Präsident werden können. Aung San Suu Kyis britischer Ehemann ist Ende der neunziger Jahre verstorben, ihre Söhne haben britische Pässe.

          Die Opposition strebt nun eine Änderung der Verfassung an, die zudem dem Militär immer noch ein Viertel der Sitze im burmesischen Parlament garantiert. Kritiker werfen der Oppositionsführerin vor, zu viele Kompromisse eingegangen zu sein, um ihrem Ziel näher zu kommen. So habe sie sich bisher nicht deutlich genug gegen die Gewalt gegen burmesische Muslime und die staatenlose Volksgruppe der Rohingya ausgesprochen. Im Interview mit der BBC sagte die Tochter des Revolutionsführers Aung San sogar einmal, sie habe durchaus etwas für das Militär übrig. Weniger kritische Stimmen halten dem entgegen, dass sie eben inzwischen eine Politikerin sei und deshalb pragmatisch sein müsse. Am Freitag soll die 68 Jahre alte Friedensnobelpreisträgerin in Berlin den Willy-Brandt-Preis verliehen bekommen. Danach reist sie nach Frankreich weiter.

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