https://www.faz.net/-gq5-7kbu0

Anschlag auf Bundeswehrkonvoi : De Maizière spricht von „labiler Sicherheitslage“

  • Aktualisiert am

Afghanische Polizisten am Ort des Anschlags in Kabul Bild: AP

Bei dem Selbstmordanschlag auf einen Bundeswehrkonvoi nahe des Kabuler Flughafens wurden keine deutschen Soldaten verletzt. Verteidigungsminister De Maizière - zurzeit auf Truppenbesuch in Afghanistan - bezeichnet das Attentat trotzdem als „besorgniserregend“.

          3 Min.

          Der geschäftsführende Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat den Anschlag auf einen Bundeswehr-Konvoi nahe des internationalen Flughafens in Kabul als „besorgniserregend“ bezeichnet. Er fügte hinzu: „Die Sicherheitslage bleibt labil. Aber es ist kein Grund, jetzt von unserem Kurs abzuweichen“, sagte er am Mittwoch während eines Truppenbesuchs im nordafghanischen Masar-i-Scharif.

          Eine Stunde nach seiner Ankunft dort war im mehrere hundert Kilometer entfernten Kabul ein Konvoi mit fünf gepanzerten Bundeswehrfahrzeugen auf dem Weg zum Flughafen von einem Selbstmordattentäter attackiert worden. In einem Pkw fuhr der Angreifer nach Angaben eines Bundeswehr-Sprechers von hinten an die Kolonne heran und zündete einen Sprengsatz. Zwei Fahrzeuge wurden beschädigt, eins davon schwer. Deutsche Soldaten wurden aber nicht verletzt.

          Unter den beschädigten Fahrzeugen war auch ein Geländewagen vom Typ „Wolf“. Mit einem solchen Fahrzeug war auch de Maizière in Masar-i-Scharif im Konvoi unterwegs. Der Minister betonte aber, dass sein persönliches Sicherheitsgefühl durch den Anschlag nicht beeinträchtigt sei. „Alles was deutschen Soldaten zugemutet wird, muss ich mir selber auch zumuten“, sagte er.

          Von den knapp 3.400 in Afghanistan und Usbekistan eingesetzten Bundeswehrsoldaten sind laut Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam derzeit 290 in Kabul stationiert. 140 von ihnen werden im Hauptquartier der Isaf eingesetzt. Die übrigen 150 Soldaten arbeiten als Berater afghanischer Sicherheitsbehörden, als Mentoren der Logistikschule der afghanischen Armee oder sie kümmern sich um die Versorgung und den Betrieb des deutschen Kontingent in Kabul, das mit dem Camp Qasaba über ein rein nationales Lager in der afghanischen Hauptstadt verfügt.

          Die Taliban bezichtigten sich des Anschlags.Ihr Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte, zwei deutsche Militärfahrzeuge seien zerstört und zehn Soldaten getötet oder verwundet worden. Die Taliban haben ihre Darstellung von Anschlägen auf ausländische Soldaten meist übertrieben. Nach Angaben eines Isaf-Sprechers wurde der Attentäter getötet, es habe keine weiteren Toten gegeben.

          Vor zehn Jahren: Tote und Verletzte bei ähnlichem Anschlag

          Bei einem ähnlichen Anschlag auf zwei Bundeswehrbusse waren vor zehn Jahren in Kabul vier Personen getötet und 31 weitere verletzt worden. Es war damals das erste Mal, dass deutsche Soldaten gezielt Opfer eines Selbstmordanschlags waren.

          Damals sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Taxi neben einem Konvoi mit deutschen Isaf-Soldaten in die Luft. Sie befanden sich auf dem Weg zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt, um nach Ende ihres Einsatzes nach Deutschland zurückzukehren.

          De Maizière in Mazar-i-Scharif

          Der Anschlag ereignete sich während eines Besuchs des geschäftsführenden Verteidigungsministers Thomas de Maizière in Nordafghanistan, bei dem de Maizière baldige Klarheit über einen internationalen Militäreinsatz in Afghanistan nach 2014 verlangte.

          Er forderte die afghanische Regierung am Mittwoch bei seinem Truppenbesuch in Mazar-i-Scharif auf, mit der Unterzeichnung eines dafür zwingend notwendigen Sicherheitsabkommens nicht bis zur Präsidentschaftswahl im April zu warten. Das sei „sicher zu spät“, sagte er.

          „Öffentlicher Druck führt nicht zu Beschleunigung“

          Gleichzeitig riet De Maizière aber, den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai öffentlich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. „Alle Seiten wissen, dass wir rasch dieses Abkommen brauchen. Öffentlicher Druck führt nach meiner Kenntnis der Person des Präsidenten Karzai und der afghanischen Mentalität nicht zu einer Beschleunigung.“

          Die Vereinigten Staaten dringen bei Karzai darauf, das Sicherheitsabkommen noch in diesem Jahr zu unterzeichnen. Sie drohen mit einem Abzug aller Soldaten aus Afghanistan bis Ende 2014 und der Streichung finanzieller Hilfsmittel. Kernpunkt des Abkommens ist der Schutz ausländischer Soldaten vor Strafverfolgung durch die afghanischen Behörden. Karsai hatte erklärt, er wolle die Unterzeichnung seinem im April zu wählenden Nachfolger überlassen.

          De Maizière war am frühen Mittwochmorgen in Mazar-i-Scharif eingetroffen, dem letzten von einst drei größeren deutschen Feldlagern in Nordafghanistan. Aus Kundus ist die Bundeswehr im Oktober abgezogen, das Lager in Feisabad wurde bereits ein Jahr zuvor an die Afghanen übergeben. Für de Maizière ist es der 14. Afghanistan-Besuch seit seinem Amtsantritt als Verteidigungsminister 2011.

          Die vorweihnachtlichen Ministerbesuche bei den Soldaten im Einsatz haben Tradition. Nach Afghanistan reiste de Maizière vom Kosovo aus, wo er ebenfalls Weihnachten mit Soldaten vorfeierte.

          Derzeit sind noch etwa 3400 deutsche Soldaten in Afghanistan. Die Nato will Ende 2014 ihren Kampfeinsatz dort beenden und dann noch mit 8000 bis 12.000 Soldaten zur Beratung und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte im Land bleiben. Deutschland will 600 bis 800 Soldaten für die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) zur Verfügung stellen.

          De Maizière befürchtet, dass die Einsatzplanung für die Zeit nach 2014 nicht mehr möglich ist, wenn nicht bald die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Dazu zähle neben dem Sicherheitsabkommen eine Zusage der Vereinigten Staaten für ein weiteres Engagement. „Sie können nicht die Entscheidung, ob man 600 bis 800 Soldaten in Afghanistan hat, (.) im Oktober, November fällen, wenn es im Januar losgeht“, betonte de Maizière. „Ich möchte jetzt aber auch keinen Zeitraum sagen, wann wir planerisch einen letzten Punkt haben, bei dem es nicht mehr geht. Das wäre auch taktisch nicht klug. Ich sage nur: je früher je besser.“

          Weitere Themen

          Nichtgeimpfte sollen Tests künftig selbst zahlen Video-Seite öffnen

          Scholz : Nichtgeimpfte sollen Tests künftig selbst zahlen

          SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz spricht sich in der Gesprächsreihe „Brigitte Live“ für Tests für Reiserückkehrer aus. Dabei betont er auch, dass freiwillig Nichtgeimpfte ihre Tests „dann irgendwann selber zahlen müssen.“

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.