https://www.faz.net/-gq5-8ah7l

Asean-Wirtschaftsgemeinschaft : Asiatische Gänse im Watschelgang

Das Händeschütteln am Ende eines jeden Asean-Gipfels soll Verbundenheit ausdrücken, wirkt aber immer etwas verkrampft. Bild: dpa

Die Staaten des Asean-Gipfels finden aus Angst um ihre Souveränität traditionell schwierig zusammen. Doch das wachsende Unbehagen mit dem Vorgehen Chinas könnte das nun ändern.

          Die Entwicklung der asiatischen Länder wurde für einige Zeit mit dem Flugverhalten von Wildgänsen verglichen. Demnach übernehme ein Land die Führung, während die anderen Nationen wie fliegende Wildgänse in Formation nach und nach folgen würden. Als dieses Modell Konjunktur hatte, galt Japan als das führende Land an der Spitze. Heute würde man wohl China nehmen. Zu den nachfolgenden Gänsen gehören auch einige Staaten Südostasiens. Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand werden schon länger dazu gezählt, mittlerweile hat auch Vietnam eine vergleichbare Bedeutung für die Wirtschaft gewonnen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Es sind Länder, die nicht zu den asiatischen Wirtschaftsgiganten gehören, aber die von dem Aufstieg Chinas und in geringerem Maße Indiens profitieren. Es sind zudem die Staaten, die Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts besonders stark von den wirtschaftlichen Einbrüchen der Asienkrise getroffen worden waren. Vor diesem Hintergrund erschien es nur logisch, dass die Länder durch eine Gemeinschaft ihre Kräfte bündeln und damit an Bedeutung gewinnen wollten. Den Rahmen dafür bildete die schon im Jahr 1967 gegründete „Vereinigung der Südostasiatischen Staaten“ (Asean). Sie wurde nach und nach erweitert, bis sie ihre heutige Größe von zehn Mitgliedstaaten erreicht hatte. Neben den genannten Ländern gehören auch das Sultanat Brunei, Kambodscha, Laos und Burma dazu.

          Mit dem Beschluss zur Gründung der Asean-Wirtschaftsgemeinschaft am Sonntag in Kuala Lumpur soll nun vor allem die wirtschaftliche Integration ein erhebliches Stück vorangebracht werden. Sie soll einen gemeinsamen Binnenmarkt für Güter, Dienstleistungen, Kapital und Arbeit schaffen und einen „Meilenstein“ darstellen. Ganz so geschmeidig, wie es das Bild von den fliegenden Wildgänsen nahelegt, bewegt sich die Formation allerdings nicht vorwärts. Die südostasiatischen Länder, deren insgesamt 630 Millionen Einwohner sich untereinander mindestens so unterscheiden wie die Menschen in Europa, watscheln dann doch eher wie in einem Gänsemarsch voran.

          So wird die Gemeinschaft viele ihrer wirtschaftspolitischen Ziele nicht wie geplant bis zum 31. Dezember, wenn sie formal in Kraft tritt, erreichen können. Vor allem die nichttarifären Handelshemmnisse schränken den freien Austausch von Gütern und Dienstleistungen zwischen den Ländern weiter ein. Politisch ist die Staatengemeinschaft, die manchmal mit der Europäischen Union verglichen wird, zudem noch weiter von echter Integration entfernt als wirtschaftlich. Immer noch steht das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Mitgliedstaaten über allem anderen. Nur in seltenen Fällen, etwa wie bei dem viele Jahre als Pariastaat angesehenen Burma, wird sanfter Druck ausgeübt.

          Keine Lösung für den „Haze“

          Im Asean-Verbund schütteln sich Staatsvertreter die Hände, die aus einigermaßen gut funktionierenden Demokratien wie den Philippinen und Indonesien, aus formal demokratischen Systemen mit autoritären Zügen wie Singapur und Malaysia, aus der Monarchie Brunei sowie aus autoritären Ländern wie Kambodscha, Laos, Vietnam und heute auch Thailand kommen. Auf ihren Gruppenfotos tun sie das traditionell auf die denkbar umständlichste Art: gleichzeitig in einer Reihe nebeneinander stehend und mit vor dem Oberkörper verschränkten Armen. Das soll die Verbundenheit unterstreichen, wirkt aber auch immer etwas verkrampft.

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Salvini lässt sich am Sonntag von seinen Anhängern in Pontida feiern.

          Lega-Treffen in Pontida : Die Jagdsaison ist eröffnet

          Nach seiner Niederlage ist Matteo Salvini wieder in Angriffslaune. Bei einem Treffen der Lega ruft er zum Sturz der Linkskoalition auf. Die Stimmung in Pontida ist bei spätsommerlichem Wetter in jeder Hinsicht aufgeheizt.
          Christian Pirkner, Chef des Bezahldienstes Blue Code

          Angriff auf Google Pay : „Ich liebe unmögliche Missionen“

          Bisher zahlt kaum jemand mit dem Smartphone. Doch der Unternehmer Christian Pirkner will dem mobilen Bezahlen in Europa zum Durchbruch verhelfen – und legt sich dabei sogar mit Google und Apple an.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.