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Anschlag vereitelt : Terroristen planten offenbar Raketenangriff in Singapur

Sollte offenbar Ziel eines Anschlags werden: das Finanzzentrum Singapurs. Bild: dpa

Indonesien hat mehrere mutmaßliche Terroristen des „Islamischen Staats“ festgenommen. Sie sollen geplant haben, Wahrzeichen der Finanz- und Tourismusmetropole Singapur mit Raketen anzugreifen.

          Die Finanz- und Tourismusmetropole Singapur scheint nur knapp einem Raketenangriff durch Islamisten entgangen zu sein. Der Innen- und Justizminister Kasiviswanathan Shanmugam warnte, Radikale würde nach weiteren Möglichkeiten für einen Anschlag suchen. Der Stadtstaat arbeite eng mit den Sicherheitsbehörden in den umliegenden Ländern wie Indonesien oder Malaysia zusammen, um dies zu verhindern. „Singapur muss begreifen, dass die Menschen, die uns verletzen wollen, es sehr ernst meinen. Sie werden nach allen möglichen Wegen suchen“, warnte Shanmugam.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der südostasiatische Stadtstaat gilt als enger Verbündeter Amerikas. Ministerpräsident Lee Hsien Loong ist gerade erst von einem Abschiedsbesuch bei Präsident Barack Obama zurückgekehrt. Zugleich ist der Inselstaat Spielplatz der Reichen und verfügt über die höchste Millionärsdichte weltweit. Zwar wird die Tropeninsel strikt geführt, doch lebt sie von ihrer Offenheit – mehr als 200 Millionen Menschen kreuzen die Grenze des Inselstaates mit seinen knapp sechs Millionen Einwohnern jährlich. Am Dienstag feiert die junge Nation ihren 51. Gründungstag.

          Indonesien hatte am Freitag sechs Verdächtige zwischen 19 und 46 Jahren auf der Singapur vorgelagerten Insel Batam festgenommen. Der Führer der Zelle habe geplant, einen Raketenanschlag auf das touristische Wahrzeichen Singapurs, Marina Bay im Zentrum des Finanzbezirks, auszuführen. An der viel besuchten Freizeitbucht steht Marina Bay Sands, das weltberühmte Casino und Hotel, mit seinem Swimmingpool auf dem Dach im 57. Stockwerk. Das Hotel gehört dem amerikanische Las Vegas Sands-Konzern und ist mit seinen 2561 Zimmern meist ausgebucht. Der „Infinity-Pool“ wird rund um die Erde als ein Symbol für Wohlstand und Lebensfreude der Tropenmetropole betrachtet. Entlang der Marina Bay wird Mitte September auch das einzige Nachtrennen mit Hunderttausenden von Zuschauern ausgetragen werden.

          An dem Anschlag soll nach Berichten der staatlichen Medien in Singapur auch der in Syrien ansässige indonesische Terrorist Muhammad Bahrun Naim, Mitglied des „Islamischen Staates“ (IS), beteiligt werden. Die Terrorzelle, so die indonesischen Behörden, habe sich den Namen Katibah GR (Zelle GR) gegeben. Deren Anführer, der 31 Jahre alte Indonesier Gigih Rahmat Dewa, wurde bei der Razzia festgenommen. Er soll für den IS in Syrien und Irak gekämpft haben. Bahrun Naim soll ihm Gelder für den Anschlag auf Singapur zur Verfügung gestellt haben. Dieser gilt als Werber für Rekruten des IS, die dann im Irak oder Syrien eingesetzt werden. Eines der Mitglieder der Gruppe, ein Uigure, soll schon einem Selbstmordattentäter geholfen haben, der Anfang Juli eine Polizeiwache in der indonesischen Stadt Solo auf Java angegriffen hatte.

          Batam liegt nur gut 40 Kilometer Luftlinie von der Tropeninsel Singapur entfernt. Die Überfahrt mit der Fähre dauert eine Dreiviertelstunde. Hier arbeiten Tausende Indonesier in Fabriken, die von Singapur aus gesteuert werden. Auch deutsche Unternehmen wie Siemens betreiben auf Batam Fertigungen, um von den wesentlich billigeren Löhnen dort zu profitieren und zugleich zollfrei über den Weltklasse-Hafen oder den Flughafen Singapurs ihre Waren ausführen zu können.

          Die indonesische Polizei gibt an, bei den Verdächtigen auf Batam Materialien zum Bau von Bomben gefunden zu haben.  Terrorfachleute nehmen die bislang unbekannte Zelle als Beleg dafür, dass sich der islamistische Terror in immer kleinere, schwer zu verfolgende Gruppierungen aufspalte. Bislang galt Jemaah Islamiah als die größte indonesische Terrorgruppe.

          Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Dort wurden in den vergangenen 15 Jahren mehrere schwere Bombenanschläge verübt. Allein bei einem Attentat auf Bali wurden 2002 mehr als 200 Menschen, vor allem Urlauber aus Australien, getötet. Im Januar griffen mutmaßliche IS-Kämpfer mehrere Ziele in der Hauptstadt Jakarta an und töteten vier Menschen. Im April hatte Singapurs Polizei vier Verdächtige Gastarbeiter aus Bangladesch festgenommen, die angeblich die Finanzierung von Terroranschlägen der Gruppe Daesh Takfiri in ihrem Heimatland vorbereiteten. Ein Gericht verurteilte sie inzwischen zu Haftstrafen bis zu fünf Jahren. Im Januar hatte Singapur 26 Arbeiter aus Bangladesch ausgewiesen, weil sie eine Gruppe gebildet haben sollen, die die Ideologie von IS (Deash) und al Qaida verbreitete.

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