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Asean-Gipfel : Südostasiatische Harmonieleere

Warten auf die Staats-und Regierungschefs in Burma: Die zehn Asean-Mitgliedsländer repräsentieren mehr als sechshundert Millionen Menschen Bild: dpa

Amerika und China buhlen auf dem Gipfeltreffen in Burma um die Asean-Staaten: Obama bemüht sich um eine diplomatische Charme-Offensive – Peking gibt sich versöhnlich.

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          Der südostasiatische Staatenverbund Asean ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Kleine Länder wie Laos und Brunei stehen neben vergleichsweise großen Ländern wie Indonesien und Thailand. Hinzu kommen Entwicklungsländer wie Burma und Kambodscha, ein Industrieland wie Singapur – und ein Staat wie Malaysia, der sich an der Schwelle zu einem Land mit hohem Einkommen befindet. Zu dem Verbund zählen außerdem Länder wie Vietnam, die sich offiziell sozialistisch nennen, und Demokratien wie die Philippinen. Gemeinsam haben sie, dass sie in einer wirtschaftlich aufstrebenden Region liegen: Zusammen repräsentieren die zehn Mitgliedsländer mehr als sechshundert Millionen Menschen und erwirtschaften ein Bruttoinlandsprodukt von insgesamt 2,5 Billionen Dollar.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Vor allem deshalb versuchten die Vertreter Amerikas und Chinas, den Ostasiengipfel in Burma zu nutzen, um bei den Mitgliedern Vertrauen zu gewinnen und auch ein paar Wogen zu glätten. Trotz des dieses Jahr ausgegebenen Asean-Wahlspruchs „in Einheit voranschreiten“ fällt es den Ländern oftmals schwer, ihre jeweiligen Interessen unter einen Hut zu bringen. Der typische Handschlag, der bei den Gipfeltreffen der Organisation üblich ist, symbolisiert die Widersprüche: Dabei reichen sich die Staats- und Regierungschefs in einer Menschenkette die Hände – allerdings mit vor den Körpern verschränkten Armen.

          Seit etwa drei Jahren wird das Bündnis einer besonders schweren Belastungsprobe ausgesetzt. Die Territorialstreitigkeiten Chinas mit vielen Asean-Staaten haben die Sicherheitslage verschärft. Einige südostasiatische Staaten haben sich stärker Amerika angenähert, andere halten China die Treue. Es war abzusehen, dass der Gipfel in Burma mit Partnern wie Amerika, Australien, China, Japan, Südkorea, Russland, Indien und den Vereinten Nationen unter dem Eindruck des Konflikts im Südchinesischen Meer stattfinden würde.

          Am Vormittag waren die meisten Teilnehmer des Gipfels in Burmas Hauptstadt Naypyidaw mit Limousinen vorgefahren, die der deutsche Hersteller BMW und sein örtlicher Partner gesponsert haben. Nur der amerikanische Präsident kam mit einem eigenen gepanzerten Fahrzeug. Obama hat mit seiner vielfach verkündeten „Hinwendung“ nach Asien hohe Erwartungen geweckt. Doch viele Staaten warten hier immer noch auf die praktische Umsetzung der Ankündigungen. Südostasiatische Regierungsvertreter haben das Gefühl, dass Obama immer wieder durch innen- und andere außenpolitische Krisen abgelenkt wird. Das war besonders deutlich geworden, als Obama seine Teilnahme am Ostasiengipfel vor einem Jahr wegen des Haushaltsstreits in Amerika absagen musste.

          „Hinwendung“ nach Asien: der amerikanische Präsident Barack Obama trifft Burmas Präsident Thein Sein in Naypyidaw
          „Hinwendung“ nach Asien: der amerikanische Präsident Barack Obama trifft Burmas Präsident Thein Sein in Naypyidaw : Bild: AFP

          Doch diesmal war er da. Er setzte in Burma seinen Gipfelmarathon fort, der mit dem Apec-Treffen in Peking begonnen hatte und am Wochenende mit dem G20-Gipfel im australischen Brisbane enden soll. Obama bedankte sich beim burmesischen Gastgeber für den „exzellenten Gipfel“. Er äußerte sinngemäß, er sehe den demokratischen Reformprozess in Burma trotz der Furcht vor möglichen „Rückschritten“ als die Erfolgsgeschichte seiner Asienpolitik an.

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