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Apec-Gipfel in Peking : China redet wieder mit seinem Rivalen Japan

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Endlich ein Händedruck: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping (r.) empfängt Japans Premierminister Shinzo Abe Bild: AP

Ihr Verhältnis ist frostig, aber als Gastgeber des Apec-Gipfels empfängt Chinas Präsident Xi erstmals Japans Premier Abe. Gleich zu Beginn des Gipfels verkündet Xi einen großen Verhandlungserfolg - allerdings mit einer anderen Wirtschaftsnation.

          Mit einer versöhnlichen Geste zwischen China und Japan haben die bilateralen Gespräche auf dem Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) in Peking begonnen. Nach zwei Jahren Eiszeit wegen des erbitterten Streits über eine Inselgruppe empfing der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping am Montag erstmals den japanischen Regierungschef Shinzo Abe. Auch in den Handelsgesprächen gab es Fortschritte. China und Südkorea einigten sich auf einen bilateralen Freihandelspakt, der die Integration in der Region voranbringen soll.

          Das Spitzentreffen zwischen Xi und Abe signalisiert ein Tauwetter in den frostigen Beziehungen zwischen China und Japan. Wegen des Streits um die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannten Inseln im Ostchinesischen Meer, die auch von Taiwan beansprucht werden, ist das Verhältnis stark angespannt. Hinzu kommen chinesische Vorwürfe über eine mangelnde Aufarbeiten der japanischen Kriegsvergangenheit. Bisher hatte Xi dem langgehegten Wunsch Abes nach einem Treffen immer eine Absage erteilt.

          Mögliches Treffen Obama-Putin

          Zu den zweitägigen Beratungen der 21 Pazifik-Anrainer und einem anschließenden Staatsbesuch in China traf auch der amerikanische Präsident Barack Obama am Montag in der chinesischen Hauptstadt ein. Am Rande des Gipfels könnte es möglicherweise zu einem informellen Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin kommen, der schon seit Sonntag in Peking ist. Am Dienstag und Mittwoch plant Obama im Rahmen des Staatsbesuchs mehrere Gespräche mit Chinas Präsident Xi.

          Die amerikanische Sicherheitsberaterin Susan Rice beschrieb das Verhältnis zu China als „eine der bedeutendsten bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten“. In einem Interview des chinesischen Staatsfernsehens CCTV verwies Rice auf die Wirtschaftskooperation, Chinas schiere Größe und seine Rolle bei der Lösung globaler Fragen. Die Beziehungen seien „sehr komplex und vielschichtig“, sagte Rice.

          Von Hackerangriffen und Menschenrechtsproblemen

          Die Vereinigten Staaten suchten die Zusammenarbeit, doch gebe es auch Meinungsunterschiede. „Es ist wichtig, dass wir sorgfältig, verantwortlich und offen mit diesen Differenzen umgehen“, sagte Rice. Wie aus amerikanischen Delegationskreisen verlautete, sollen bei den Gesprächen Obamas in Peking auch Menschenrechtsprobleme, die Demonstrationen für mehr Demokratie in Hongkong sowie amerikanische Vorwürfe wegen chinesischer Hackerangriffe zur Sprache kommen.

          Im Anschluss an seinen China-Besuch fliegt der amerikanische Präsident Obama weiter nach Myanmar (früher: Burma), um an einem Gipfel der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean) teilzunehmen. Zum Abschluss (15./16. November) reist er zum G20-Gipfeltreffen in die australische Stadt Brisbane. Dort will Obama auch eine bedeutende Rede zur amerikanischen Führungsrolle in der asiatisch-pazifischen Region halten.

          Im Mittelpunkt der Gespräche der Staats- und Regierungschefs der Pazifik-Anrainer stehen der Ausbau der Kooperation, eine engere wirtschaftliche Integration sowie die Neuordnung der Handelsordnung. Der Wirtschaftsraum stellt fast die Hälfte des Handels und 57 Prozent der Wirtschaftsleistung der Welt dar. Seit Olympia 2008 hat es in Peking keine internationale Veranstaltung von dieser Größe und Bedeutung mehr gegeben.

          Börsen in Hongkong und Shanghai kooperieren

          Bei einem Treffen zwischen Chinas Präsident und Südkoreas Präsidentin Park Geun hye verkündeten beide Seiten eine Einigung über ein seit 2012 verhandeltes bilaterales Freihandelsabkommen. China ist Südkoreas größter Handelspartner. Der bilaterale Warenaustausch umfasste im vergangenen Jahr nach chinesischen Angaben 274 Milliarden US-Dollar. Für China ist Südkorea der drittwichtigste Handelspartner.

          Außerdem wurde bekannt, dass die Börsen in Hongkong und Shanghai nächste Woche eine enge Kooperation beginnen, die den bislang stark abgeschotteten chinesischen Aktienmarkt für ausländische Anleger öffnen wird. Laut Aufsichtsbehörden wird die Zusammenarbeit am 17. November beginnen.

          Mit der Öffnung des Aktienmarktes in China wird es Anlegern in Hongkong und Shanghai ermöglicht, jeweils an der anderen Börse gelistete Papiere zu handeln. Aktien im Gesamtvolumen von täglich bis zu 23,5 Milliarden Yuan (2,8 Mrd Euro) sollen nach Schätzungen dann grenzüberschreitend gehandelt werden können.

          China will Shanghai als globales Finanzzentrum aufbauen und hat dafür eine Freihandelszone in der Hafenmetropole entwickelt, wo mit einer weiteren Öffnung experimentiert wird. Hongkong stärkt mit der Kooperation seine Position als Tor zu China.

          Der Start der Kooperation war ursprünglich im Oktober erwartet worden, aber offensichtlich wegen der wochenlangen Demonstrationen für mehr Demokratie in der früheren britischen Kronkolonie verschoben worden. Seit der Rückgabe an China 1997 wird die asiatische Finanzmetropole Hongkong heute autonom als chinesische Sonderverwaltungsregion in einem eigenen Territorium regiert.

          Experten erwarten, dass die Kooperation in der Zukunft auch auf die Börse in der südchinesischen Metropole Shenzhen ausgeweitet werden könnte. Die Nachricht von der künftigen Zusammenarbeit beflügelte am Montag die Börsen in Hongkong und Shanghai.

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