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Iranischer Parlamentspräsident : „Ein Zerfall Syriens wäre eine Belohnung der Terroristen“

  • -Aktualisiert am

Ali Laridschani: „Iran ist das einzige Land, dass wirksam gegen den Terrorismus vorgeht.“ Bild: Picture-Alliance

Neue partnerschaftliche Beziehungen mit Amerika, Lösungen im Syrienkonflikt und die Rivalität mit Saudi-Arabien: Ali Laridschani im F.A.Z.-Gespräch über die Rolle des Iran.

          Herr Parlamentspräsident, Sie kommen gerade aus New York. Welchen Eindruck haben Sie dort gewonnen, wird der amerikanische Kongress dem Atomabkommen mit Iran zustimmen?

          Soweit ich weiß, gibt es im Kongress genügend Stimmen, um das Abkommen durchzubringen. Aussagen, insbesondere von Präsidentschaftskandidaten, zeigen aber, dass ihnen das Thema Iran nicht klar ist.

          Was würde geschehen, wenn ein Republikaner zum Präsidenten gewählt würde und das Abkommen aufkündigte?

          Wir würden reziprok antworten. Wir denken an bestimmte Maßnahmen, wollen aber nichts sagen, solange nichts geschieht. Es wäre allerdings unschön, wenn die Vereinigten Staaten so etwas tun würden, denn es würde der Welt zeigen, dass auf die Entscheidungen der amerikanischen Regierung kein Verlass ist.

          Sind partnerschaftliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten überhaupt möglich?

          Das liegt ganz an den Vereinigten Staaten. Der Oberste Führer Chamenei sagte, dass das Atomabkommen als ein Test zu verstehen sei.

          Herr Laridschani, Sie waren von 2005 bis 2007 selbst für die Atomverhandlungen verantwortlich. Die jüngsten Verhandlungen haben Sie kritisiert. Was hätten Sie anders gemacht?

          Alles in allem glaube ich, dass das Wiener Abkommen akzeptabel ist. Die amerikanische Regierung hatte während der Verhandlungen nie aufgehört, uns zu drangsalieren. Sie haben uns Dinge aufgezwungen, die keine logische, technische oder legale Rationalität besitzen. Die Islamische Republik Iran hat dennoch einige ihrer Ziele erreicht. Das Abkommen hat Schwachstellen und Mängel. Es gibt Leute in Iran, die das Abkommen ablehnen, viele von ihnen sitzen im Parlament.

          Das Abkommen ebnet den Weg für eine Zusammenarbeit außerhalb des Atomdossiers. Was wird dadurch möglich?

          Viele Probleme in der Region könnten auf diplomatischem Wege gelöst werden. Für die syrische Krise hatte es immer die Möglichkeit für eine politische Lösung gegeben, das gilt auch für den Jemen.

          Aber in Syrien ist im fünften Jahr des Kriegs kein Ende der Tragödie absehbar.

          Wir hatten zu Beginn der syrischen Krise unseren europäischen Freunden gesagt, dass es eine politische Lösung gibt. Zwei Dinge schadeten diesem Ansatz: Erstens, regionale Mächte wollten die Krise auf ihre Art, und zwar militärisch, lösen. So gibt es in der Region Länder, die ihre einstigen Reiche wiederbeleben wollen, und es gibt Länder, die ihre extremistischen und radikalen Ideen verbreiten. Sie kamen vor viereinhalb Jahren zu uns und sagten, sie würden Damaskus in zwei Wochen eingenommen haben. Wir warnten sie vor den bitteren Folgen und sagten ihnen, dass es in Syrien neue terroristische Gruppen geben werde. Ich sagte das auch europäischen Politikern, sie hörten mir nicht zu. Der Einzige, der mir zuhörte, war Außenminister Steinmeier.

          Lässt sich ein Zerfall Syriens verhindern?

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