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Anschlag mit 60 Toten : Der Terror kehrt nach Pakistan zurück

  • Aktualisiert am

Soldaten und Trauernde am Ort des Anschlags Bild: AFP

Extremisten töten mehr als 60 Menschen in einem Krankenhaus im pakistanischen Quetta. In der Region operieren mehrere dschihadistische Gruppen. Die Regierung beharrt aber darauf, dass der IS nicht im Land aktiv sei.

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          Die Täter gingen mit unfassbarer Skrupellosigkeit vor. Zunächst war am Morgen der Präsident der örtlichen Anwaltskammer von Belutschistan, Bilal Anwar Kasi, auf dem Weg zur Arbeit in der Provinzhauptstadt Quetta von zwei Unbekannten erschossen worden. Stunden später verübte ein Selbstmordattentäter einen Anschlag in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Quetta, just dort, wo sich Anwälte und Journalisten versammelt hatten, um dem Ermordeten das letzte Geleit zu geben.

          Mehr als 60 Menschen wurden getötet, weitere 120 verletzt. Unter den Toten waren 18 Anwälte. Die Vereinigung der vor dem Obersten Gerichtshof zugelassenen Rechtsanwälte sprach von einem „Anschlag auf die Justiz“. Ein Sprecher der Provinzregierung Belutschistans erklärte, offenbar sei die Trauergemeinde gezielt angegriffen worden.

          In der Region im Grenzgebiet zu Afghanistan operiert eine Vielzahl dschihadistischer Gruppen. Zu dem Anschlag bekannte sich Jamaat-ul-Ahara, eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban. Ein Militärsprecher behauptete in einer über Twitter verbreiteten Mitteilung, der Anschlag sei „ein Versuch, die verbesserte Sicherheitslage“ in Belutschistan zu untergraben – insbesondere den von China geplanten Wirtschaftskorridor zum Tiefseehafen Gwaddar. Der Korridor ist ein für Peking strategisch wichtiges Milliardenprojekt, um China Zugang zum Indischen Ozean zu verschaffen. Pakistan erhofft sich davon erhebliche wirtschaftliche Impulse und hat eigens dafür eine neue Einheit der Sicherheitskräfte geschaffen.

          Mehrere Medien berichteten, auch der lokale Ableger der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) habe sich des Blutbads bezichtigt. Der pakistanische Fernsehsender Geo TV vermeldete dies kurz, schwieg sich aber später darüber aus. Ein Grund dafür könnte sein, dass die pakistanische Regierung darauf beharrt, dass der IS nicht im Land präsent sei. Medien melden aber immer wieder Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern. Die sogenannte Khorasangruppe, die sich zum IS bekennt, ist jenseits der Grenze in Afghanistan aktiv. Sie hatte sich vor zwei Wochen zu einem Bombenanschlag auf eine Demonstration von Schiiten in Kabul mit mehr als 80 Toten bekannt.

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          In den vergangenen Monaten hatte es allerdings auch mehrere gezielte Attentate gegen Juristen gegeben derer sich der IS nicht bezichtigte. Der Ermordete Kasi hatte die Anschläge öffentlich beklagt. Unklar blieb, warum Rechtsanwälte – eine einflussreiche, gut organisierte Berufsgruppe in der pakistanischen Zivilgesellschaft – ins Visier von Attentätern geraten sollten. In jedem Fall konnten sich die Täter auch aufgrund der Auswahl ihrer Opfer sicher sein, dass sie eine breite nationale und internationale Medienöffentlichkeit erreichen würden.

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