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Asiengipfel ohne Obama : Wenn einer keine Reise tut

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Auf Bali ohne Obama: Indonesiens Außenminister Marty Natalegawa (rechts) mit seinem japanischen Amtskollegen Fumio Kishida (Mitte) und Indonesiens Handelsminister Gita Wirjawan Bild: REUTERS

Im Gerangel mit China um Einfluss in Asien wollte Barack Obama bei zwei Gipfeltreffen Flagge zeigen. Wegen des Haushaltsstreits sagt er nun ab - und überlässt dem großen Rivalen das Feld.

          Mit spürbarer Enttäuschung kommentierte Indonesiens Handelsminister die Absage der Asienreise von Amerikas Präsident Barack Obama: „Wir tagen trotzdem, schließlich sind ja noch 20 andere Apec-Nationen da“, sagte Gita Wirjawan am Freitag auf Bali.

          Apec, das sind die Staaten rund um den Pazifik, deren Staats- und Regierungschefs auf Bali am 7. und 8. Oktober den Freihandel vorantreiben wollen. Obama sagte seine Teilnahme wegen des Haushaltsstreits in Washington ab. Auch zum Gipfel der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) in Brunei kommt er nicht. Stopps auf den Philippinen und in Malaysia hatte er auch schon gestrichen.

          China profitiert

          „Die Stilllegung der Verwaltung hat schon einen Gewinner hervorgebracht: China“, kommentiert die „New York Times“. Denn bei den beiden Gipfeltreffen stehen keine harten Verhandlungen oder Entscheidungen an. Es geht vielmehr ums Antichambrieren, Flagge zeigen, Allianzen stärken. China und die Vereinigten Staaten buhlen um die Gunst der aufstrebenden Südostasiaten - ein Markt von 600 Millionen Menschen. China sitzt sowohl beim Gipfel in Bali aus auch in Brunei am Tisch.

          „Die Rivalität zwischen China und den Vereinigten Staaten spielt sich genau in Südostasien ab - da haben die Vereinigten Staaten nach zehn Jahren einer höchst erfolgreichen chinesischen Charmeoffensive ihre Felle wegschwimmen sehen“, sagt Tang Siew Mun, Direktor des Instituts für Strategische Studien (ISIS) in Malaysia. Obama wollte das eigentlich korrigieren.

          Die Region hatte seine Ankündigung 2011, eine neue Achse in Asien aufzubauen, wärmstens begrüßt. Die Südostasiaten profitieren zwar von Chinas Wirtschaftsengagement und beackern dankbar den riesigen und wachsenden chinesischen Absatzmarkt. Aber dennoch: „Die Südostasiaten wollen die amerikanische Präsenz, das ist ihre Strategie einer Versicherung, sollte China in Zukunft aggressiver werden“, schreibt Christopher Freise von Institut RSIS in Singapur.

          „Klar ist die Absage enttäuschend“

          „Klar ist die Absage enttäuschend“, sagt die Ökonomin Maria Monica Wihardja vom Institut für Strategische Studien in Jakarta. „Da fragen sich viele, ob Obama wirklich die Zügel in der Hand hat und ob die Vereinigten Staaten wirklich so mächtig sind, wie man meint.“

          „Das leistet genau der von China seit einigen Jahren verbreiteten Sichtweise Vorschub, dass Amerika - aus welchen Gründen auch immer - nicht den langen Atem für ein wirklich nachhaltiges Engagement in Asien haben - das ist beunruhigend“, sagte Ernie Bowers, der Südostasienexperte des Instituts für Strategische Studien in Washington (CSIS), diese Woche. „So etwas kann dauerhafte strategische Implikationen haben“, warnte Matthew Goodman, früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates der Vereinigten Staaten.

          In Asien spielen Etikette und persönliche Präsenz eine bedeutende Rolle. Dennoch ist es nicht so, als zögen sich die Vereinigten Staaten mit Obamas Reiseabsage nun aus Asien zurück. Außenminister John Kerry vertritt seinen Chef. Die Politikprofessorin der Universität der Philippinen, Clarita Carlos, sieht es pragmatisch: „Obamas Hütte brennt und er soll über den Pazifik reisen, um die Egos der Apec-Staaten zu streicheln? Das kann ja wohl nicht sein“, sagt sie.

          So sieht es auch Tang: „Ich denke mal, dass die amerikanische Politik über eine einzige Person hinausgeht. Die Grundlage bilden ja Institutionen, und deren Interesse bleibt. Die Vereinigten Staaten müssen Flagge zeigen, sie können es sich gar nicht leisten, nicht in Asien engagiert zu sein.“

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