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Bombenanschlag in Thailand : Bangkok erzittert

Kleinteilige Arbeit: Ermittler suchen am Anschlagsort nach Hinweisen. Bild: dpa

Viele Tote und Verletzte hat es nach einem Anschlag in Thailands Hauptstadt Bangkok gegeben. Schon jetzt ist klar, dass die noch unbekannten Angreifer das Land dort treffen wollten, wo es wirklich weh tut. Doch wer steckt hinter den Anschlägen?

          3 Min.

          Auf einer beliebten Straße Bangkoks spielen sich am Montagabend entsetzliche Szenen ab. Gegen sieben Uhr  hat am Erawan-Schrein an der Kreuzung der Straßen Sukhumvit und Ratchadamri eine gewaltige Explosion die Anwohner erschreckt. Die Bilder einer Überwachungskamera zeigen einen großen Feuerstoß und flüchtende Passanten. Ein Korrespondent des Senders Voice of America berichtet live über den Internetdienst Periscope, nur wenige Minuten nach dem Anschlag. Auf der Straße herrscht Chaos, es sind offenbar leblose Körper unter Tüchern und demolierte Fahrzeuge zu sehen. Kleiderfetzen liegen herum, kaputte Elektroteile, Blutlachen, wohl auch abgetrennte Gliedmaßen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Schrein im Hintergrund ist noch erleuchtet. Die Polizei fordert Passanten auf, das Gebiet zu verlassen, da mit weiteren Explosionen gerechnet werden könnte. Krankenwagen transportieren Verletzte ab. Die Polizei sucht in der Umgebung nach weiteren Sprengsätzen, wird fündig. Die zweite Bombe wird entschärft. Am späteren Abend lautet die vorläufige Bilanz: Mindestens 19 Tote und 81 Verletzte, darunter „eine erhebliche Zahl“ Ausländer. Von deutschen Opfern ist zunächst nichts bekannt, doch das Auswärtige Amt und die Botschaft kündigen an, dem nachzugehen. 

          Dort treffen, wo es weh tut

          Schon jetzt ist klar, dass die noch unbekannten Angreifer Thailand dort treffen wollten, wo es wirklich weh tut: In Ratchaprasong, in Bangkoks Zentrum der Geschäftigkeit, wo Touristen und Einheimische durch die Einkaufszentren bummeln, sich in Luxushotels verwöhnen lassen und wo auch die Repräsentanzen internationaler Unternehmen nicht weit sind.

          Die Gottheit strahlt noch: Um den Schrein herum herrscht Chaos und Verwüstung.
          Die Gottheit strahlt noch: Um den Schrein herum herrscht Chaos und Verwüstung. : Bild: dpa

          Das Anschlagsziel selbst ist der bei Thais und Touristen gleichermaßen beliebte Erawan-Schrein, der zwar dem Hindugott Brahma gewidmet ist, aber trotzdem besonders von thailändischen Buddhisten frequentiert wird, die dort Räucherstäbchen anzünden und Blumen niederlegen. Für die Touristen werden in einem kleinen Unterstand neben dem Schrein zudem traditionelle thailändische Tänze dargeboten.

          „Täter wollten Wirtschaft und Tourismus zerstören“

          Für Bangkok ist es ein Schock. Erst am Tag zuvor waren 40.000 Menschen zu Ehren des 83. Geburtstags von Königin Sirikit durch die Millionenstadt geradelt. Thailands Verteidigungsminister Prawit Wongsuwam wird nun mit den Worten zitiert, die Täter wollten die Wirtschaft und den Tourismus Thailands „zerstören“. Über die möglichen Gründe der Tat gibt es zunächst aber nur Spekulationen. Niemand bezichtigte sich eines Anschlags. Das ist in Thailand auch unüblich. Ein politischer Hintergrund ist aber sehr wahrscheinlich.

          Nur noch Schrott: Die Explosion hat zu großer Zerstörung geführt.
          Nur noch Schrott: Die Explosion hat zu großer Zerstörung geführt. : Bild: Reuters

          Vor mehr als einem Jahr hatte in Thailand das Militär die Macht ergriffen. Es hatte den Putsch damit begründet, die Instabilität aufgrund von monatelangen Straßenprotesten beenden zu wollen. Damals hatte es Granatenanschläge auf Demonstranten gegeben. Die Wirtschaft und der Tourismus hatten unter den politischen Grabenkämpfen und der tiefen Spaltung der Gesellschaft gelitten. Ratchaprasong war schon im Jahr 2010 einer der zentralen Demonstrationsorte für die Anhänger des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der seit Jahren im Exil lebt. 

          Ein Anschlag gegen die Junta?

          Doch seit dem Putsch steht das Land nun unter der Knute des früheren Generals und selbsternannten Ministerpräsidenten Prayuth Chan-ocha, der sich eine schier unbegrenzte Macht gesichert hat. Protestbewegungen werden unter ihm unterdrückt.
          Die Endlosdemonstrationen haben damit zwar ein Ende, doch der wirtschaftliche Aufschwung lässt auf sich warten und auch die Touristen haben offenbar weniger Vertrauen in die Sicherheit Thailands. Schon seit längerem herrscht zudem die Befürchtung, dass sich die Gegner der Junta organisieren könnten. Schon im Februar war Sprengkörper vor dem Einkaufszentrum Paragon explodiert und hatte zwei Personen verletzt.

          Am Montagabend war es aber noch zu früh für die Schlussfolgerung, dass sich der Anschlag womöglich wirklich gegen die regierende Junta und ihre Verbündeten richten sollte. Denn mindestens eine weitere Möglichkeit könnte in Betracht kommen. Im Süden des Landes kommt es immer wieder zu Anschlägen durch muslimische Aufständische. In den vergangenen zehn Jahren sind dort tausende Menschen getötet worden. Doch noch nie haben die Separatisten, die vor allem in Richtung der Grenze zu Malaysia operieren, in Bangkok nachweislich einen Anschlag verübt.

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          Ein solches Attentat würde dem über Jahre geradezu vergessenen Konflikt im Süden eine völlig neue Qualität verleihen. Die Unsicherheit in Bangkok ist nun groß, auch weil es noch keine Antwort auf die drängende Frage nach dem Hintergrund der Tat gibt. Die Behörden werden deshalb alles daransetzen, die Täter so schnell wie möglich ausfindig zu machen.    

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